Weltes Wohlfühlkirmes Schaustellerfamilie Welte dominiert Westerkappelner Kirmes

Von Frank Klausmeyer

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Westerkappeln. Wer Friedrich Welte nach der Westerkappelner Kirmes fragt, sollte Zeit mitbringen. Denn dazu hat der 63-Jährige jede Menge zu erzählen. Dieser Rummel hat für ihn einen ganz besonderen Stellenwert.

„Es gibt keine Kirmes, wo ich mich so wohl gefühlt habe wie hier“, sagt der Schausteller aus Bramsche. Und dass der Jahrmarkt so aussieht, wie er heute dasteht, zählt Friedrich Welte auch zu seinem Mitverdienst.

Friedrich Weltes (Groß-)Familie verdient seit ewigen Zeiten ihr Geld auf Volksfesten. Sein ältester Enkel Carl (17) ist wie selbstverständlich beim Musik-Express auf dem Kirchplatz eingespannt – ein Welte-Spross aus der achten Schausteller-Generation.

Begonnen mit 16

Friedrich Welte ist noch ein Jahr jünger, als er vom Vater ins kalte Wasser geworfen wird. Der Betreiber der bekannten Raupenbahn hat seinem Sohn die Verantwortung für ein neues Fahrgeschäft – die „Sprungschanze“ – übertragen. „Ich musste Plätze besorgen“, erinnert sich Friedrich Welte. In Westerkappeln holt er sich beim damaligen Marktmeister Gustav Strothebeck zunächst einen Korb. „Alles voll, hieß es.“

Welte lässt nicht locker. Er macht den Vorschlag, die „Sprungschanze“ vors Rathaus zu stellen, dort, wo heute der Scheibenwischer „Devil Dance“ steht. Doch der Rummel reichte vor 1971 nur von einem Sandsteinportal des Kirchplatzes zum anderen. Mehr Karussells als Autoscooter, Bobbahn und „Tütti“ Telsemeyers Pferdekarussell passten dort nicht hin. Bei Gemeindedirektor Horst Wermeyer sei er dann aber auf offene Ohren gestoßen, erzählt Welte.

Expansion

Friedrich Welte expandiert und mit ihm die Westerkappelner Kirmes. Irgendwann verkauft er seine „Sprungschanze“ und legte sich den „Power-Express“ zu. Eigens für die Westerkappelner Kirmes habe er sich ein sechseckiges Modell – deutschlandweit einmalig – bauen lassen, „weil auf den Kirchplatz kein viereckiges hinpasste.“ Dieser Musik-Express hat immer noch seinen Platz in Westerkappeln – zwischenzeitlich wurde das Karussell allerdings ein halbes Dutzend Mal modernisiert und umgebaut.

Den „Power-Express“ übernimmt später der älteste Sohn Timm, seit seiner Hochzeit ist er damit selbstständig unterwegs. Friedrich Welte geht derweil mit einer „Petersburger Schlittenfahrt“ an den Start. Auch dafür gibt es keinen Platz in Westerkappeln – bis Welte vorschlägt, das Karussell auf die Kreuzung vor dem früheren Gasthaus Kramer zu stellen. Die Kirmes in Westerkappeln ist damit noch ein Stückchen gewachsen.

Noch größer, noch schneller

1994 wird die „Schlittenfahrt“ schließlich an gleicher Stelle durch den „Break Dance“ ersetzt – noch größer, noch schneller. „Wenn wir keinen großen Kran hätten, könnten wir den da gar nicht aufbauen“, betont der 63-Jährige. Seit 2012 belegt der Welte-Clan mit dem „Devil Dance“ auch wieder den Platz vor dem Rathaus.

Dieses Karussell betreibt Weltes jüngster Sprössling Riccardo (24). Sein Sohn Fredi (34) führt den „Break Dance“. Bei Familienoberhaupt Friedrich Welte laufen alle Fäden zusammen. Er selbst lässt es etwas gemächlicher angehen, steht mit seiner „Kleinen Kneipe“, die er vor vier Jahren von Mutter Gisela übernahm, aber natürlich immer noch mit beiden Beinen im Geschäft. Auch der Toilettenwagen auf dem Kirchplatz (Welte: „immer top sauber“) ist sein Eigen. Damit hat es sich auf der Westerkappelner Kirmes noch lange nicht „ausgeweltet“. Sein Cousin Manfred betreibt einen großen Fischwagen, dessen Sohn Christian hat einen Pizzastand. Zum „Verwandtschaftskreis“ auf dem hiesigen Jahrmarkt gehören zudem ein Süßwarenstand und eine Spielzeugbude.

Wurzeln vor dem Zweiten Weltkrieg

Die Verbundenheit des Welte-Clans zu Westerkappeln reicht weit zurück: Die Gebrüder Welte, Friedrichs Opa Paul und dessen Bruder Karl, gehörten schon vor dem Zweiten Weltkrieg mit einer Schiffschaukel zu den Stammbeschickern der Westerkappelner Kirmes. Des Großonkels Enkel Marco ist heute übrigens Chef der Achterbahn, die auf der Wiese am Kirchplatz aufgebaut ist. Und wenn Friedrich Welte wollte, oder besser wenn der Platz und Bedarf da wäre, könnte er in der Verwandtschaft noch vier Riesenräder und drei Autoscooter auftreiben.

Diese familiäre Verbundenheit tröstet zuweilen auch über das „traurigste Kapitel“ – wie Welte es nennt – im Schaustellergeschäft hinweg: den Personalmangel. Selbst in Osteuropa seien nur noch unzureichend Mitarbeiter zu finden. „Wir können uns gegenseitig helfen und lassen kein Karussell auf dem Packwagen. Auf der Hälfte der Jahrmärkte gibt es Absagen von Schaustellern, weil denen Leute zum Auf- und Abbau fehlen.“

„Hier immer gutes Geld verdient“

Nun, Weltes „Wohlfühlkirmes“, wie er die bunte Mischung aus kleineren und großen Fahrgeschäften, Imbiss- und Getränkeständen sowie Schieß- und Wurfbuden in Westerkappeln bezeichnet, steht. Und ohne den Namen Welte täten sich vermutlich ähnlich große Lücken auf wie auf einigen anderen Rummelplätzen in der Umgebung. Dass sich das hier in absehbarer Zeit ändern könnte, steht nicht zu erwarten: „Wir haben hier immer gutes Geld verdient“, erklärt Friedrich Welte.

Die Kirmes beginnt am Samstag und Sonntag um 15 Uhr. Am Montag wird der Rummel zeitgleich mit dem Kinderflohmarkt bereits um 10 Uhr eröffnet.


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