Das Gesicht des Freibades geht Schwimmmeister Heinrich Elgert schließt am Bullerteich endgültig ab

Von Frank Klausmeyer

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Seit 35 Jahren steht Heinrich Elgert als Schwimmmeister am Beckenrand, die meiste Zeit davon war er Leiter. Bürgermeisterin Annette Große-Heitmeyer wird demnächst den Nachfolger vorstellen.Foto: Frank KlausmeyerSeit 35 Jahren steht Heinrich Elgert als Schwimmmeister am Beckenrand, die meiste Zeit davon war er Leiter. Bürgermeisterin Annette Große-Heitmeyer wird demnächst den Nachfolger vorstellen.Foto: Frank Klausmeyer

Westerkappeln. Irgendwann ist es ja auch mal gut gewesen. Der Hochsommer ist vorbei, das Badewetter beendet. Schwimmmeister Heinrich Elgert schließt Samstagmittag die Pforte zum Bullerteich. Endgültig! Das Freibad wird im kommenden Jahr zwar wieder öffnen, der 64-Jährige steht dann aber wohl nur noch als Gast am Beckenrand. Für ihn war es definitiv die letzte Saison.

Das Gesicht des Bullerteichs geht in den Ruhestand. Das Rentenalter erreicht er zwar erst Ende 2019, bis dahin feiert er Überstunden ab. „Da hat sich in den letzten 28 Jahren einiges angesammelt“, sagt er schmunzelnd. Denn so lange hat er das Freibad geleitet, beschäftigt ist er dort sogar seit 35 Jahren. Irgendwann ist es ja auch mal gut gewesen.

„Das war ein Spitzensommer“

Petrus hat es in Elgerts letzter Saison wirklich gut gemeint. „Das war ein Spitzensommer“, freut sich der gebürtige Gelsenkirchener – vor allem über die damit einhergehenden vielen Besucher, denn Spaß bei der Arbeit hat Elgert immer gehabt, wenn das Bad voll war.

Und das war es dieses Jahr etliche Male. Bis Samstagmittag dürfte die 69000er-Marke bei den Badegästen überschritten sein, so viele waren es seit 15 Jahren nicht.

2003 wurden sogar 89000 Besucher registriert, eine Zahl, die heute wohl nicht mehr zu toppen ist, glaubt Elgert. Das habe einerseits damit zu tun, dass immer mehr Kinder und Jugendliche nachmittags Unterricht hätten. Und das Konsumverhalten der jungen Leute habe sich deutlich verändert. „Bewegung und Sport stehen nicht mehr an erster Stelle.“

Öffnung vor 50 Jahren

In Elgerts Jugend sah das noch anders aus. Als das neu gebaute Freibad am Bullerteich vor 50 Jahren geöffnet wurde, war es in den Sommermonaten so etwas wie sein Wohnzimmer. „Wir waren jeden Tag hier.“ Mit der Tätigkeit als Schwimmmeister hat er seine liebste Freizeitbeschäftigung quasi zum Beruf gemacht.

Ein paar Tage Arbeit hat der 64-Jährige trotz Saisonende noch vor der Brust. „Die Nachbereitung werde ich noch ein bisschen begleiten“, sagt er. Wenn das Wasser abgelassen ist, wird teilweise schon der Neuanstrich gemacht und der Beckenboden ausgebessert, Schönheitsreparaturen, die jedes Jahr anfallen und die jedes Jahr ein bisschen aufwendiger werden, solange nicht grundlegend saniert wird. Das werde mittelfristig passieren, versichert Bürgermeisterin Annette Große-Heitmeyer. „Wir müssen das aber finanziell stemmen können.“

Nachfolger kommt

Die Verantwortung im Bad trägt dann ein anderer. Es gibt auch schon einen Nachfolger für Heinrich Elgert. Auf dessen eigenen Wunsch wird der Name jedoch noch nicht preisgegeben. „Das ist aber jemand, den alle Leute kennen“, verrät der Noch-Badleiter.

Möglicherweise müssen sich die Stammgäste des Bullerteichs nächste Saison auf noch einige andere neue Gesichter bei der Badeaufsicht einstellen. Thomas Wesselmann, der auch dem Förderverein fürs Freibad vorsteht, steht jedenfalls aus beruflichen Gründen nicht mehr zur Verfügung. Dass noch andere Saisonkräfte aufhören, wie zu hören ist, wollen Elgert und die Bürgermeisterin so nicht bestätigen.

Mit Elgert gehen auf jeden Fall auch Dagmar und Bodo Twiehaus, die seit elf Jahren den Kiosk betreiben. „Dieser Sommer war sehr hart. Da bin ich sehr oft an meine Grenzen gekommen“, sagt Dagmar Twiehaus (57). Deshalb ist es nun auch für sie gut gewesen. Die Gemeinde sucht einen neuen Betreiber, der in große Fußstapfen tritt. „Frau Twiehaus hat hier ja fast ein Restaurant betrieben“, schwärmt Elgert.

Doch ihn geht auch das künftig nur noch am Rande etwas an. Was er am meisten vermissen wird, kann er gar nicht sagen. „Ich bin ja noch nicht weg.“ Dem Bad bleibt er natürlich treu. „Ich habe nie daran gedacht, woanders hinzugehen. Das war immer mein Bad und das wird es bleiben.“


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