„Wir sollten mitbeseitigt werden“ Neue Details im Orientladen-Brandstifter-Prozess

Von Klaus Möllers

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Trümmerhaufen: Die Fassade und das Inventar des Orientladens waren vollkommen zerstört worden. Die beiden der Brandstiftung angeklagten Männer wurden bei der Explosion verletzt. Archivfoto: Frank KlausmeyerTrümmerhaufen: Die Fassade und das Inventar des Orientladens waren vollkommen zerstört worden. Die beiden der Brandstiftung angeklagten Männer wurden bei der Explosion verletzt. Archivfoto: Frank Klausmeyer

Münster/Westerkappeln. Im Prozess um die Brandstiftung in einem Orientladen im Ortskern von Westerkappeln am 7. Februar vor der 2. Strafkammer des Landgerichtes Münster sind jetzt weitere Details genannt worden, wie die mutmaßlichen Täter das Feuer gelegt, nach Belgien geflüchtet und sich dann selbst bei der Polizei gemeldet haben sollen.

Die Angaben hatten die Angeklagten gegenüber einer Richterin gemacht, die für die Aachener Justizbehörden Haftbefehle gegen die beiden irakischen Asylbewerber ausgestellt und die Männer vernommen hatte. „Sie wollten unbedingt aussagen. Beide waren sehr aufgewühlt“, sagte die Juristin im Zeugenstand. In Aachen würden häufig „wegen der Grenznähe“ Haftbefehle für andere Dienststellen verkündet. Die Iraker hatten demnach „aus Belgien selbstständig die Polizei gerufen“. (Weiterlesen: Fünf Anklagen nach Brand des Westerkappelner Orientladens)

Mit deutlichen Verletzungen zur Vernehmung

Zur Vernehmung seien die Männer „mit deutlichen Verletzungen“ erschienen, schilder die Richterin. Denn durch die Explosion und herumfliegende Glassplitter am Tatort sollen die Männer selbst erheblich verletzt worden sein.

Einer der Angeklagten habe erklärt, so die Richterin weiter, dass beide „zwei Tage lang ohne Essen und ohne Medikamente auf der Straße waren“. Vor der Brandstiftung hätten sie von den Auftraggebern 200 Euro bekommen, um Brandbeschleuniger und Schutzkleidung zu kaufen. Mit „acht Litern Benzin“, um das Feuer zu legen, hätten sie sich von zwei Bekannten in einem Auto zum Tatort bringen lassen.

Fahrer sollen nichts gewusst haben

Die Bekannten hätten allerdings nichts von der geplanten Brandstiftung gewusst und auch von den Angeklagten nichts erfahren. Trotzdem: Sie werden verdächtigt, eingeweiht gewesen und deshalb Mittäter zu sein, weil sie nicht die Polizei informierten. Einer der beiden verweigerte am letzten Verhandlungstag die Aussage, der andere Mann ist nach wie auf der Flucht. (Weiterlesen: Haftbefehl erlassen: Angeklagter erscheint nicht vor Gericht)

Viel Plastik im Geschäft deponiert

Aus der Vernehmung des 22-jährigen Angeklagten nannte die Richterin weitere Einzelheiten: So hätten die Inhaber des Geschäftes offenbar eine Menge Plastik im Laden deponiert, damit das Feuer „schnell und länger brennt“. (Weiterlesen: Belgien liefert mutmaßliche Brandstifter aus Osnabrück aus)

Erst hätten die Angeklagten versucht, die Frontscheibe mit einer Vase einzuwerfen, was misslungen sei. Dann hätten sie einen Metallgegenstand eingesetzt. Als es dann im brennenden Ladenlokal zu einer Explosion kam, seien die Männer nach draußen geschleudert worden. Der 22-Jährige sei davon ausgegangen, dass die Inhaber selbst auch Brandbeschleuniger deponiert hätten. „Wir sollten mit der Tat mitbeseitigt werden“, zitierte ihn die Richterin. (Weiterlesen: Anschlag auf Orientladen in Westerkappeln: Iraker packen aus)

Von Verpuffung verletzt

Von der Verpuffung verletzt seien die beiden Iraker dann zum Friedhof gerannt und hätten beobachtet, wie die Feuerwehr eintraf und den Brand löschte. In der Nacht noch seien sie nach Belgien geflohen.

Von den Richtern des Landgerichtes wurde der 22-Jährige auch zu seiner Biografie befragt. Laut seinen Angaben kam er im Jahr 2016 als Asylbewerber nach Deutschland und gab als Fluchtgrund an, dass er „Streit mit seiner Familie“, sprich den Eltern und Geschwistern, habe, weil er zu viel Alkohol trinke. Der Asylantrag sei abgelehnt worden. (Weiterlesen: Neue Details im Orientladen-Brandstifter-Prozess)


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