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Bald auch ein Friedhof für Muslime

Westerkappeln (rü).
Das Presbyterium der evangelischen Kirchengemeinde Westerkappeln hat sich für die Einrichtung eines moslemischen Begräbnisfeldes auf dem evangelischen Friedhof der Gemeinde entschieden. Im Sommer hatte der Moslem Gerhard Isa Moldenhauer einen entsprechenden Antrag an das Gremium der Kirchengemeinde gestellt (wir berichteten).

Vor einigen Wochen besuchten die Mitglieder des Presbyteriums das moslemische Begräbnisfeld auf dem Hauptfriedhof an der Ledder Straße in Ibbenbüren. "Wir waren positiv überrascht bei dieser Ortsbesichtigung", so Pfarrer Reiner Ströver. Seit 1994 gibt es auf dem Ibbenbürener Friedhof ein Gräberfeld für Moslems. "Es unterscheidet sich vom Aussehen her kaum von unserem Friedhof", so Ströver. Die Gräber seien genauso angelegt wie christliche Bestattungsfelder. Lediglich die Inschrift der Gedenksteine sei in arabischer Schrift gehalten. Manche Felder hätten zudem am Fußende noch Holzaufbauten. Ob diese so genannten "Stelen" aufgestellt würden, müssten jeweils die Hinterbliebenen entscheiden. Wichtig sei außerdem die Ausrichtung der Toten mit dem Gesicht nach Mekka. Diese Einzelheiten müssten zu gegebener Zeit mit einem Imam besprochen werden, so Ströver. Doch zurzeit sei die Stelle des Gemeindevorstehers der moslemischen Gemeinde in Ibbenbüren noch vakant.

Das neu erworbene Wissen über moslemische Gräberfelder trug nicht nur zu der positiven Entscheidung der Presbyter bei, sondern half auch bei konkreten Beschlüssen vor Ort auf dem Westerkappelner Friedhof. "Das Stück, das wir vorgesehen haben, werden wir halbieren können", so der Gemeindepfarrer.

In naher Zukunft wird sich das Presbyterium mit der Bitte an die Kommune wenden, in der Friedhofshalle die Voraussetzungen für die Bestattungen zu schaffen. Dazu gehört zum Beispiel das Ritual der Totenwaschung. Es ist ein Teil der "würdigen" islamischen Bestattung. Der Sinn der Waschung ist es, den verstorbenen Menschen in einen Zustand ritueller Reinheit zu bringen.

Zudem muss das Begräbnisfeld auch vom Amt für Friedhofswesen der westfälischen Landeskirche sowie von der Bezirksregierung genehmigt werden. "Wenn der Antrag vernünftig begründet wird, werden wir zustimmen", so Ludwig Hoppe, Sachbearbeiter für das Friedhofswesen in der westfälischen Landeskirche in Bielefeld. Vom Grundsatz her habe die Landeskirche jedoch andere Intentionen, so Hoppe. "Wir gehen davon aus, dass es auf regionaler Ebene kommunale Friedhöfe gibt, auf denen ein moslemisches Begräbnisfeld eingerichtet werden kann. Darum gibt die westfälische Landeskirche die Empfehlung heraus, auf kirchlichen Friedhöfen ohne Monopolcharakter keine Bestattung von Moslems anzunehmen." Westerkappeln ist jedoch ein so genannter "Monopolfriedhof". Einen kommunalen Friedhof gibt es in der Gemeinde nicht.

Die Anfrage aus Westerkappeln ist bisher die einzige aus dem Bereich der westfälischen Landeskirche. Für Moslems besteht nämlich grundsätzlich die Vorschrift, dass sie nicht zwischen "Nicht-Moslems" bestattet werden dürfen. Viele Moslems wurden auch bisher nach Hause geflogen, um in heimischer Erde beerdigt zu werden. Doch inzwischen sei ein großer Teil der türkischen Einwohner bereits in Deutschland geboren und fühle sich hier heimisch, so Hoppe. Daher geht der Sachbearbeiter der westfälischen Landeskirche davon aus, dass sich die Anfragen nach Bestattungen in Deutschland in Zukunft häufen werden.


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