Ungetüm vor der Haustür Westerkappelner ärgern sich über Verteilerkasten

Von Frank Klausmeyer

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Fast vor die Haustür hat die Telekom den Tempelmanns den Verteilerkasten gesetzt. Den Standort habe die Gemeinde vorgeschlagen, sagt das Unternehmen.Foto: Frank KlausmeyerFast vor die Haustür hat die Telekom den Tempelmanns den Verteilerkasten gesetzt. Den Standort habe die Gemeinde vorgeschlagen, sagt das Unternehmen.Foto: Frank Klausmeyer

Westerkappeln. „Das hat anscheinend jemand am grünen Tisch geplant“, sagt Hilde Tempelmann. Jedes Mal, wenn die 83-Jährige und ihr ein Jahr älterer Ehemann Erwin vor die Haustür gehen, schauen sie auf ein großes, graues Ungetüm.

Vor ein paar Wochen hat die Telekom den Anwohnern der Hanfriedenstraße einen neuen Verteilerkasten vor die Nase gesetzt. „Wir sind gar nicht gefragt worden“, ärgert sich das Rentnerehepaar.

Kurz vor den Sommerferien gab es dazu schon mal kritische Nachfragen im Bürgerausschuss (WN berichteten). Der Kasten sei „völlig überdimensioniert“, meinte Winfried Raddatz (SPD). Das finden Tempelmanns auch, aber sie müssen wohl auf Dauer mit dem Anblick leben.

Einige Meter weiter wäre er nicht aufgefallen

„Wir hätten uns gewünscht, dass man den einige Meter weiter aufgestellt hätte. Dann hätten wir einen Busch davor gepflanzt und der wäre gar nicht aufgefallen“, sagt Erwin Tempelmann. Überall, wo er solche Verteilerkästen gesehen habe, stünden die an Grundstücksecken und nicht mitten vor einem Haus.

Kind mit dem Rad dagegen gefahren

Im Übrigen ist der große Verteilerkasten nicht nur unschön und sicher nicht gerade wertsteigernd für die Immobilie, sondern wohl auch nicht ganz ungefährlich. Ein Kind, das mit dem Rad auf dem Gehweg fuhr, soll dagegen gefahren und gestürzt sein, berichtet auch die SPD-Vorsitzende Ulla Kropf, die als Nachbarin der Tempelmanns Kontakt zum Rathaus herstellte.

Hindernis für Mütter mit Kinderwagen

Für das Kind blieb es wohl bei dem Schreck. Auf eine Gefahr, vor allem für Mütter mit Kinderwagen oder Senioren mit Rollator, hatte bereits Winfried Raddatz im Bürgerausschuss hingewiesen, weil der Verteilerkasten an der Stelle etwa 40 Prozent des Gehweges in Beschlag nehme.

Bauamtsleiter Patrick Lenz verwies in der besagten Sitzung auf die Technik. Die Verwaltung habe mit der Telekom und den Tempelmanns gesprochen. Ein anderer Standort sei dort nicht möglich. Die Telekom habe auf ihr Ausbaurecht gepocht. Klingt nach basta!

Standort Vorschlag der Gemeinde

Den Schwarzen Peter will sich die Telekom aber nicht einfach unterjubeln lassen. Den Standort habe nämlich die Gemeinde Westerkappeln selbst vorgeschlagen, erklärte Susanne Bruns aus der Kommunikationsabteilung des Unternehmens. Und nicht nur der Vorschlag sei aus dem Rathaus gekommen, sondern auch die Genehmigung.

Telekom zahlt Verlegung nicht

Tempelmanns dachten bei Einrichtung der Baustelle zunächst, dort würde ein Kabel oder Ähnliches verlegt. Als sie das Ergebnis sahen, war es schon zu spät. Ein Ortstermin am 17. April brachte am Ende nichts. Die Telekom habe der Kommune daraufhin mitgeteilt, „dass eine Verlegung nur in Frage kommt, wenn die Kosten dafür durch die Anwohner oder die Gemeinde getragen werden“, berichtet Bruns.

Umsetzen würde 5000 Euro kosten

Die Gemeinde habe dies prüfen wollen. Da sich die Kosten für das Umrücken des Verteilerkastens – das geht also offensichtlich doch – aber auf circa 5000 Euro beliefen, habe sich die Gemeinde dagegen entschieden, sagt Bruns, der vor allem eines wichtig ist: „Der Standort wurde uns genehmigt. Wir haben uns im vorliegenden Fall an alle geltenden Bestimmungen gehalten und uns nichts vorzuwerfen.“

Anwohner nicht informiert

Hilde und Erwin Tempelmann sind enttäuscht, dass sie nicht einmal darüber informiert wurden, „dass das Thema erledigt ist“, wie Thomas Rieger, Stellvertreter im Amt für die im Urlaub weilende Bürgermeisterin, es ausdrückt. Sowohl die Telekom als auch die Verwaltung hätten zugesichert, sich wieder melden zu wollen. Bis jetzt haben sie aber nichts mehr gehört. „Die Damen und Herren im Rathaus würden sich so ein Ding sicher nicht mitten vors Grundstück stellen“, ist Erwin Tempelmann überzeugt.


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