Feuer im Orientladen: Fünf Angeklagte Westerkappelner Brandstifter-Prozess startet Montag

Von Frank Klausmeyer

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Die Ermittler sollen durch ein am Tatort verlorenes Handy schnell auf die Spur der Beschuldigten gekommen sein. Foto: Frank KlausmeyerDie Ermittler sollen durch ein am Tatort verlorenes Handy schnell auf die Spur der Beschuldigten gekommen sein. Foto: Frank Klausmeyer

Westerkappeln/Münster. Sechseinhalb Monate nach dem verheerenden Brand des Orientladens am Kreuzplatz in Westerkappeln wird den mutmaßlichen Tätern ab kommenden Montag vor der 2. Großen Strafkammer des Landgerichts Münster der Prozess gemacht. Den insgesamt fünf Angeklagten wird unter anderem versuchter Mord und besonders schwere Brandstiftung vorgeworfen.

Das Feuer mitten im Westerkappelner Ortskern hatte Anfang Februar überregional für Aufsehen gesorgt. Die Polizei, darunter Spezialisten des Landeskriminalamtes und der Staatsschutz, ermittelte mit einem Großaufgebot an Beamten, auch weil zunächst ein fremdenfeindlicher Anschlag nicht ausgeschlossen werden konnte. Wenige Tage später wurden jedoch der Ladeninhaber (27), sein ein Jahr jüngerer Bruder sowie fünf weitere Verdächtige aus ihrem Umfeld verhaftet. Auf die Spur der Verdächtigen führte offenbar ein am Tatort verlorenes Handy.

Auch Osnabrücker angeklagt

Die Staatsanwaltschaft wirft den beiden Westerkappelner Brüder vor, zwei mitangeklagte Männer im Alter von 22 und 23 Jahren aus Osnabrück gegen einen Schuldenerlass und eine Geldzahlung in einer Gesamthöhe von 5000 angestiftet zu haben, das Lebensmittelgeschäft in Brand zu stecken.

Der Kontakt soll vermittelt worden sein von einem 30 Jahre alten mitangeklagten Mann aus Osnabrück. Laut Anklageschrift ging es den Brüdern darum, die im Oktober 2017 erhöhte Inventar- und Ausfallversicherungssumme von 120 000 Euro zu kassieren.

Tod Unbeteiligter in Kauf genommen?

Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass die 22 und 23 Jahre alten Mitangeklagten in der Nacht vom 6. auf den 7. Februar durch eine zuvor eingeworfene Schaufensterscheibe in das Ladenlokal eindrangen, dort mehrere Liter Benzin verteilten und entzündeten. Sie sollen dabei – wie auch die Brüder – die Verletzung oder gar Tötung dritter Personen in Kauf genommen haben, heißt es in einer Presseübersicht über die Verfahren am Landgericht Münster.

Die durch die Entzündung des Benzin-Luft-Gemisches entstandene Verpuffung war laut Anklageschrift so erheblich, dass die gesamte Verglasung aus den Fenstern gedrückt und das Mauerwerk im rückwärtigen Bereich zerstört wurde.

Das Geschäft brannte vollständig aus. Die Bewohner der über dem Ladenlokal gelegenen Wohnungen und der umliegenden Häuser wurden evakuiert. Laut Anklageschrift erlitten zwei Personen Rauchvergiftungen, die jeweils in Krankenhäusern behandelt werden mussten.

Verfahren gegen Fahrer eingestellt

Das Ermittlungsverfahren gegen zwei weitere junge Männer aus Osnabrück, die auch verhaftet worden waren, weil sie die mutmaßlichen Brandstifter in der Tatnacht nach Westerkappeln gebracht beziehungsweise diese auf der Fahrt begleitet haben, hatte die Staatsanwaltschaft zwischenzeitlich eingestellt. Diesen Personen sei nicht nachzuweisen, dass sie von dem Zweck der Fahrt Kenntnis hatten.

Der Prozess vor der 2. Große Strafkammer (Saal A 23) beginnt am Montag, 20 August, um 9 Uhr. Für das Verfahren sind insgesamt 14 Verhandlungstage angesetzt. Das Urteil soll nach jetzigem Stand Ende September fallen.


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