Trunkenheitsfahrt nicht bewiesen Staatsanwalt zieht Berufung gegen Freispruch zurück

Von Katja Niemeyer

Der Eingang des Landgerichts Münster. Vor diesem stand jetzt ein Mann aus Westerkappeln, weil die Staatsanwaltschaft Berufung gegen seinen Freispruch eingelegt hatte. Foto: Friso Gentsch/dpaDer Eingang des Landgerichts Münster. Vor diesem stand jetzt ein Mann aus Westerkappeln, weil die Staatsanwaltschaft Berufung gegen seinen Freispruch eingelegt hatte. Foto: Friso Gentsch/dpa

Westerkappeln/Münster Weil auch nach eineinhalbstündiger Verhandlung der Vorwurf der Trunkenheit am Steuer nicht zweifelsfrei bewiesen werden konnte, hat die Staatsanwaltschaft Münster am Donnerstag ihre Berufung gegen einen Freispruch zurückgezogen.

Vor dem Landgericht Münster stand ein Mann aus Westerkappeln, der am 18. August vergangenen Jahres betrunken Auto gefahren sein soll.

Heftiger Streit mit der Ehefrau

Ein Tag, der für den Schichtarbeiter offenbar mehr als stressig war: Den Schilderungen zufolge kommt er gegen Mittag nach Hause und gerät mit seiner Ehefrau in einen heftigen Streit, in dem es unter anderem um eine Affäre geht, die er mit einer anderen Frau hat. Irgendwie rafft sich das Paar aber zusammen, will zusammen die Steuererklärung machen und bestellt eine Pizza. Dazu, räumte der Angeklagte ein, habe er ein Bier getrunken. Mehr nicht.

Der Streit setzt sich fort, schon bald, so sagten die Zeugen übereinstimmend aus, hätten der Bruder und die Mutter des Angeklagten vor der Wohnungstür gestanden, um zu schlichten. Erfolglos.

Im weiteren Verlauf des Tages verlassen der Bruder und die Ehefrau ihren Worten im Zeugenstand zufolge gemeinsam das Haus, um eine Freundin vom Hauptbahnhof in Osnabrück abzuholen.

Elf Flaschen Bier geleert – aber wann?

Der Angeklagte ist allein in der Wohnung. Hat er da bereits die elf 0,33-Liter-Flaschen Bier geleert, von denen er zugibt, sie an dem Tag getrunken zu haben? Oder erst viel später, wie er versichert, nach einer ziellosen Autofahrt, die unter anderem nach Hopsten geführt haben soll, und an dessen Ende er sein Auto ordnungsgemäß vor dem Klinikum in Ibbenbüren parkt?

Trotz intensiver Befragung konnte das Gericht die zeitliche Abfolge nicht sicher klären. Weder die beiden Polizistinnen, noch der Bruder und die Ehefrau des Angeklagten, die allesamt als Zeugen geladen waren, brachten Licht ins Dunkel.

Aussagen widersprüchlich

Nicht nur, weil sie sich zum Teil nicht genau erinnern konnten, sondern auch, weil sich ihre Aussagen widersprachen.

Der Bruder und die Ehefrau hatten am Abend des 18. August die Polizei eingeschaltet, weil sich der Angeklagte, wie sie bestätigten, ganz offensichtlich mit Selbstmordgedanken trug. Davon hatte der Westerkappelner dem Gericht zuvor selbst recht ausführlich berichtet. „An dem Tag ist einfach alles auf mich eingeprasselt“, erklärte er.

Selbstmordabsichten im Chat geäußert

Die Familie hatte durch eine Whatsapp-Gruppe, die der Angeklagte kurz zuvor gegründet hatte, von den Suizidabsichten erfahren. Darin, so berichtete er dem Gericht, habe er seine Familie einweihen wollen. In der Folge soll sich ein dramatischer Chat entwickelt haben, in dem der Bruder den Angeklagten von seinen Absichten abbringen wollte. Ebenfalls per Whatsapp teilte dieser schließlich seinen Aufenthaltsort mit: Die Polizei wurde alarmiert und traf den Mann vorm Ibbenbürener Klinikum an. Eine Blutprobe auf der Wache ergab einen Alkoholgehalt von 1,69 Promille.

Das Amtsgericht in Tecklenburg hatte den Westerkappelner bereits im Februar dieses Jahres freigesprochen.


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