Anklage wird in Kürze erhoben Mordfall Salzgitter: Westerkappelner tatverdächtig

Von Frank Klausmeyer

Der 38-jährige mutmaßliche Mörder war am 29. Mai vor seiner Wohnung in Westerkappeln von Spezialkräften der Polizei überwältigt und festgenommen worden. Foto: Frank KlausmeyerDer 38-jährige mutmaßliche Mörder war am 29. Mai vor seiner Wohnung in Westerkappeln von Spezialkräften der Polizei überwältigt und festgenommen worden. Foto: Frank Klausmeyer

Braunschweig/Westerkappeln. Nach den tödlichen Schüssen auf eine vierfache Mutter Ende Mai in Salzgitter soll wahrscheinlich noch Ende dieses Monats, spätestens Anfang September Mordanklage gegen den Tatverdächtigen aus Westerkappeln erhoben werden.

Das hat Hans Christian Wolters, Pressesprecher der zuständigen Staatsanwaltschaft Braunschweig, auf WN-Anfrage bestätigt.

Viel Neues in den Ermittlungen gebe es nicht, sagte Wolters. Der Tatverdächtige aus Westerkappeln sitze als Beschuldigter weiter in Untersuchungshaft. Bis jetzt habe er sich nicht zu den Vorwürfen eingelassen. Vor der Hauptverhandlung sei dies auch wohl nicht mehr zu erwarten, meinte Wolters.

Schüsse vor den Augen der Kinder

Der Westerkappelner ist dringend tatverdächtig, seine ehemalige Lebensgefährtin am Abend des 28. Mai in Salzgitter auf offener Straße vor den Augen der gemeinsamen vier kleinen Kinder mit einem Kopfschuss umgebracht zu haben. Die Schwester des Opfers wurde bei dem Zusammentreffen ebenfalls angeschossen, hat aber überlebt.

Nach der Bluttat soll der 38-Jährige mit einem Auto geflüchtet sein. Am darauffolgenden Tag wurde der Westerkappelner in der Mittagszeit vor seiner Wohnung an der Friedensstraße von Sondereinsatzkräften der Polizei überwältigt und festgenommen. Das Amtsgerichts Braunschweig erließ den Haftbefehl.

Streit um das Sorgerecht

Der Tragödie vorausgegangen war ein juristischer Streit ums Sorgerecht für die vier Kinder, den der 38-Jährige am Morgen des Tattages vor dem Amtsgericht Tecklenburg verloren hatte. Dies war möglicherweise der Zündfunke für seinen Mordplan.

Ob und wie der Westerkappelner seine Ex-Partnerin bereits im und vor dem Gericht bedroht hat, ist weiter unklar. Angaben aus der Familie des Mordopfers, wonach der zuständige Familienrichter die Anschrift der 30-Jährigen in der Verhandlung verlesen habe, wies das Gericht in einer Stellungnahme zurück. Vielmehr habe der Richter aus Gründen des Opferschutzes vorsorglich die Polizei Steinfurt darum gebeten, die vierfache Mutter bei der Heimreise bis zur Landesgrenze zu eskortieren.

Einige Befragungen stehen noch aus

Die Zeugenvernehmungen seien im Wesentlichen beendet, berichtete Staatsanwalt Wolters zum aktuellen Ermittlungsstand. Lediglich im Wohnumfeld des Westerkappelners müssten noch ein paar Personen befragt werden. Dass dies noch nicht geschehen sei, hänge wohl auch mit den Sommerferien zusammen, so der Pressesprecher. Überdies sei die Auswertung des Handys noch nicht gänzlich abgeschlossen, was auch durch die komplexe Technik heutiger Smartphones bedingt sei.

Herkunft der Tatwaffe unklar

Wie der mutmaßliche Täter an die Tatwaffe – ein Trommelrevolver – gekommen ist, wissen die Ermittler noch nicht. Es handele sich wohl um eine scharf gemachte Schreckschusspistole, erläuterte Wolters. Im Besitz eines sogenannten kleinen Waffenscheines war der 38-Jährige offenbar nicht.

„Keine gesicherten Erkenntnisse“ gebe es darüber, ob der aus dem Kosovo stammende Westerkappelner sich, wie Zeugen behaupteten, tatsächlich enge Kontakte zu Osnabrücker Salafisten-Kreisen pflegte.


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