Verbrannte Erde in der Schonung Dürreschäden in Westerkappelns Wäldern

Von Frank Klausmeyer


Westerkappeln. Verbrannte Erde! Astronaut Alexander Gerst hat am Dienstag Fotos von der Weltraumstation ISS geschickt, die zeigen, wie trocken es in weiten Teilen Europas ist. Auch in Deutschland ist aus dem All von grüner Vegetation jetzt weniger zu sehen, es überwiegt die Farbe braun.

400 Kilometer weiter unten ist die Dürre mit Händen zu greifen. Christian Rebitz nimmt die Blätter einer jungen Stieleiche zwischen die Finger, die ohne großes Zutun regelrecht zerbröseln. „Die hat es hinter sich“, lautet das ernüchternde Fazit des fürs Revier Schafberg zuständigen Forstbetriebsbeamten.

Ökologische Ausgleichsfläche

Wir stehen auf einer etwa ein Hektar großen privaten Schonung am Sendesch in Westerbeck, die im Auftrag der öffentlichen Hand als ökologische Ausgleichsfläche aufgeforstet worden ist. Daraus soll einmal ein respektabler Laubmischwald werden. Doch nach wochenlanger Trockenheit gleichen viele der Jungpflanzen nur noch nacktem Elend. Immerhin: „Ich hatte mir das schlimmer vorgestellt. Wir haben noch keinen Totalausfall“, sagt Rebitz.

3500 Bäume gepflanzt

Rund 3500 Bäume sind Anfang dieses Jahres auf der Wiese am Sendesch gepflanzt worden; hauptsächlich robuste Stieleichen und zahlreiche Edelkastanien. „Die stammen ursprünglich aus Südeuropa und kommen mit der Trockenheit besser klar“, erläutert der Revierförster. Doch eine anhaltende Dürre wie jetzt hat auch so manchen zarten Trieben dieses Baumes mächtig zugesetzt.

Selbst trockenheitsresistente Jungbaumarten tot

Ziel des Landesbetriebes Wald und Holz NRW sei, den überschaubaren Waldanteil in der hiesigen Gegend zu erhöhen. Bei den Aufforstungen werde auf Vielfalt gesetzt, betont Rebitz. So sind am Sendesch auch Rotbuchen sowie Kirsch- und Wildapfelbäume in die Erde gesetzt worden. Auch einige Nadelgehölze wurden gepflanzt: Die heimischen Lärchen und die aus Nordamerika stammenden, eigentlich trockenheitsresistenten Küstentannen stehen mit ausgedünntem, rostbraun gefärbten Kleid in der Erde. „Die sind tot“, weiß Rebitz. Um anzuwachsen, brauche jeder Baum ein Wurzelwerk. „Je feiner das aus der Baumschule kommt, desto besser ist der Wuchs“, erläutert der 32-Jährige. Ohne Wasser wächst aber gar nichts.

Pflanzspalten aufgerissen

Im nördlichen Teil der Schonung wurden Erlen gepflanzt, weil dort der Boden feuchter gewesen sei. Nun aber sind auch dort die eingeschlemmten Pflanzspalten bis zu drei Fingern Breite wieder aufgerissen. „Wenn die Wurzeln der Bäume sichtbar werden, ist das das Todesurteil für den Baum“, weiß der Förster.

Dass mehr Bäumchen als von ihm erwartet mit grünen Blättern auf der Wiese stehen, sei wohl dem Umstand zu verdanken, dass sie vor dem Pflanzen mit einem Wurzelschutzgel behandelt wurden. Wenn es nicht bald regne, bringe aber auch dies nichts mehr, befürchtet Rebitz.

Ergiebiger Regen nicht in Sicht

Ergiebiger Landregen ist jedoch nicht in Sicht. Am Mittwochmorgen drippelte es kurz vom Himmel, das war aber nicht einmal der Tropfen auf den heißen Stein. Am Donnerstag soll`s gewittrig werden, ob und wie viel Niederschlag es im Tecklenburger Land gibt, bleibt abzuwarten. In den Folgetagen geht die Regenwahrscheinlich wieder deutlich zurück.

Dem Weißdorn, der zusammen mit rund 1000 weiteren Sträuchern am Rand der Schonung gepflanzt wurde, ist das egal. „Das ist nur noch Dorn“, meint Rebitz bei der Kontrolle. Die Hundsrose habe die Trockenheit dagegen einigermaßen gut überstanden. „Die hat sogar schon im ersten Jahr Früchte ausgebildet“, wundert sich der Förster ein wenig.

Verlust auf 40 Prozent geschätzt

Eine Bilanz der Dürreschäden kann der Fachmann hier wie bei knapp einem Dutzend anderer Aufforstungen in seinem Revier erst im Herbst ziehen. Sicher sei, dass es deutlich mehr Nachpflanzungen geben werde als sonst in Schonungen üblich. Rebitz schätzt den Verlust derzeit auf 40 Prozent. Bei einer Kalkulation mit durchschnittlich zwei Euro pro Ersatzpflanzung lässt sich der wirtschaftliche Schaden leicht errechnen, der in diesem Fall vom Auftraggeber für die Ausgleichsmaßnahme zu tragen ist.

Schwacher Trost: „In Richtung Schale haben wir Anpflanzungen aus dem vergangenen Herbst, die die ganze Winterfeuchte bekommen haben und trotzdem schlimmer aussehen als hier“, .sagt Rebitz.


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