Landesbetrieb will mitreden Verkehrsgutachten zum Einkaufszentrum Heerstraße in Westerkappeln?

Von Katja Niemeyer


Westerkappeln. Während das neue Geschäftshaus am Einkaufszentrum mehr und mehr Formen annimmt, ist bis heute nicht untersucht worden, wie sich in der Folge die Verkehrssituation verändern könnte.

Immerhin öffnen an dem Standort in rund einem halben Jahr sechs weitere Geschäfte sowie eine Apotheke mit Fußpflegepraxis und eine Zahnarztpraxis ihre Türen.

Dass die ohnehin schon stark frequentierte Heerstraße den zusätzlichen Kundenstrom verkraften könnte, daran haben weite Teile der Politik erhebliche Zweifel. Und auch Bürgermeisterin Annette Große-Heitmeyer glaubt offenbar nicht, dass der Ist-Zustand auf Dauer tragbar ist.

Vorbereitungen für Merschweg-Route

Die alternative Route über den Merschweg zieht sie jedenfalls in Erwägung und hat bereits entsprechende Vorkehrungen getroffen. So führte die Verwaltungschefin Gespräche mit Anwohnern des Merschweges, um sie unter anderem über die mögliche Einrichtung einer Linksabbiegespur vom Parkplatz auf ihre Straße zu informieren. Auch sprach die Bürgermeisterin mit dem Investor, weil die Gemeinde für diese Lösung auf einen Teil seines Grundstückes angewiesen wäre.

Und sie vergaß nicht, sich von der Politik die notwendige Rückendeckung für diese zusätzliche Anbindung des Einkaufszentrums ans Straßennetz zu holen.

Landesbetrieb bisher nicht einbezogen

Den Landesbetrieb Straßen.NRW, zuständig für Mettinger und Heerstraße, hatte Annette Heitmeyer aber bislang nicht in ihre Planungen einbezogen. Die Behörde erfuhr erst am vergangenen Donnerstag auf Nachfrage der Redaktion von dem zur Diskussion stehenden Konzept. Er wisse nichts von der Absicht, das Einkaufszentrum möglicherweise – zusätzlich zur Heerstraße – über den Merschweg an die Mettinger Straße anzubinden, sagte Hubertus Ebbes- kotte, Abteilungsleiter Sachgebiet Betrieb und Verkehr bei Straßen.NRW.

Anschließend kontaktierte er die Westerkappelner Bürgermeisterin. Jetzt soll es ein Gespräch geben und sehr wahrscheinlich ein externes Büro mit der Erstellung eines Verkehrsgutachtens beauftragt werden, wie Ebbeskotte im Nachgang berichtete.

Baurechtliche Genehmigung

Große-Heitmeyer betonte auf Rückfrage, dass der Bereich zum Merschweg „zunächst einmal“ geschlossen bleibe. „Ich möchte keinen Schnellschuss“, betonte sie. Darüber hinaus verwies sie darauf, dass der Investor eine baurechtliche Genehmigung für eine Zu- und Ausfahrt auf den Merschweg besitzt, „das ist nicht abwendbar“. Die Möglichkeit, eine Parzelle des Grundstücks für eine Ausfahrt zu erwerben, so Große-Heitmeyer, „gibt uns nun aber die Zeit, in Ruhe über eine Lösung nachzudenken.“

Knotenpunkt Heerstraße

Möglicherweise müsse auch eine grundsätzliche Veränderung des Knotenpunktes Heerstraße in Erwägung gezogen werden. Ein Verkehrsgutachten könnte hierüber sicherlich Aufschluss geben.

Das sieht CDU-Fraktionschef Wolfgang Jonas genauso. „Ein solches Gutachten macht jetzt Sinn“, so Jonas auf Anfrage. Dass sich die Gemeinde die Option für eine weitere Ausfahrt offenhält, wird auch vom SPD-Fraktionsvorsitzenden Frank Sundermann befürwortet.

Unterschiedliche Interessen

Als kommunale Straße liegt der Merschweg zwar nicht im Einflussbereich von Straßen.NRW. Weil die Mettinger Straße als Landesstraße von der zurzeit diskutierten Ausfahrtsregelung aber maßgeblich betroffen wäre, muss die Behörde nach Überzeugung von Ebbeskotte in den Planungsprozess einbezogen werden.

Dass die Gemeinde und der Landesbetrieb an dieser Stelle unterschiedliche Interessen verfolgen, liegt nach Einschätzung des Abteilungsleiters in der Natur Sache.

So sei die Mettinger Straße dezidiert eine Verbindungsstraße. Bei Straßen dieser Kategorie verfolge seine Behörde das Ziel, die Zahl der Zufahrten aus Nebenstraßen aus Verkehrssicherheitsgründen so gering wie möglich zu halten.


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