Traumarbeitsplatz Holzwerkstatt Louisa Reinker unter den besten Azubis im Kreis

Von Katja Niemeyer

Tischlerin Louisa Reinker gehört zu den besten Handwerkslehrlingen in der Region. Ihr Chef Markus Klemann sagt, dass er bei der Auswahl von Auszubildenden auf Teamfähigkeit achtet. Für ihre Abschlussarbeit hat Louisa ein modernes Regal gebautFoto: Katja NiemeyerTischlerin Louisa Reinker gehört zu den besten Handwerkslehrlingen in der Region. Ihr Chef Markus Klemann sagt, dass er bei der Auswahl von Auszubildenden auf Teamfähigkeit achtet. Für ihre Abschlussarbeit hat Louisa ein modernes Regal gebautFoto: Katja Niemeyer

Westerkappeln. Zugegeben: Die junge, zierliche Frau mit der großen Brille und dem frechen Pferdeschwanz sieht nicht gerade aus wie jemand, der täglich mit Stecheisen und Hobel umgeht. Aber der Eindruck täuscht gewaltig. Louisa Reinker hat gerade ihre Ausbildung zur Tischlerin beendet.

Und das mit Bravour: Bei der Lossprechung der Kreishandwerkerschaft Steinfurt-Warendorf war sie unter den 19 Besten von insgesamt 320 Absolventen. Der Beruf, sagt sie, „war genau das Richtige für mich“.

Das kann ihr Chef Markus Klemann, Geschäftsführer der Tischlerei Tüpker in Westerkappeln, nur bestätigen. „Wir lassen Louisa Reinker nur ungern gehen, verstehen aber auch, dass sie ihre beruflichen Ziele verwirklichen will“, sagt er. Die 23-jährige Ladbergenerin hat sich entschieden: Am 20. August beginnt sie an der Akademie für Gestaltung der Handwerkskammer Münster ein Design-Studium.

Wertvolle Erfahrungen

Die Erfahrungen, die sie während der dreijährigen Lehre in der Westerkappelner Tischlerei gesammelt hat, will Louisa Reinker aber nicht missen. Klar, sagt sie, auf der Baustelle wurde sie immer wieder mit den überraschten Blicken männlicher Kollegen begrüßt. „Aber das ignoriert man am besten und macht einfach seinen Job“, weiß sich die forsche junge Frau offenbar durchaus in einer von Männern dominierten Berufswelt zu helfen.

Neue Kollegin zum 1.August

Auch wenn in den vergangenen Jahren immer mehr Frauen den Tischlerberuf ergreifen würden, so sind sie natürlich immer noch deutlich in der Unterzahl, bestätigt Klemann. So sind unter den insgesamt sechs Auszubildenden, die die Tischlerei Tüpker beschäftigt, maximal zwei Frauen. Immerhin: Zum neuen Lehrjahr, das am 1. August beginnt, bekommen die 20 Mitarbeiter wieder eine weibliche Kollegin.

Heute viele Hilfsmittel

Die Sorge mancher Frauen, dass sie der Arbeit körperlich nicht gewachsen sein könnten, räumt Louisa Reinker aus. Das, sagt sie, „war vielleicht früher der Fall“. Heute gebe es viele Hilfsmittel und im Zweifel „packt ein Kollege immer mit an“. Dennoch: An Armen und Beinen hätten sich während der drei Jahre schon etwas mehr Muskeln gebildet, räumt sie lachend und auf Nachfrage ein.

Regal als Gesellenstück

Ein typischer Bürojob, der wäre für die Hobbyreiterin undenkbar gewesen. „Das ist nichts für mich“, sagt sie und schüttelt energisch den Kopf, sodass ihr Pferdeschwanz hin und her wackelt. An dem Tischlerberuf gefalle ihr, dass sie gestalten und kreativ arbeiten könne. Für ihre Gesellenarbeit fertigte sie ein modernes Regal, dessen Rückwand bewusst an einen Gartenzaun erinnern soll.

Fachkräftemangel

Aber auch wenn sich seit einigen Jahren mehr Frauen auf eine Lehrstelle im Tischlerhandwerk bewerben, so macht der allgemeine Fachkräftemangel im Handwerk dem Betrieb weiterhin zu schaffen, wie Klemann betont. Für das jetzt beginnende, neue Lehrjahr landeten zwar immerhin 15 Bewerbungen auf dem Tisch des Geschäftsführers – so viele wie schon lange nicht mehr. In anderen Jahren, erläutert er, „haben wir aber nur drei oder vier Bewerbungen erhalten.“

Volle Auftragsbücher

Durch natürliche Fluktuation kommt es ferner immer wieder vor, dass die eine oder andere Stelle unbesetzt bleibt. Etwa wenn Tischler den Betrieb verlassen, um sich wie in zwei aktuellen Fällen in Vollzeit zum Techniker weiterzubilden. Dann, so Klemann, habe der Betrieb zunehmend Probleme, die Stellen wieder zu besetzen.

Zugleich blickt der Geschäftsführer aber in volle Auftragsbücher. Insofern, sagt er, stelle der weitgehend leer gefegte Arbeitsmarkt „ein echtes Problem“ dar.

Motivation zählt mehr als Schulnoten

Schulabschlüsse und Schulnoten interessieren Klemann wenig. Bei der Auswahl der Lehrlinge sind für ihn die Motivation und die Teamfähigkeit entscheidend. Bewerber, die in die engere Wahl kommen, lädt er deshalb für ein paar Tage zum Probearbeiten ein.

Ein Test, den Louisa Reinker offenbar locker bestanden hatte. Die 23-Jährige war nach ihrem Abitur zunächst ein Jahr lang durch Neuseeland und Schweden gereist. Um sich ihren Lebensunterhalt zu verdienen, jobbte sie. Mal putzte und kochte sie für einen Abenteuerveranstalter, mal war sie als Kajak-Führerin unterwegs und mal verrichtete sie einfache handwerkliche Tätigkeiten.

Gestaltung in der Praxis

Praktisch arbeiten will sie auch in Zukunft, ist sie sich sicher, auch wenn dabei noch planerische und gestalterische Aufgaben hinzukommen: „In der Werkstatt will ich bleiben.“


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