Die mit den Gänsen schlafen Ferienerlebnis Wildnis-Camp im Tipi-Lager Seeste

Von Astrid Springer


Westerkappeln. Weit draußen in der Düsterdieker Niederung, wo sich Fuchs und Hase „Gute Nacht“ sagen und wo nachts das Käuzchen ruft, liegt das Tipi-Lager von dem Verein „Natur unterwegs“. Hier verlebten jetzt 17 Jugendliche eine Wildnis-Woche im Freien, in engem Kontakt mit der Natur.

Die Begegnung mit Natur und Wildnis begann direkt auf dem Tipi-Vorplatz: Der nämlich ist auch Gänseweide für Siggi und seine Familie. „Die Kinder sollen lernen, der Natur, anderen und sich selbst Respekt entgegenzubringen lernen“, erläuterte Wildnispädagogin Björg Dewert das Ziel des „Born to be Wild“-Camps.

Von Siggi Respekt gelernt

Dass man den Gänsen Respekt entgegenbringen sollte, daran ließ Gänserich Siggi denn auch keinen Zweifel. Für die Kids kein Problem: Bereits nach zwei Tagen hatten sie sich auf seine Signale eingestellt und nächtigten unbehelligt vor den Tipis unter freiem Himmel – mitten in Siggis Revier.

Die Sinne schärfen

Die Sinne schärfen und die Wahrnehmung schulen, das ist das Grundkonzept des Wildnis-Camps. Trainiert wurde das spielerisch, beispielsweise beim Sitzplatzspiel: Jeder Wildnis-Camp-Teilnehmer bekam in der Dämmerung einen festen Einzelplatz rund um den Wald zugewiesen, wo er eine halbe Stunde ganz auf sich gestellt war und der Natur lauschte.

Spuren lesen und Pflanzen bestimmen

Tagsüber schnitzten die Wildnis-Camper Stöcke, lasen Spuren, bestimmten Pflanzen oder imitierten Tierlaute. Im Wald bauten die Jugendlichen Laubhütten als Schutz gegen Wind und Wetter. Und es wurde viel miteinander gespielt, „Die Kinder sollen hier vor allem Spaß haben“, betonte Dewert.

Dankbarkeit für kleine Dinge

Wichtig war ihr auch das Thema Dankbarkeit: „Wir möchten, dass die Kinder ein Bewusstsein für die positiven Dinge entwickeln“, so ihr Anspruch. Mit Gesang und Percussion-Instrumenten aus der Natur wurden so täglich kleine Dinge in den Mittelpunkt gerückt.

Für Lagerfeuer zu heiß

Allein: Das Lagerfeuer war in der vergangenen Woche kaum Thema. „Dafür ist es derzeit viel zu heiß“, sagte Dewert. Die Pädagoginnen passten ihr Konzept an: Spiele fanden im Wald oder in der Dämmerung statt, in der Mittagszeit traf man sich in der kühlen Diele und lauschte Indianergeschichten. Oder man pilgerte am Nachmittag samt Kanu an einen See, wo die Kids das kühle Nass mit allen Sinnen genossen.

Englisch ganz automatisch gelernt

Dass das Wildnis-Camp auf Englisch stattfand, merkten die Kinder dabei kaum. Ganz automatisch erweiterten sie ihren englischen Wortschatz um alltägliche Dinge wie Hedgehog (Igel) oder Stinging Nettle (Brennnessel). Um das leibliche Wohl kümmerte sich das täglich wechselnde „Kitchen preparation Team“.

Eier direkt aus dem Stall

Morgens wurden Haferflocken frisch durch die Presse gedreht, die frischen Eier der hauseigenen Hühner direkt aus dem Stall geholt. Und zum Würzen des Abendessens suchten die Kids Kräuter aus Wald und Wiese oder plünderten Dewerts Gemüsegarten.

Begegnung mit Tieren

Besonders beeindruckt waren die Jugendlichen von den Begegnungen mit den Tieren. Sie liebten das Zusammenleben mit Gänserich Siggi, und auch mit den Kühen in der Weide gegenüber war man nach einigen Tagen per Du. „Die konnten wir nachher sogar streicheln“, berichteten Bela und Birger begeistert.

Spiele im Wald

Sehr beliebt waren auch die Spiele im Wald. Dort musste man sich beispielsweise mit verbundenen Augen gegen den sich anpirschenden Feind mit einer Wasserpistole zur Wehr setzen oder in Teams feindliche Fahnen in Besitz bringen.

Mit Berufskollegin Suse Hick veranstaltet Dewert die Wildnis-Woche inzwischen seit sechs Jahren, erstmals dabei auch Eva Densing und Mia Wellmann. Offenbar hat das Team den Nerv der Jugendlichen getroffen: Noch bis zur letzten Minute tobten die Jugendlichen im Wald, um sich dann auf das elterliche Kuchenbuffet zu stürzen.


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