„Friedliches Örtchen“ Auf Streife durch Westerkappeln mit „Dorfsheriff“ Uwe Rissling

Von Katja Niemeyer

Wachsam: Wenn Polizeihauptkommissar Uwe Rissling auf Streife geht durch Westerkappeln, hält er Augen und Ohren offen. Im Großen und Ganzen, sagt der 57-Jährige, ist Westerkappeln ein „friedliches Örtchen“. Foto: Katja NiemeyerWachsam: Wenn Polizeihauptkommissar Uwe Rissling auf Streife geht durch Westerkappeln, hält er Augen und Ohren offen. Im Großen und Ganzen, sagt der 57-Jährige, ist Westerkappeln ein „friedliches Örtchen“. Foto: Katja Niemeyer

Westerkappeln Die Jugendlichen, die an diesem späten Nachmittag hinterm Schulzentrum abhängen, haben den Schutzmann rasch bemerkt. Für einen Moment wirken sie verunsichert, geben sich dann aber demonstrativ gelassen. Uwe Rissling nähert sich mit forschen Schritten der Gruppe, die sich unter einem Baum zusammengestellt hat.

Der Polizist ist auf Erkundungstour durch den Ort. Das Schulzentrum steuert er dabei meist zuerst an. „Ich will Präsenz zeigen und mit den Menschen ins Gespräch kommen“, wird er später erläutern. Zuvor fordern aber noch die sieben jungen Männer seine volle Konzentration.

Uwe Rissling spricht im ruhigen Ton, erwähnt die Sachbeschädigungen, die sich eine Zeit lang am Schulzentrum häuften, und nimmt dann die Personalien auf. Die jungen Männer machen ein paar Witze, sind bemüht um gute Stimmung. Sie haben nichts verbrochen, wollen keinen Ärger. Als der Polizist sie ermahnt, keinen Müll zu hinterlassen, nicken sie zustimmend. Dann setzt er seine Runde fort, einer der Jugendlichen ruft ihm noch hinterher, dass er ein „netter Polizist“ sei. Uwe Rissling grinst kurz. Im Grunde, sagt er, „bin ich hier vor allem vorbeugend tätig. Indem ich ihre Personalien aufnehme, hole ich die jungen Männer aus der Anonymität.“

Ohne Kennzeichen

Sehr wohl registriert hatte der Polizist zuvor das Quad, das in einer Ecke des Schulhofes parkte und das einem der jungen Männer gehört. Das Problem: Das Kraftfahrzeug hat kein Kennzeichen und ist sehr wahrscheinlich auch nicht versichert. „Ich bin nicht damit gefahren, sondern habe es hierher geschoben“, hatte der Besitzer zu seiner Verteidigung gesagt. Er weiß sehr wohl, dass das nicht sehr glaubhaft klingt, blieb aber bei der Version. Uwe Rissling zieht beim Weggehen die Schultern hoch. „Da kann ich nichts machen. Das Gegenteil kann ich ihm nicht beweisen.“

Wenn Westerkappelns „Dorfsheriff“ nicht auf Streife ist, sitzt er in seinem Büro im Rathaus und nimmt Anzeigen auf. Zuletzt, erzählt er, ging es dabei vor allem um Betrügereien im Internet. „Die Leute haben Ware bestellt und bezahlt, bekommen sie dann aber nicht geliefert.“ Manche kommen aber auch vorbei, um einen Fahrraddiebstahl zu melden. Mitunter rufen Bürger an, weil sie sich über eine Ruhestörung aufregen. Oder aber ein Autofahrer berichtet von einem Unfall, bei dem sich der Verursacher unerlaubt vom Ort des Geschehens entfernt hat. Regelmäßig informiert der Polizeihauptkommissar außerdem seine Kollegen bei der Ibbenbürener Wache über das jeweilige Einsatzgeschehen.

Vor allem aber ist Uwe Rissling im Ort unterwegs. Zuletzt macht er dabei immer wieder einen Abstecher zu einem etwas versteckten Ort an der Heerstraße. „Ein offenbar beliebter Treffpunkt für Liebespärchen“, erzählt er mit einem Augenzwinkern. Der Eigentümer des Gebäudes fühlte sich gestört von dem Geschehen und informierte den Beamten. An diesem Abend kann dieser aber nichts Auffälliges feststellen. Uwe Rissling setzt seine Tour Richtung Kirchplatz fort. Vor dem Toilettenhäuschen hat er schon oft junge Menschen beim Haschisch-Rauchen entdeckt. Wenn sie den Schutzmann sehen, nehmen sie ihre Beine in die Hände und sind weg. Hinterherrennen, das weiß der 57-Jährige aus Erfahrung, „lohnt sich nicht. Dafür ist der Vorsprung, den sie haben, zu groß.“

Falsche Fahrtrichtung

Anders stellt sich die Lage bei den Einbahnstraßen im Ortskern dar. Regelmäßig postiert sich der Polizeihauptkommissar zum Beispiel an der Großen Straße. „Da muss ich eigentlich nie länger als eine halbe Stunde warten, bis der erste Fahrer mir in falscher Fahrtrichtung entgegenkommt.“ In dem Punkt, hat der „Dorfsheriff“ in seiner fast zweijährigen Dienstzeit in Westerkappeln gelernt, „sind die Kappelner unbelehrbar“. In der Regel ahndet er die Verkehrsordnungswidrigkeit mit einem Bußgeld in Höhe von 25 Euro. Ähnlich rigoros greift Uwe Rissling inzwischen auch an der Schulstraße durch, wo nach seinen Beobachtungen das dortige Durchfahrtsverbotsschild von Eltern, die ihre Kinder zur Schule bringen wollen, penetrant missachtet wird. Fast anderthalb Jahre, so berichtet er, habe er es mit gutem Willen und unzähligen Gesprächen versucht. Ohne Erfolg.

Seit April bekommen die Verkehrssünder deshalb jetzt die ganze Härte des Gesetzes zu spüren. Uwe Rissling, der, bevor er nach Westerkappeln kam, 19 Jahre lang in Lengerich Wach- und Wechseldienst geschoben hat, erhebt jetzt Verwarnungsgelder. Anders, ist er sicher, ließen sich die Eltern nicht davon überzeugen, sich den Verkehrsregeln entsprechend zu verhalten. Denn diese seien zum Schutz der Kinder aufgestellt worden, die auf der schmalen Straße mit dem Rad oder zu Fuß unterwegs sind. Für sie, erläutert er, sei es schlichtweg zu gefährlich, wenn zusätzlich Autos – womöglich noch im Begegnungsverkehr – die Straße befahren. „Bei der Schulstraße war für mich einfach die Grenze erreicht“, sagt er noch im Weitergehen. „Schließlich ist es mein Job, die öffentliche Ordnung sicherzustellen.“ Im Großen und Ganzen – und mal abgesehen von den drei großen Straftaten, die die Gemeinde zuletzt in die Schlagzeilen brachten – sei Westerkappeln ein „durchaus friedliches Örtchen“.


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