Bewegender Besuch Nachfahre jüdischer Familie zu Gast in Westerkappeln

Von Katja Niemeyer

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Westerkappeln An den Namen Dr. Feodor Block erinnern sich wohl nur noch wenige, zumeist ältere Westerkappelner. Feodor Block war Jude und arbeitete früher als Tierarzt und Lehrer in der Gemeinde, bevor er – wie viele weitere Familienmitglieder – in dem Konzentrationslager Theresienstadt der Nazis starb.

Der Enkel von Feodor Block, Robert Rosenwald, ist nun am Donnerstag zusammen mit seiner Ehefrau Jeanne zu Besuch in Westerkappeln gewesen.

Ein bewegender Tag, nicht nur für den 76-jährigen Amerikaner und seine Frau, sondern auch für Bernd Hammerschmidt, der sich schon seit längerer Zeit mit dem Schicksal der Familie beschäftigt und dabei insbesondere die Geschichte von Gertrud Block, der Mutter von Robert Rosenwald, aufgearbeitet hat.

„Die Vergangenheit sollte nicht in Vergessenheit geraten“, sagte Robert Rosenwald beim Empfang im Rathaus. Zugleich, fügte er hinzu, müsse man aber auch nach vorn blicken. Lange Zeit habe er nichts über die Familie seiner Mutter gewusst. Es habe Fotos gegeben, „aber meine Eltern haben uns Kindern nichts erzählt von ihrer Geschichte“. Bis zu dem Tag, als sich die Münsteranerin Gertrud Althoff, die ebenfalls bei ihren Forschungen auf die Familie Block gestoßen war, bei Robert Rosenwald meldete.

Namen zu den Fotos

Von da an, durch viele Gespräche und noch mehr Forschung, erfuhr der Familienvater, der bis zu seinem Ruhestand beim amerikanischen Verteidigungsministerium arbeitete, mehr und mehr von der Geschichte seiner Mutter. „Endlich bekamen die Personen auf unseren Fotos Namen“, sagte Robert Rosenwald, noch immer gerührt von den Begegnungen und von dem Einsatz der Forscher, die geholfen haben, die Geschichte seiner Mutter ins Gedächtnis zu rufen.

„Das ist ein besonderer und bewegender Moment für mich“, sagte Bürgermeisterin Annette Große-Heitmeyer, die neben den Gästen aus Amerika auch die Historiker Bernd Hammerschmidt und Gertrud Althoff sowie Stadtarchivar Dr. Gunter Böhlke und Gästeführer Horst Meyer im Rathaus begrüßte. „Wir haben die Pflicht und die Verantwortung, die Geschichte nicht zu vergessen“, betonte die Verwaltungschefin.

Die Lebensgeschichte

Bernd Hammerschmidt referierte über das Leben von Gertrud Block, die nach dem Abitur im Jahr 1930 an der Uni Münster ein Medizin-Studium aufnahm. Er berichtete von den Diskriminierungen, denen die junge Frau während des Nazi-Terrors ausgesetzt war, und wie sie dennoch im Jahr 1936 ihr Studium abschließen konnte, für die Promotion dann aber an die Uni Bern wechselte. Ein Jahr später floh sie nach Amerika, nahm in New York zunächst eine Stelle als Krankenschwester an, bevor sie die Zulassung erhielt, ihren Arztberuf auszuüben. Vier Jahre später wurde Sohn Robert geboren.

Der verbrachte gestern einen „wundervollen Tag“ in Westerkappeln, wie er ins Goldene Buch der Gemeinde in englischer Sprache schrieb. Und: Er freue sich sehr über die neue Freundschaft mit den Menschen in dem Ort, den er mit „schönen Erinnerungen“ wieder verlassen werde.

Robert Rosenwalds Mutter Gertrud wuchs in einem Haus an der Osnabrücker Straße auf. Die Villa hatte der Amerikaner schon einmal bei seinem ersten Besuch in Westerkappeln vor zehn Jahren besichtigt. Aber auch diesmal war es wieder ein „ergreifender Moment“, wie er sagte, „dort zu stehen, wo einst meine Mutter als junges Mädchen stand“.


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