Einsatz für akrobatische Flieger Stadtkirche in Westerkappeln bekommt Urkunde „Lebensraum Kirchturm“

Von Katja Niemeyer


Westerkappeln Dass der Turm der evangelischen Stadtkirche jetzt die Auszeichnung „Lebensraum Kirchturm“ erhalten hat, das hat vor allem mit zwei Westerkappelnern zu tun.

Der Erste ist Günter Helmig, der vor fast 30 Jahren beherzt zur Tat schritt und ein Nistplatz-Projekt für Mauersegler anstieß. Der Zweite ist Westerkappelns Umweltaktivist Friedhelm Scheel, der den Naturschutzbund (Nabu) Deutschland überhaupt erst über die Nistmöglichkeiten hoch über den Dächern des Ortskerns informierte. Und so kam es, dass sich Silke Heemann vom Vorstand des Nabu-Kreisverbandes kürzlich auf den Weg nach Westerkappeln machte. Im Gepäck hatte sie sowohl eine Urkunde als auch ein Schild mit dem Hinweis „Lebensraum Kirchturm“, das inzwischen an der Mauer des Kirchturms angebracht wurde.

1000 Jahre alter Kirchturm

Es war das Jahr 1987. Die Schäden am Mauerwerk des mehr als 1000 Jahre alten Kirchturms waren unübersehbar. Zwischen den Fugen war der Sandmörtel entweder deutlich zerbröselt oder stellenweise schon herausgefallen. An einer Sanierung, das war schnell klar, führte kein Weg vorbei. An den Entscheidungsprozessen unmittelbar beteiligt war Günter Helmig, damals Kirchbaumeister und Mitglied im Presbyterium.

Auch er habe keinen Zweifel daran gehabt, dass der Kirchturm nur durch aufwendige Reparaturarbeiten zu retten wäre, schildert der 80-Jährige rückblickend die damalige Situation. Zugleich hatte er aber die Mauersegler vor Augen, die er immer wieder beobachtet, wie sie in ihrem schnellen, wendigen Gleitflug über den Kirchplatz segelten und in den Fugen des Kirchturms nisteten. Ihnen, so seine berechtigte Sorge, würden durch die Sanierung die kleinen Nischen im Mauerwerk genommen, die sie für ihre Brutpflege so dringend benötigen.

Bau von Nistmöglichkeiten

Ein Zustand, den Günter Helmig nicht akzeptieren wollte, weshalb er die Idee für den Bau von Nistmöglichkeiten an entscheidender Stelle vorbrachte. Eine Bauanleitung für die Kästen war rasch gefunden, ebenso wie ein Tischler, der insgesamt sechs Kästen fertigte, die seither in der Turmspitze hängen; dort, wo sich die Schallöffnungen für die Glocke befinden.

Wenn Günter Helmig heute über den Kirchplatz geht, muss er hin und wieder an die Aktion vor knapp 30 Jahren denken, für die es rasch von allen Seiten Zustimmung gegeben habe. Die Mauersegler, die in ihrem Aussehen leicht mit Schwalben zu verwechseln sind, mit ihnen aber nicht näher verwandt sind, haben es dem Ruheständler angetan. „An die akrobatischen Flieger hat niemand gedacht, als die Sanierung anstand“, erinnert er sich.

Die Stadtkirche ist übrigens nicht das erste Bauwerk, für das Friedhelm Scheel beim Nabu die Werbetrommel gerührt hat. Insgesamt, so erzählt der Umweltschützer, hängen auf seine Initiative hin inzwischen an neun Kirchtürmen die Schilder mit der Aufschrift „Lebensraum Kirchturm“. Dazu gehört unter anderem auch die St.-Margaretha-Kirche in Westerkappeln.


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