Landwirte und Bauhof ächzen unter Hitze Die Schattenseiten des heißen Sommers in Westerkappeln

Von Katja Niemeyer


Westerkappeln. Das heiße und trockene Wetter macht nicht nur den Bauern zu schaffen. Auch der Bauhof der Gemeinde Westerkappeln ächzt unter der Hitze, die – mit nur kurzen Unterbrechungen – seit mittlerweile mehr als zwei Monaten anhält.

Wässern und noch mal wässern lautet deshalb das Gebot der Stunde. Bauhofleiter Karsten Grabow spricht von einem „ungewöhnlichen“ Sommer und erläutert, dass die tatsächlichen Schäden, die vor allem an Bäumen entstanden sein dürften, erst in zwei oder drei Jahren deutlich würden.

Nahezu täglich füllen derzeit Bauhof-Mitarbeiter die beiden 1000-Liter-Tanks auf ihren Pritschenwagen mit Wasser, um damit die empfindlichen Grünanlagen in der Gemeinde zu bewässern. Grabow schätzt, dass so Woche für Woche jeweils rund 20000 Liter Wasser auf Kreisverkehren, Kirchplatz und Co. verteilt werden. Bei einigen Bäumen, etwa bei denen am Dölhof und vor dem Gebäude der Volksbank, habe die Dürre bereits deutliche Spuren hinterlassen.

Junge Bäume wie die vor der Stadtkirche würden freilich besonders gewässert, so Grabow. Ob sie die extreme Trockenphase überleben, könne man zum jetzigen Zeitpunkt allerdings noch nicht sagen. Einige größere Bäume hätten zu ihrem eigenen Schutz bereits ihr Blätterkleid abgeworfen, berichtet Grabow. „Über die Blätter verdunstet das gespeicherte Wasser. Indem sie sie abwerfen, retten die Bäume sich quasi selbst“, erläutert der Bauhofleiter.

Kein Schutzmechanismus

Über einen solchen Schutzmechanismus verfügen Graspflanzen nicht. Weshalb die Rasenplätze der Sportanlagen in diesen Tagen so häufig künstlich beregnet werden wie nur selten zuvor. Die Sprenkler laufen ständig, allein auf den Velper Sportplätzen seien in den vergangenen zwei Tagen mehr als 15000 Liter Wasser niedergeregnet worden, veranschaulicht Grabow die Lage. Und ein Ende ist nicht Sicht. Für die kommende Woche vermeldete der Wetterdienst erneut Temperaturen von mehr als 30 Grad.

Die Gefahr von Engpässen bei der Wasserversorgung, wie es sie früher schon einmal gab, sieht der Bauhofleiter allerdings nicht. Wasser, sagt er, sei reichlich vorhanden. Und auch seine Mitarbeiter müssten bislang keine Sonderschichten schieben wegen der Dürre. Denn Arbeiten wie das Rückschneiden der Sträucher und Pflanzen, die ihr Wachstum aufgrund akuten Wassermangels quasi eingestellt haben, würden ja schließlich entfallen. Und: Auch aufs Rasenmähen können die Bauhofmitarbeiter getrost verzichten. Des einen Freud, des anderen Leid: Für Bauern sind die vertrockneten Wiesen, die sich teilweise bereits braun gefärbt haben, ein großes Problem. Weil teilweise bis zu drei Ernten von Gras ausgefallen seien, werde auch das Tierfutter knapp, berichtet Friedrich Brenningmeier, Ortslandwirt für den Bezirk Westerkappeln Nord. Üblicherweise würde ein Landwirt bis zu fünf Mal im Sommer Gras häckseln.

Betroffen von Trockenheit und Hitze sind auch Nutzpflanzen wie Getreide und Mais. Die Ernte, erzählt Brenningmeier, habe in diesem Jahr an vielen Orten früher begonnen als üblich. So arbeiteten die Maschinen bereits auf den Wintergerstefeldern – und lieferten einen rund 25 Prozent geringeren Ertrag als gewöhnlicherweise, betont der Ortslandwirt. In Kürze und damit zwei Wochen früher als üblich soll Weizen gedroschen werden, ergänzt er.

Ernteausfälle erwartet der Landwirt überdies beim Mais. Die Kolben hätten sich kaum oder gar nicht ausgebildet. Wenn die Trockenheit weiter anhält, will er schon Mitte August mit dem Häckseln beginnen, sagt er. In weniger trockenen Sommern steht diese Arbeit erst Ende September an.

Wenig Grund zur Klage hat bislang die Freiwillige Feuerwehr Westerkappeln. Während deren Kollegen andernorts des Öfteren zu Bränden ausrückten, hielten sich hierzulande die Einsätze in Grenzen. So wurde die Westerkappelner Wehr in den vergangenen Wochen zu gerade einmal zwei kleineren Feuern gerufen, wie Gemeindebrandinspektor Ingo Bünemann auf Anfrage mitteilt. „Da haben wir wohl Glück gehabt.“


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN