Beste Freunde: Chiara und „Teddy“ Westerkappelnerin gewinnt Silber bei Euro der Nachwuchsspringreiter

Von Katja Niemeyer

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Null Fehler: Bei der Europameisterschaft der Nachwuchsspringreiter holte die Westerkappelnerin Chiara Reyer Silber für Deutschland. Foto: FN / Tomas HolcbecherNull Fehler: Bei der Europameisterschaft der Nachwuchsspringreiter holte die Westerkappelnerin Chiara Reyer Silber für Deutschland. Foto: FN / Tomas Holcbecher

Westerkappeln. An dem großen Tag ist Chiara Reyer schon ganz früh am Morgen zu ihrem Schimmel in den Stall gegangen. Sie gibt ihm Hafer und Heu, setzt sich zu ihm. Das Mädchen genießt die Zeit, die sie mit ihrem „Teddy“ allein hat.

Die 13-Jährige streichelt seinen Kopf und sagt, dass alles gut werde. „,Teddy‘ muss man immer beruhigen. Der ist schon sehr lebhaft“, erzählt die Westerkappelnerin und lacht. Im Grunde weiß sie aber, dass sie sich auf Cederic, wie der Wallach richtig heißt, verlassen kann. So auch am vergangenen Samstag beim Einzelfinale der Europameisterschaft der Nachwuchsreiter in Fontainebleau in Frankreich. Wenige Stunden, nachdem sie „Teddy“ im Morgengrauen gut zuredete, gewinnt Chiara Reyer nach einem spannenden Stechen Silber im U 14-Springreiten. Ein paar Tage zuvor hatte sie mit ihrem Team bereits Mannschaftsgold geholt.

Meisterschaft in Paris

Als die Schülerin von dem Turnier berichtet, sitzt sie mit ihrer Mutter im Garten ihres Zuhauses, das nur einen Steinwurf von der Westerkappelner Reithalle entfernt ist. Sie hat jetzt Ferien, will ein bisschen entspannen. Die Meisterschaft in der kleinen Stadt nahe Paris war anspruchsvoll. Fast eine Woche dauerte das Turnier. Insgesamt sechs Mal ging Chiara Reyer an den Start. Ihre ganze Familie hatte sie begleitet. Mit einem Gespann aus Lkw plus Anhänger sowie Auto plus Wohnwagen waren sie angereist. „Mit den Familien von Chiaras Teamkollegen bilden wir dann bei solchen Turnieren eine Art Wagenburg“, berichtet ihre Mutter Silke Reyer. Seitdem ihre Tochter im Nachwuchskader (U 14) des Deutschen Olympiade-Komitees für Reiterei ist, ist ihr Kalender gut gefüllt mit Turnierterminen. „Allein auf internationaler Ebene gibt es im Jahr drei bis vier Wettbewerbe“, erläutert Silke Reyer. Und die finden eigentlich immer während der Schulzeit statt. Was an sich kein Problem ist, denn die Deutsche Reiterliche Vereinigung stellt für solche Fälle regelmäßig einen Antrag auf Schulbefreiung aus.

Dass sich der Aufwand lohnt, beweist ein Blick auf die bisherigen Erfolge der jungen Westerkappelnerin: Bei den Nationen-Preisen wurde sie zwei Mal Erste und ein Mal Zweite. Bei der Generalprobe zur Europameisterschaft im Mai hatte sie schon im Einzel Gold geholt. Bei der Europameisterschaft im vergangenen Jahr hatte sie es immerhin auf den fünften Platz geschafft.

Was das Geheimnis ihres Erfolges und das des deutschen Teams ist? Chiara Reyer muss nicht lange überleben: „,Teddy‘ und ich können gut aufeinander hören“, sagt die 13-Jährige. In der gesamten Mannschaft herrsche darüber hinaus ein super Teamgeist und ein hohes Niveau. „Wir sind erfahren und haben gute Pferde“, fasst Chiara Reyer zusammen.

Das perfekte Paar

Vor allem aber scheinen sie und „Teddy“ das perfekte Paar zu sein. Als sie das erste Mal auf seinem Rücken saß, habe sie sofort ein sehr gutes Gefühl gehabt. Eigentlich, ergänzt Silke Reyer, habe ihre Tochter sogar nach dem Ritt gesagt, dass sie genau diesen Wallach haben wolle – „und sonst keinen“. Und die junge Reiterin weiß auch ziemlich genau, was sie an ihrem zehn Jahre alten Vierbeiner hat: „Er kämpft immer für mich mit.“ Wenn sie etwa – was schon mal vorkommen kann – die Distanz zu einem Hindernis etwas falsch eingeschätzt hat, mache Cederic einfach einen etwas größeren Sprung. In Fontainebleau hatten die beiden bis auf einen kleinen Patzer nur Null-Fehler-Ritte hingelegt. Und das auf einem Platz, der vor allem wegen seiner Größe und Beschaffenheit als durchaus anspruchsvoll gilt, wie Silke Reyer betont.

Nach ihrer Rückkehr aus Frankreich hatten Freunde und Großeltern der jungen Reiterin einen großen Empfang bereitet. Auf dem Straßenschild steht seither „Europameisterallee“. Auch Bürgermeisterin Annette Große-Heitmeyer kam zum Gratulieren vorbei. Ihr Training hat Chiara Reyer zurzeit etwas runtergefahren. Sie übt jetzt „nur“ noch morgens zwischen 6 und 8 Uhr. Bei der Hitze, sagt sie, „ist das nur fair den Pferden gegenüber.“ Bis zum nächsten großen Termin sind es noch gut sechs Wochen. Anfang September finden in München die Deutschen Meisterschaften statt. Ein Antrag auf Schulbefreiung ist also schon bald wieder fällig.


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