Das von Gegnern der Nordbahn-Reaktivierung prophezeite Chaos bleibt aus Schrankentest mit Geisterzügen

Von Frank Klausmeyer

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Westerkappeln. Reger Bahnverkehr herrscht am Dienstag in Westerkappeln. Immer wieder, wenn ein Zug durch den Ort rauscht, springen die Lichtzeichen an drei Bahnübergängen auf Rot, und Autos müssen halten. Von einem Verkehrschaos, das die Gegner der geplanten Reaktivierung der Tecklenburger Nordbahn prophezeien, kann indes keine Rede sein.

Im Gegenteil: Nicht selten steht bei der Zählung gar kein Auto vor der imaginären Schranke.

Auf Initiative der Gemeinde hat das Verkehrsunternehmen RVM – wie bereits Mitte März in Mettingen – auch in Westerkappeln einen sogenannten Schrankentest anberaumt. Die Verwaltung hatte über die Messung zwar kurz vorher informiert, den Termin aber für sich behalten. „Wenn es nach uns gegangen wäre, hätten wir das angekündigt“, versichert Johann Ubben, Bereichsleiter Eisenbahn bei der Regionalverkehr Münsterland GmbH (RVM). Bürgermeisterin Annette Große-Heitmeyer wollte dies aber nicht, damit die Ergebnisse, wie sie sagt, nicht manipuliert werden, indem Autofahrer die Bahnübergänge umfahren oder über Gebühr passieren. Die mögliche Kritik an einer Geheimniskrämerei läuft wohl ins Leere, weil dies so nicht nur mit den Ratsfraktionen, sondern auch mit dem Arbeitskreis „Bus statt Bahn“ besprochen worden sei.

Messungen zur Rush Hour

Am Dienstag fahren nur Geisterzüge. Im Echtbetrieb sollen auf den Gleisen der Nordbahn nach jetzigem Stand werktäglich von 6 bis 22 Uhr insgesamt 64 Personenzüge im Halbstundentakt durch Westerkappeln rollen. In der Gemeinde gibt es insgesamt 20 Bahnübergänge, der Test beschränkt sich aber auf die drei Verkehrsknotenpunkte Heerstraße, Alte Poststraße sowie Bullerteichstraße. Wenn die Strecke reaktiviert wird, sollen sich die Schranken maximal für 34 Sekunden senken. Beim Test am Dienstag waren es jeweils 40 Sekunden, „weil wir die Ampeln manuell schalten müssen und so gewisse Restlaufzeiten entstehen“, erläutert Ubben. Gemessen wird während der „Rush Hour“ von 6 bis 9 Uhr, von 11 bis 14 Uhr sowie von 15.30 bis 18.30 Uhr, also jeweils dann, wenn viel Berufs- und Schülerverkehr unterwegs sein dürfte.

Spitzenwert acht Autos

6.29 Uhr an der Heerstraße: Die Ampel springt auf Rot. Sechs Autos, die aus Richtung Westerbeck in den Ortskern fahren, müssen vor dem Bahnübergang halten. Aus der Gegenrichtung kommt gar kein Fahrzeug. Kurz vor 9 Uhr an der gleichen Stelle: In beide Fahrtrichtungen „staut“ sich jeweils ein Auto. Drei Stunden später an der Alten Poststraße das gleiche Bild. „Als Spitzenwert hatten wir bislang einmal acht Autos“, erläutert Ubben nach der morgendlichen Messung und zeigt als Beleg die Strichlisten der sechsköpfigen Zählkommission der RVM.

Die Ergebnisse des Schrankentests sollen nun ausgewertet werden. Mit Kritik an der Methodik rechnet Ubben nicht. Die sei mittlerweile auch in Mettingen verstummt, weil die Schließzeiten nicht nur von einem Sicherungs- und Leittechniker gemessen und plangeprüft, sondern zudem noch von externen Fachleuten bestätigt worden seien, betont der RVM-Bereichsleiter.

Größtmögliche Transparenz

Nach den Sommerferien soll die Auswertung des Schrankentests in öffentlicher Sitzung des Umweltausschusses vorgestellt werden. „Wir wollen größtmögliche Transparenz“, erklärt Große-Heitmeyer.

Für die Initiative „Bus statt Bahn“ dürften die Ergebnisse wohl keinen Wind in den Segeln bedeuten. Deren Sprecher Armin Kirsch ficht das jedoch nicht an. „Dieser Schrankentest ist nur ein winziger Teilaspekt der Diskussion“, meint er. Entscheidender sei, dass Personenverkehr auf den Gleisen der Tecklenburger Nordbahn nicht wirtschaftlich betrieben werden könne, „weil die Fahrgastzahlen nur ausgedacht sind“, wie Kirsch behauptet. Oliver Ising, der die Reaktivierung ebenfalls ablehnt, verweist auf den Haller Willem. Nicht einmal auf dieser Strecke von Osnabrück nach Bielefeld gebe es täglich 5600 Reisende, wie sie auf der Nordbahn prognostiziert werden.

Ubben kennt die Argumente zur Genüge und kontert: Der Haller Willem sei zweigeteilt unterwegs; in Richtung Osnabrück und in Richtung Bielefeld und daher durchaus mit dem Projekt Tecklenburger Nordbahn vergleichbar. Im Übrigen seien auf allen Strecken, die in der Vergangenheit für den Personenverkehr reaktiviert wurden, die Fahrgastzahlen höher als erwartet gewesen.

Der Schrankentest scheint an dieser Stelle schon keine Rolle mehr zu spielen. Kirsch hatte am Morgen nach eigenen Worten auch keine Zeit, der Zählung als Zaungast beizuwohnen. „Ich musste mit dem Hund gehen.“


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