Jede Menge Bürokratie Westerkappeln will Fördergelder für den Klimaschutz

Von Frank Klausmeyer

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Zu kalt – das Freibad Bullerteich wirbt mit stets mindestens 23 Grad warmen Wasser. Bei wenig sommerlichem Wetter schafft die Absorberanlage disen Wert nicht. Es wird mit Gas geheizt. Eine Nahwärmeleitung von der Heizzentrale im Schulzentrum könnte Energie und Kosten sparen helfen. Foto: Frank KlausmeyerZu kalt – das Freibad Bullerteich wirbt mit stets mindestens 23 Grad warmen Wasser. Bei wenig sommerlichem Wetter schafft die Absorberanlage disen Wert nicht. Es wird mit Gas geheizt. Eine Nahwärmeleitung von der Heizzentrale im Schulzentrum könnte Energie und Kosten sparen helfen. Foto: Frank Klausmeyer

Westerkappeln. Wenn die öffentliche Hand etwas für den Klimaschutz tun will, kann das mitunter ganz schön bürokratisch werden. Das bekommt gerade die Gemeinde Westerkappeln bei drei Projekten zu spüren, für die schon jede Menge Papier produziert wurde, jedoch fraglich ist, ob sie auch in absehbarer Zeit umgesetzt werden können.

Es geht um einen Anschluss des Freibades an die Nahwärmeversorgung des Schulzentrums, Elektrofahrzeuge für den Bauhof und um LED-Beleuchtung fürs Rathaus und die Grundschule am Bullerdiek. Vor allem aber geht es um viel Geld.

Zuschüsse in Höhe von 80 Prozent

Dieses erhofft sich die Gemeinde im Rahmen des Förderprogramms „Kommunaler Klimaschutz NRW“. Das Land lockt mit Zuschüssen in Höhe von 80 Prozent. Bereits Anfang 2017 wurden die Städte und Gemeinden vom Kreis Steinfurt aufgerufen, sich zu beteiligen. Ein halbes Jahr später schickte dieser einen Sammelantrag ans Land, Ende 2017 lag die Bewilligung vor.

So weit, so gut, aber ein Drittel der beantragten Projekte fiel gleich unter den Tisch. Dazu gehört auch die Idee, auf den Westerkappelner Klärwerken Fotovoltaikanlagen zu installieren. Diese trügen sich wirtschaftlich von selbst, begründet Friedhelm Wilbrand, Umweltschutzbeauftragter im Rathaus, die Ablehnung.

Fördergelder fürs Freibad

Die Projektideen für die LED-Umrüstung und E-Mobile für den Bauhof seien dagegen so durchgelaufen. „Bei der Nahwärmeversorgung für das Freibad wird das schwieriger“, sagt Wilbrand. Viele vergleichbare Projekte seien beim Fördergeber durchgefallen. Die Gemeinde Westerkappeln durfte wegen der erhofften großen Synergieeffekte weiterplanen. Seit eineinhalb Jahren wird daran gearbeitet. „Wir sind mittlerweile bei der fünften Version eines Antrags“, berichtet der Umweltschutzbeauftragte. Aus einem anfangs halbseitigen Blatt ist mittlerweile ein Ordner mit 20 DIN-A 4-Seiten geworden. Ein Ingenieurbüro durfte anfangs nicht eingeschaltet werden, weil das Land dies als vorzeitigen Maßnahmebeginn gewertet hätte, womit die Zuschüsse futsch gewesen wären.

Mittlerweile wird die Verwaltung von externen Fachleuten unterstützt. Was die Sache so knifflig macht, ist der Umstand, dass es nicht einfach um eine Wärmeleitung von der Heizzentrale neben der Dreifachhalle zum Freibad geht. Die komplette Nahwärmeversorgung fürs Schulzentrum steht im Rahmen von dessen Erweiterung und Modernisierung auf dem Prüfstand. Im aktuellen Haushalt sind rund 550000 Euro für eine Sanierung vorgesehen.

„Das jetzige Netz ist 40 Jahre alt“, sagt Bauamtsleiter Patrick Lenz. Seitdem gab es diverse Erweiterungen an den Schulen und auch den Neubau der Zweifachhalle. „Schon jetzt kriegen wir einige Räume in der Grundschule nicht richtig warm“, sagt Lenz.

Bevor neue Leitungen verlegt werden können, muss erst einmal klar sein, welchen Wärmebedarf es im Einzelnen für den Offenen Ganztag, für die Grundschule und für die Gesamtschule gibt. Während das für das „Haus der Wespe“ und die Grundschule mittlerweile bekannt ist, stehen die Pläne für die Erweiterung der Gesamtschule noch ganz am Anfang.

Und erst wenn der endgültige Wärmebedarf feststeht, kann entschieden werden, wie groß die neue Heizzentrale dimensioniert sein muss. Derzeit deckt ein Holzhackschnitzel-Kessel die Grundlast ab, zwei Gaskessel leisten in Spitzenzeiten Unterstützung. „Es ist noch unklar, ob das jetzige Kesselhaus reicht“, erklärt Bürgermeisterin Annette Große-Heitmeyer. Deshalb sei es unwahrscheinlich, dass dieses Jahr noch gebaut werde.

Das gilt erst recht für die Nahwärmeleitung zum Freibad, die wohl nur verlegt wird, wenn es Zuschüsse gibt. Die Gesamtkosten werden auf gut 200000 Euro veranschlagt, die Gemeinde müsste davon etwa rund 40000 Euro übernehmen. Angesichts der 80-prozentigen Förderung lohne sich der bürokratische Aufwand schon, meint Wilbrand. Ob das Projekt tatsächlich wirklich gefördert wird, steht jedoch noch nicht ganz sicher fest.


Im Rahmen des Programms „Kommunaler Klimaschutz NRW“ will die Kommune auch die Leuchten im Rathaus und der Grundschule am Bullerdiek durch LED-Lampen ersetzen. Rund 80 000 Euro wird das kosten, davon müsste die Gemeinde 16 000 Euro schultern. Für beide Gebäude gibt die Verwaltung aktuell einen Strombedarf von 61 400 Kilowattstunden an, rund die Hälfte des Energiebedarfs ließe sich durch LEDs sparen.

Der Bauhof möchte einen kleinen Kipplaster und den 18 Jahre alten Kommunalschlepper am Schulzentrum durch Elektrofahrzeuge ersetzen. „Das sind Fahrzeuge für kurze Wege. Das macht Sinn“, sagt Bauamtsleiter Patrick Lenz. Die Investitionskosten werden auf rund 220 000 Euro veranschlagt. Auch hier müsste die Gemeinde nur 20 Prozent tragen.

Es handele sich um eine Testphase. „Wenn wir positive Erfahrungen sammeln, können wir darüber nachdenken, auch bei anderen Fahrzeugen auf Elektroantriebe umzusteigen“, meint Patrick Lenz.

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