Thema „von außen hochgekocht“ Überackerung von Randstreifen in Westerkappeln

Von Frank Klausmeyer

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In Westerkappeln pflügen die Bauern nach Feststellung der Gemeindeverwaltung nur in seltenen Fällen über ihre Ackgrenzen hinaus. Symbolfoto: Colourbox.deIn Westerkappeln pflügen die Bauern nach Feststellung der Gemeindeverwaltung nur in seltenen Fällen über ihre Ackgrenzen hinaus. Symbolfoto: Colourbox.de

Westerkappeln. Die Überackerung von Wegerandstreifen sei ein „heißes Eisen“, hieß es zu Jahresbeginn bei einer Versammlung der örtlichen Landwirte. Aus Sicht der Gemeinde Westerkappeln ist das Thema aber anscheinend nur von außen hochgekocht worden. „Bei uns ackern die Landwirte überwiegend vorbildlich“, erklärt Bürgermeisterin Annette Große-Heitmeyer.

Vor zwei Jahren hatten die Grünen im Steinfurt Kreistag die Diskussion in Gang gesetzt. Sie rechneten im Kreis Coesfeld ermittelte Zahlen für den Kreis Steinfurt hoch und stellten die These in den Raum, dass hier rund 400 Hektar öffentlichen Grundes von Bauern quasi illegal bewirtschaftet würden. Die Kreisverwaltung machte daraufhin eine Bestandsaufnahme und stellte die Daten allen 24 Städten und Gemeinden im Kreis zur Verfügung.

Streit gab es darüber im Herbst vergangenen Jahres mit den regionalen Umweltverbänden. Diese zogen sich, weil sie sich nicht ausreichend informiert fühlten, zwischenzeitlich sogar vom sogenannten „Runden Tisch Biodiversität“ zurück.

Ein Darstellungsfehler

Auf den ersten Blick werden auch in Westerkappeln die für Fauna und Flora wichtigen Wegerandstreifen immer wieder umgepflügt. Doch die Bauern taugen offenbar nicht so wirklich zu Buhmännern. „Teilweise sind das Darstellungsfehler“, sagt Friedhelm Wilbrand, Umweltbeauftragter der Gemeinde. Diese hatte vom Kreis einen Layer, also eine computergestützte Zeichnungsdatei, für das hauseigene Geoinformationssystem zur Verfügung gestellt bekommen. „Wenn man das mit dem Cursor bearbeitet, geht das gar nicht parzellenscharf“, meint Wilbrand.

Die Verwaltung habe sich daraufhin alle vom Kreis angegebenen Flächen angeschaut. Viele Verstöße – ob fahrlässig oder mutwillig – seien nicht festgestellt worden, sagt der Umweltbeauftragte. „Vielleicht gibt es zehn oder zwölf Flächen, wo es sich lohnen würde, mal mit den Landwirten zu sprechen.“ Betroffen seien vor allem Flächen, wo es neue Pächter gebe. „Die kennen die Strukturen manchmal nicht.“

Ungenauigkeiten

Zuweilen sei es nicht einfach, die Grenzen, die auf dem Luftbild zu sehen seien, in der Örtlichkeit zu erkennen, was auch mit variierenden Bankettbreiten zusammenhänge. Die reichten manchmal von einem halben bis zu zwölf Metern. In Einzelfällen sei – legalerweise – gar kein Randstreifen vorhanden. Und es habe auch niemand ermittelt, wie viel Fläche Landwirte der Natur schenkten, weil sie weiter vom Randstreifen wegbleiben als sie dürfen. „Das sind dann aber sicher nicht die super Standorte“, meint Wilbrand mit Hinweis auf Dünge-Einträge oder das Abdriften von Pflanzenschutzmitteln.

Teilweise seien vom Kreis auch überackerte Flächen angegeben worden, wo gar nicht gepflügt wird oder bei denen es sich um Randstreifen von Bächen handele, die lediglich einmal im Jahr gemäht würden und deshalb – aus der Luft betrachtet – wohl den Eindruck vermittelten, sie würden bewirtschaftet.

Spätestens bis zum Ende des Jahres sollen in allen Städten und Gemeinden des Kreises die Eigentumsverhältnisse geklärt werden. Anschließend sollen Kommunen prüfen, in welchem Umfang Blühstreifen oder Blühflächen an den Wegeränder angelegt werden können. Die Bauern wollen dabei Unterstützung leisten, wie Anfang März auf einer Biodiversitätstagung des landwirtschaftlichen Kreisverbandes versichert wurde.

Blühende Ränder

Wilbrand will sich im kommenden Herbst auch ein paar Standorte angucken, die dafür vielleicht in Frage kommen. Nördlich des Mittellandkanals an Flächen der Schöllerhof-Stiftung hat die Gemeinden bereits einen größeren Blühstreifen eingesät.

Insgesamt, so halten Große-Heitmeyer und Wilbrand fest, sei die Überackerung von Wegrändern in Westerkappeln kein flächendeckendes Problem, auch wenn dieses in der Wahrnehmung manchmal einen anderen Anschein mache.


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