Lkw-Fahrer zeigt keine Einsicht Prozess wegen fahrlässiger Körperverletzung

Von Dietlind Ellerich

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Eine Rentnerin war im November vergangenes Jahres von diesem Lkw auf dem Parkplatz des Einkaufsmarktes an der Heerstraße angefahren und dabei schwer verletzt worden. Foto: Heinrich WeßlingEine Rentnerin war im November vergangenes Jahres von diesem Lkw auf dem Parkplatz des Einkaufsmarktes an der Heerstraße angefahren und dabei schwer verletzt worden. Foto: Heinrich Weßling

Westerkappeln. Der Lkw auf dem Parkplatz des Amtsgerichts Tecklenburg bringt Gewissheit: Der Fahrer hätte die alte Dame sehen müssen, als sie Mitte November 2017 am Einkaufszentrum an der Heerstraße mit ihrem Einkaufswagen direkt vor seinem Fahrzeug über den Parkplatz ging.

Richter, Vertreterin der Staatsanwaltschaft und Verteidiger stellen am Mittwoch die Situation nach, nehmen auf dem Fahrersitz Platz und verfolgen, wie eine Beamtin der Geschäftsstelle mit einem Handwagen vor dem Lkw hergeht. Während für Gericht und Staatsanwaltschaft die Sache eindeutig ist, hat der Verteidiger auch nach dem Experiment noch „ein Problem mit dem Vorwurf der Fahrlässigkeit“.

20 Tagessätze zu je 50 Euro

Sein Mandant hatte die 83-Jährige vor sieben Monaten nicht bemerkt und sie angefahren. Da der 47-jährige aus Osnabrück gegen einen Strafbefehl von 20 Tagessätzen zu je 50 Euro wegen fahrlässiger Körperverletzung Einspruch erhoben hatte, kam es zur Hauptverhandlung.

Präzise Angaben machte beim ersten Termin vor drei Wochen ein Zeuge aus Hopsten. Die Dame sei direkt vor dem Lkw gewesen, dann noch einen Meter weiter gegangen, als dieser gerade anfuhr, hatte er ausgeführt.

Fahrer hätte Außenspiegel beobachten müssen

Zwei Polizeibeamte hatten vor Ort festgestellt, dass der Fahrer die ganze Zeit in den Außenspiegel oben rechts hätte schauen müssen, um die Frau zu bemerken, die bei dem Unfall schwere Verletzungen an den Beinen erlitten hatte und sieben Monate danach noch nicht wieder laufen kann.

Der 47-Jährige ist sicher, seiner Sorgfaltspflicht nachgekommen zu sein. Er habe in den Außenspiegel geschaut, niemanden bemerkt und sei langsam losgerollt, hatte er vor drei Wochen ausgesagt.

Fußgängerin war deutlich zu sehen

„Ich habe sehr deutlich gesehen, dass die Fußgängerin die ganze Zeit gut zu sehen war“, kommentiert der Richter am Mittwoch die Einlassung des Angeklagten. Er bedauert, dass dieser beim ersten Termin das Angebot des Gerichts, das Verfahren gegen eine Zahlung von 1000 Euro an die Geschädigte einzustellen, nicht angenommen habe. „Das kann ich nicht wiederholen, ich kann nur raten, den Einspruch zurückzuziehen“, macht er dem Angeklagten deutlich, dass er nicht mit einem Freispruch rechnen könne. „Im Fall eines Schuldspruchs wird es definitiv teurer“, kündigt der Richter weiter an.

Ihm sei bewusst, dass dem Angeklagten das Geschehen leid tue, ihm fehle jedoch die Einsicht, dass es vermeidbar gewesen wäre, hätte er kontinuierlich den Spiegel im Auge behalten.

Einspruch zurückgezogen

Auch wenn das Verhalten der Seniorin gefährlich gewesen sei, habe der Fahrer doch fahrlässig gehandelt. „Wenn er tatsächlich meint, sich richtig verhalten zu haben, muss ich überlegen, ob ich ein Fahrverbot gegen ihn verhänge“, fährt das Gericht fort. Das wollen der Kraftfahrer und sein Verteidiger nicht. Sie ziehen den Einspruch gegen den Strafbefehl zurück. Die 1000 Euro gehen nun an die Staatskasse.


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