Westerkappelner in U-Haft Mordermittler haben noch viele Fragen

Von Frank Klausmeyer

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Die Festnahme des mutmaßlichen Todesschützen in Westerkappeln. Foto: Frank KlausmeyerDie Festnahme des mutmaßlichen Todesschützen in Westerkappeln. Foto: Frank Klausmeyer

Westerkappeln. Der Westerkappelner, der am Montagabend seine frühere Lebensgefährtin in Salzgitter auf offener Straße erschossen haben soll, sitzt erwartungsgemäß im Gefängnis.

Westerkappeln. Auf Antrag der zuständigen Staatsanwaltschaft Braunschweig hat die Ermittlungsrichterin des Amtsgerichts Braunschweig am Mittwoch einen Haftbefehl wegen des dringenden Tatverdachts des Mordes und der gefährlichen Körperverletzung gegen den 38-jährigen erlassen.

Es gibt aber noch viele offene Fragen, nicht zuletzt, was den Ablauf des Sorgerechtsverfahrens am Amtsgericht Tecklenburg betrifft, das wohl den Hintergrund für den Mord darstellt.

Mögliche Racheakte der Opferfamilie?

Der Beschuldigte befinde sich in Untersuchungshaft in einer Justizvollzugsanstalt. Um welche JVA es sich handelt, will die Staatsanwaltschaft Braunschweig momentan zum Schutz des mutmaßlichen Täters vor möglichen Racheakten nicht preisgeben. „Im Internet kursieren Aussagen, wonach aus dem Kreise der Opferfamilie eine Art Vergeltung angedroht wird“, sagt Staatsanwalt Hans Christian Wolters dazu.

Kinder an geheimem Ort

Dem Mann wird vorgeworfen, seine ehemalige 30-jährige Partnerin erschossen und deren Schwester durch einen weiteren Schuss verletzt zu haben. Die Bluttat soll sich vor den Augen der gemeinsamen vier kleinen Kinder (2 bis 6 Jahre) abgespielt haben. Diese werden derzeit betreut, ob von Angehörigen der aus dem Kosovo stammenden Familie oder anderen Personen, bleibt zur Sicherheit der Kinder und deren Abschirmung vor der Öffentlichkeit geheim.

Beschuldigter schweigt

„Der Tathergang ist relativ klar. Jetzt interessiert uns vor allem die Motivlage“, erklärt der Sprecher der Staatsanwaltschaft zum Stand der Ermittlungen. Der Westerkappelner selbst mache von seinem Aussageverweigerungsrecht Gebrauch. So muss die Mordkommission neben vielen anderen Dingen ermitteln, woher der mutmaßliche Täter die Waffe hatte und wann er in deren Besitz gelangte. Es handele sich wohl nicht um eine handelsübliche Pistole, erläutert Wolters. Möglicherweise sei es eine manipulierte Schreckschusswaffe. Das werde aber noch genau untersucht.

Unklar ist ebenso, wie der 38-Jährige an den weißen VW Golf gelangt war, mit dem er nach Salzgitter fuhr und der am Dienstagmittag auf dem Parkplatz des Mehrfamilienhauses an der Friedensstraße in Westerkappeln im Zuge der Festnahme sichergestellt worden ist. Es handele sich um einen Mietwagen. Nicht auszuschließen sei, dass eine andere Person das Auto besorgt habe, so Wolters. Nach derzeitigen Erkenntnissen war der 38-Jährige aber ein Einzeltäter.

Wo war er nach den tödlichen Schüssen?

Ermitteln muss die Polizei in Salzgitter auch noch, wo sich der Westerkappelner zwischen den tödlichen Schüssen und seiner Festnahme am Dienstag an seiner Wohnung in Westerkappeln durch ein Sondereinsatzkommando aufgehalten hat. Ein Zugriff war anscheinend schon am frühen Dienstagmorgen geplant. Anwohner der Friedensstraße berichten jedenfalls, dass es schon da einen Polizeieinsatz an der Friedensstraße gegeben haben soll.

Streng religiöserMuslim

Der Beschuldigte war Muslim und anscheinend streng religiös. Nachbarn im Haus hörten ihn jeden Tag laut in seiner Dachgeschosswohnung beten. „Er war wohl Salafist“, sagt eine Frau. Anhaltspunkte für einen radikalen Hintergrund hat auch die Staatsanwaltschaft. Es werde aber noch geprüft, ob der Beschuldigte ein Islamist war und ob dies in irgendeiner Weise mit dem Mord in Verbindung steht, bestätigt Wolters.

Keine Morddrohungen vor Gericht

Inzwischen hat das Amtsgericht Stellung genommen zu Spekulationen, dass der Beschuldigte nach einem für ihn negativen Beschluss des Familienrichters in Tecklenburg offene Morddrohungen gegen seine Ex-Partnerin ausgesprochen habe. Auch stand die Behauptung im Raum, er habe seine frühere Lebensgefährtin sogar vor dem Gerichtsgebäude mit einem Auto umzufahren versucht. Die Adresse in Salzgitter, wo sich die Frau vor dem als gewalttätig geltenden Westerkappelner versteckt hatte, habe der Richter in der Verhandlung verlesen.

Keine Bekanntgabe der Opferanschrift

Die Staatsanwaltschaft hat am Mittwochnachmittag eine Stellungnahme des Amtsgerichtes Tecklenburg veröffentlicht, das selbst gegenüber Medienvertretern keine Auskünfte gibt. Danach habe der zuständige Familienrichter die Anschrift des späteren Mordopfers nicht bekannt gegeben. Vielmehr habe der Richter aus Gründen des Opferschutzes vorsorglich die Polizei Steinfurt darum gebeten, die vierfache Mutter vor einer Verfolgung durch den Beschuldigten zu schützen. „Eine konkrete Bedrohung des späteren Opfers gab es nach unseren Informationen aber nicht“, stellt Staatsanwalt Wolters klar. Eine solche Situation sei nicht ersichtlich gewesen und auch vom späteren Opfer nicht behauptet worden.

Vorsorgliche Polizeieskorte stellte keine Verfolgung fest

Gleichwohl sei nach Darstellung des Amtsgerichtes Tecklenburg nicht auszuschließen gewesen, dass der Beschuldigte seine Ex-Lebensgefährtin verfolgen könnte, um deren Aufenthaltsort zu erfahren. Die 30-jährige sei deswegen in Begleitung eines Polizeifahrzeugs zur Autobahn gebracht worden, ohne dass eine Verfolgung durch den 38-Jährigen festgestellt worden sei.. Auf der Autobahn sei das spätere Opfer dann noch über eine gewisse Strecke durch die Polizei abgesetzt begleitet worden. An der Landesgrenze sei der Polizeieinsatz beendet worden.


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