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Vom Amtsgericht Tecklenburg Vor ihrer Tötung in Salzgitter: Polizei geleitete 30-Jährige bis auf Autobahn

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Polizei und Ermittler sichern Spuren am Tatort in Salzgitter. Foto: Dominique Leppin/dpaPolizei und Ermittler sichern Spuren am Tatort in Salzgitter. Foto: Dominique Leppin/dpa

Tecklenburg/Westerkappeln/Salzgitter. Das Amtsgericht Braunschweig hat am Mittwoch auf Antrag der Staatsanwaltschaft Haftbefehl wegen dringenden Mordverdachts und gefährlicher Körperverletzung gegen den 38-Jährigen aus Westerkappeln erlassen, der am Montag seine Ex-Partnerin mit einem Kopfschuss getötet haben soll. Immer neue Details kommen derweil ans Licht.

Am Mittwoch wurde der mutmaßliche Todesschütze einem Haftrichter vorgeführt. Dieser schickte den 38-Jährigen in Untersuchungshaft, bestätigte Hans Christian Wolters von der Staatsanwaltschaft Braunschweig auf Anfrage unserer Redaktion. Der Verdächtige schweigt bislang zu den Vorwürfen.

Ex-Partnerin mit Kopfschuss getötet

Am Montag soll der Verdächtige seine 30-jährige Ex-Partnerin mit einem gezielten Kopfschuss vor den Augen der gemeinsamen Kinder in Salzgitter getötet haben. Die Schwester des Opfers wurde angeschossen und schwebte zwischenzeitlich in Lebensgefahr. Der mutmaßliche Täter wohnt in Westerkappeln. Am Dienstagmittag nahm ihn dort eine Spezialeinheit fest.

Beamte nehmen einen Mann in Westerkappeln fest. Er steht unter Verdacht, am Montagabend in Salzgitter auf offener Straße eine 30 Jahre alte Frau erschossen und eine zweite Frau verletzt zu haben. Foto: Frank Klausmeyer

Hintergrund war offenbar ein Sorgerechtsstreits. Nur Stunden vor der Tat untersagte das Tecklenburger Familiengericht dem Verdächtigen offenbar das Umgangsrecht für die vier gemeinsamen Kindern im Alter von zwei bis sechs Jahren. 

Mann drohte vor nach Verhandlung

Nach der Gerichtsverhandlung soll der Mann seiner Ex-Lebensgefährtin in albanischer Sprache – beide stammen aus dem Kosovo – gedroht haben, berichtet Wolters. „Der genaue Wortlaut ist aber bislang noch nicht gesichert. Dazu müssen erst noch weitere Zeugen vernommen werden, die an der Verhandlung teilgenommen haben.” 

Ob die Frau die Drohung zur Anzeige gebracht hatte, ist unklar. Die Frage blieb bei der Staatsanwalt und Polizei unbeantwortet. 

Frau hatte Polizeigeleit

Die Staatsanwaltschaft trat am Mittwoch Gerüchten entgegen, wonach der 38-Jährige die Adresse seiner Ex-Partnerin erst in der Gerichtsverhandlung in Tecklenburg erfahren habe. Der Familienrichter habe die Adresse der Frau nicht bekanntgegeben. „Vielmehr habe der Richter aus Gründen des Opferschutzes vorsorglich die Polizei Steinfurt darum gebeten, die 30-jährige Frau vor einer Verfolgung durch den Beschuldigten zu schützen”, teilte die Staatsanwaltschaft mit. Eine konkrete Bedrohungssituation sei zwar nicht ersichtlich gewesen; dennoch begleitete die Polizei die Frau auf die Autobahn bis zur Landesgrenze nach Niedersachsen. Der 38-Jährige sei nicht gesehen worden, „so dass davon ausgegangen worden sei, dass dieser das Opfer nicht verfolgt”, so die Staatsanwaltschaft. Der Mann sei nicht mit dem Mietwagen in Tecklenburg gewesen, in dem die Spezialeinheit am Dienstag in Westerkappeln die mutmaßliche Tatwaffe gefunden hatte, sagte Wolters.

Verdächtiger kannte Adresse der Eltern

Die 38-Jährige hatte seine Ex-Partnerin vor der Wohnung ihrer Eltern in Salzgitter-Lebenstedt getötet. Da er lange zur Familie gehört habe, sei ihm die Adresse bekannt gewesen, sagte Wolters auf Nachfrage unserer Redaktion. Ob er seiner Ex-Partnerin nach der Verhandlung in Tecklenburg unerkannt folgte, die Adresse ihrer Eltern gezielt anfuhr oder schlichtweg alle bekannten Adressen abfuhr, ist dem Staatsanwalt zufolge noch unklar. Der Polizei sei wohl kein Vorwurf zu machen: Schließlich habe keine akute Bedrohungslage vorgelegen, und der Verdächtige sei nicht auf der Autobahn zu sehen gewesen.

Familienangehörige berichteten NDR 1, der mutmaßliche Täter habe seine Frau und Kinder wiederholt misshandelt. Die 30-Jährige habe Zuflucht in einem Frauenhaus gesucht und sei später zu ihrer Familie nach Salzgitter gezogen. Die Frau soll zuvor in Osnabrück gelebt haben – das konnte Staatsanwalt Wolters bislang nicht bestätigen.

Keine handelsübliche Schusswaffe

In Westerkappeln hatte die Spezialeinheit im Mietwagen des Verdächtigen ein Waffe sichergestellt. Bei ihr handelt es sich Wolters zufolge vermutlich um die Tatwaffe. War sie registriert und rechtmäßig in seinem Besitz? „Die Untersuchungen [...] dauern noch an. Auf den ersten Blick scheint es sich jedenfalls nicht um eine handelsübliche Schusswaffe zu handeln”, so Wolters.

Verdächtiger in Kontakt mit Terrormiliz?

Gerüchte, der Verdächtige stehe in Kontakt mit der Terrormiliz Islamischer Staat (IS), kann Wolters bislang nicht bestätigen. „Dazu kann ich noch keine Angaben machen, weil die Ermittlungen insoweit noch am Anfang stehen”, sagte Wolters. 

Die Schwester ist nach einer Operation weiterhin im Krankenhaus. „Sie ist auf dem Weg der Besserung”, versicherte Wolters. Die Kinder, die die Tat mit ansehen mussten, werden betreut.

Bruder im Interview

Auf verschiedenen Seiten im Internet ist ein Videointerview mit dem Bruder des Opfers zu sehen, der die Tat detailliert schildert. Diese Aussagen seien mit Vorsicht zu genießen, so Wolters. „Der Bruder war nicht vor Ort, bei keinem Ereignis” – also weder in Salzgitter noch in Tecklenburg.


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