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„Er hat jeden Tag geheult“ Nach tödlichen Schüssen: Festnahme in Westerkappeln

Von Frank Klausmeyer


Westerkappeln. Um 13.19 Uhr war es am Dienstag mit der Ruhe an der Friedensstraße vorbei. Vor dem Autohaus Klaas stoppt ein roter Van. Schwer bewaffnete Spezialkräfte der Polizei springen aus dem Wagen und stürmen ins Haus Nummer 1.

Aus einiger Entfernung sind zwei Knallgeräusche zu hören. Dann ist der Einsatz eigentlich auch schon beendet und der 38-jährige Westerkappelner festgenommen. Anton B., ein vierfacher Familienvater, soll seine 30-jährige frühere Lebensgefährtin am Abend zuvor in Salzgitter auf offener Straße mit einem gezielten Kopfschuss getötet haben. Hintergrund ist offenbar ein Streit ums Sorgerecht für die vier Kinder.

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Todesschüsse in Salzgitter

Die Bluttat ereignete sich am Montag kurz nach 19 Uhr am Jägerweg in Salzgitter. Anton B. soll mit einem weißen VW Golf, den er angemietet hatte, in die kleine Straße der knapp 100000 Einwohner zählenden niedersächsischen Stadt gefahren sein. Nach Polizeiangaben stieg er aus, ging auf seine Ex-Partnerin sowie deren 32-jährige Schwester zu und feuerte mindestens zwei Schüsse ab. Die 30-Jährige starb noch am Tatort, die Schwester wurde in ein Krankenhaus gebracht. „Sie ist jetzt außer Lebensgefahr“, sagte ein Polizeisprecher.

Danach habe der Täter sich wieder ins Auto gesetzt und sei geflüchtet. Schnell stand der 38-Jährige in dringendem Tatverdacht. Seine Wohnanschrift in Westerkappeln war problemlos zu ermitteln. Vor der Festnahme wurde das Mehrfamilienhaus an der Friedensstraße deshalb observiert.

Ohne Widerstand festgenommen

Gegen 13.15 Uhr fährt Anton B. am Dienstag mit dem weißen Golf auf den rückwärtigen Parkplatz des Hauses. Noch bevor er die Tür seiner Dachgeschosswohnung öffnet, wird er von den Polizeibeamten einer Spezialeinheit aus Münster überwältigt. Der Mann leistet bei seiner Festnahme keinen Widerstand.


Bei der Durchsuchung des Wagens fanden die Beamten die vermutliche Tatwaffe und beschlagnahmen sie, bestätigt das Polizeipräsidium Münster.

Zeitgleich zum Zugriff hätten Spezialkräfte auch vor einer anderen Wohnung an der Friedensstraße gestanden. Weil dort niemand geöffnet habe, wurde die Tür gewaltsam geöffnet. Offenbar rührten daher auch die beiden Detonationen. Es handelt sich um die Wohnung der Mutter des Tatverdächtigen. Dort habe es aber keine Erkenntnisse gegeben, die im Tatzusammenhang mit dem Beschuldigten stehen, sagte eine Polizeisprecherin.

Zur falschen Zeit am falschen Ort

Einen ordentlichen Schreck werden zwei junge Männer aus Westerkappeln und Lotte bekommen haben. Während des Einsatzes bog der Lotter in die Friedensstraße ein, um seinen Arbeitskollegen vor dessen Wohnung springen zu lassen. Mit vorgehaltenen Waffen wurden die beiden von der Polizei aus dem Fahrzeug gezerrt und mussten minutenlang mit ausgestreckten Händen auf dem Autodach verharren. Der Fahrer aus Lotte wurde anschließend mit zur Wache nach Ibbenbüren genommen, weil er sich nicht ausweisen konnte. Nach Überprüfung der Personalien durfte er aber wieder gehen. Die beiden Männer stünden in keinerlei Verbindung zu dem Tatverdächtigen, sagte die Polizeisprecherin.

Sorgerechtsstreit vor dem Amtsgericht Tecklenburg

Hintergrund des Familiendramas soll ein Streit ums Sorgerecht gewesen sein. Die 30-Jährige hatte ihren Ex-Partner – verheiratet war das Paar nach deutschem Recht nicht – Ende vergangenen Jahres mit den gemeinsamen vier kleinen Kindern (2 bis 6 Jahre alt) verlassen. Am Montag gab es einen gemeinsamen Termin vor dem Amtsgericht Tecklenburg, wo Anton B. offenbar das Umgangsrecht versagt wurde. Daraufhin soll er der 30-Jährigen nach Medieninformationen gedroht haben, sie umzubringen.

Ein gewalttätiger „netter Kerl“?

Wie das regionale Internetportal „news38.de“ berichtet, hat der aus dem Kosovo stammende Schütze, der schon seit seiner Schulzeit in Westerkappeln lebt, erst bei dieser Verhandlung die aktuelle Adresse der Frau erfahren, die vor ihm zunächst ins Frauenhaus nach Wolfenbüttel geflüchtet und später zu Angehörigen nach Salzgitter gezogen sein soll. Weil der 38-Jährige als gewalttätig gegolten habe, sei die Frau in Polizeibegleitung vor Gericht erschienen – und von Beamten auch wieder zurück eskortiert worden, meldet „news38.de“. Die Direktorin des Amtsgerichtes wollte zu den Geschehnissen keine Stellung nehmen.

„Er hat jeden Tag geheult“, erzählt ein guter Bekannter des mutmaßlichen Todesschützen zu dessen Gemütslage, nachdem ihn seine Frau verlassen hatte. Ansonsten sei er aber ein „netter Kerl“ gewesen. Auch Nachbarn des 38-Jährigen berichten, dass der Familienstreit ihn sehr belastet habe. Dass er deshalb seine Frau umgebracht hat, macht aber alle fassungslos.


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