Judith Hüster geht nach Rumänien Westerkappelnerin findet Traumjob in Transsilvanien

Von Katja Niemeyer



Westerkappeln. Wenn es so etwas wie den perfekten Job gibt, dann dürfte Judith Hüster ihn für sich gefunden haben: Die Westerkappelnerin geht in Kürze als Entwicklungshelferin nach Rumänien, in die Region Transsilvanien.

Dorthin, wo der blutrünstige Graf Dracula, der Legende nach, sein Unwesen getrieben haben soll. Wo die Armut heute besonders groß ist. Und wo sich vor 900 Jahren die sogenannten Siebenbürgener Sachsen ansiedelten. In diesem „Land hinter den Wäldern“, wie Transsilvanien bezeichnet wird, leitet Judith Hüster die Errichtung eines Lehrbauernhofes. „Mein Traumjob“, sagt die 36-Jährige. Ihr Arbeitgeber ist eine österreichische Hilfsorganisation.

Armut und Trostlosigkeit

Ein Traumjob, der sie, so viel ist sicher, voll und ganz fordern wird. „Die Armut ist unvorstellbar groß“, erzählt die Westerkappelnerin, die bereits seit Anfang des Jahres einmal im Monat für jeweils einige Tage vor Ort war. Judith Hüster berichtet von Kindern, die nicht zur Schule gehen. Von äußerst schlechten hygienischen Bedingungen. Von einer hohen Arbeitslosigkeit und von einer Trostlosigkeit in einigen Dörfern rund um Hermannstadt. In der Kreisstadt würde die Wirtschaft zwar brummen. Allerdings fehlten den Unternehmen oftmals geeignete Arbeitskräfte, weil diese ihre Heimat in der Hoffnung auf ein besseres Leben in Richtung Westen verlassen haben. Bei ihren Aufenthalten habe sie Ortschaften besucht, in denen ausschließlich Roma lebten. Judith Hüster nennt sie Zigeuner, „weil diese Bezeichnung – anders als hier – für die Menschen keinesfalls ein Schimpfwort ist“.

Projekt Lehrbauernhof

Die Hilfsorganisation „Elijah“, für die Judith Hüster künftig tätig ist, will nach eigenen Angaben diese Roma-Familien bei ihrer Ausbildung unterstützen. In verschiedenen Dörfern wurden in den vergangenen Jahren unter anderem sogenannte Sozialzentren errichtet, in denen Kinder nach der Schule ein Mittagessen und Hausaufgabenbetreuung bekommen. Entstanden sind auch eine Haushaltsschule, eine Weberei, eine Bäckerei, eine Gärtnerei und eine Tischlerei. Für den Lehrbauernhof, dessen Planung in den Händen der Westerkappelnerin liegt, habe die Organisation bis jetzt rund 15 Hektar erworben. Auf der Fläche, so berichtet Judith Hüster, soll zunächst ein Stall gebaut werden. An dem Entwurf für das Gebäude hat sie bereits während ihrer Aufenthalte zusammen mit einem Architekten gearbeitet. Auch einen Mitarbeiter habe sie eingestellt. Weitere sollen folgen. „Wir haben dabei besonders junge Menschen, aber zum Teil auch solche mit einer Behinderung im Blick“, erklärt die 36-Jährige.

Selbstversorgungsgrad steigern

Der Viehbestand auf „ihrem“ Hof ist fürs Erste überschaubar: fünf Kühe, fünf Ziegen, vier Sauen, zwei Pferde und ein paar Hühner. „Auf dem Hof sollen die Roma, die ja eigentlich ein fahrendes Volk sind, alles Wichtige über Viehhaltung und Ackerbau lernen. Ziel ist es, so den Selbstversorgungsgrad zu erhöhen“, erläutert Judith Hüster, die an der Hochschule Osnabrück Agrarwissenschaften studiert hat und die zuletzt für eine Saatgut-Firma im Außendienst tätig war.

Landwirtschaft und Sozialarbeit

Auf die Arbeit in den Südkarpaten freut sich die junge Frau aus vielerlei Gründen. Klar – der Aufbau eines, wenn auch kleinen landwirtschaftlichen Betriebes ist an sich schon eine reizvolle Aufgabe. Darüber hinaus ist sie aber auch glücklich darüber, wie sie sagt, quasi zu ihren Wurzeln zurückzukehren: „Meine Großmutter stammt aus der Region. Sie gehörte einer in Rumänien lebenden deutschen Minderheit an, ist aber 1978 nach Deutschland ausgesiedelt worden.“ Und noch etwas hat sie davon überzeugt, die Stelle anzunehmen. „Ich hatte schon immer die Idee, landwirtschaftliche Arbeit mit sozialer Arbeit zu verbinden“, sagt die Westerkappelnerin, die nach ihrem Abitur zunächst ein soziales Jahr in Lima absolvierte. In der peruanischen Hauptstadt betreute sie Straßenkinder. Und schließlich ist es wohl auch ein wenig ihre Liebe zur Musik gewesen – Judith Hüster ist passionierte Geigenspielerin –, die sie zu dem Schritt bewogen hat. So unterhält die Hilfsorganisation vor Ort eine Musikschule für Kinder. „Zigeuner haben traditionell eine besondere Beziehung zu Musik. Hierüber, so hoffen wir, können wir die Kinder besser erreichen.“


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