Platz für neue Gewerbegebiete Westerkappeln muss Flächen streichen

Von Frank Klausmeyer

Das Gewerbegebiet Gartenkamp ist so gut wie ausverkauft. Im Industriegebiet Velpe gibt es nicht einmal mehr einen freien Quadratmeter anzubieten. Trotzdem kann die Gemeinde zurzeit keine neuen Gewerbeflächen ausweisen.Foto: Frank KlausmeyerDas Gewerbegebiet Gartenkamp ist so gut wie ausverkauft. Im Industriegebiet Velpe gibt es nicht einmal mehr einen freien Quadratmeter anzubieten. Trotzdem kann die Gemeinde zurzeit keine neuen Gewerbeflächen ausweisen.Foto: Frank Klausmeyer

Westerkappeln. Die Gemeinde will eine Potenzialanalyse zur Entwicklung weiterer Gewerbeflächen in Auftrag geben. Dabei gibt es in Westerkappeln noch reichlich Reserven. Das jedenfalls glauben die Fachleute bei der Bezirksregierung in Münster.

Wie das zusammenpasst, hat Bauamtsleiter Patrick Lenz in der jüngsten Sitzung des Bauausschusses erläutert.

Tatsächlich kann die Gemeinde ansiedlungs- oder erweiterungswilligen Firmen weder im Industriegebiet noch im Gewerbegebiet Gartenkamp nennenswerte Flächen anbieten. Zwei größere Unternehmen im Gartenkamp sind deshalb zuletzt abgewandert beziehungsweise stehen vor einem solchen Schritt. (Weiterlesen: Firma Schemberg kehrt Westerkappeln den Rücken)

Flächen nicht zu vermarkten

Die Bezirksregierung habe Rechenmodelle, wonach die Gemeinde noch über 52 Hektar Gewerbeflächen verfüge, berichtete Lenz. Problem: Entweder seien die Grundstücke so kleinteilig, dass sie gar nicht vermarktet werden könnten oder sie seien gar nicht im Besitz der Kommune.

Unter dem Diktat der Bezirksregierung

Weil aber die Behörde in Münster Hundertausende Quadratmeter Gewerbeflächen „in den Büchern“ hat, kann die Gemeinde keine neuen ausweisen. Um diesen Konflikt aufzulösen, soll nun der Flächennutzungsplan 2020 geändert werden und dieser an die Ziele und Grundsätze des Regionalplans Münsterland angepasst werden. Im Kern geht es darum, Gewerbe-, aber auch Wohnflächen, die für eine Entwicklung gar nicht mehr in Frage kommen, zu reduzieren. Insbesondere betreffe es die Grundstücke, die nicht im Besitz der Gemeinde seien, sagte Lenz. Erst wenn das erledigt ist, mache es Sinn, neue Siedlungs- und Gewerbeflächen zu akquirieren.

Jürgen Schulte (Bürgergemeinschaft) bezeichnete das Verfahren als „Farce“. Die Gemeinde müsse sich dem Diktat der Bezirksregierung beugen. Lenz bestätigte das. Die Behörde schaue bei der Raumordnung nicht durch die Brille der Kommunen.

Aussitzen oder kämpfen?

Rainer Echterhoff (CDU) gab zu bedenken, dass die seit vergangenem Jahr regierende, schwarz-gelbe NRW-Landesregierung kleineren Kommunen doch die Ausweisung neuer Flächen wieder erleichtern wolle. „Können wir das nicht besser aussitzen?“ Darüber nachgedacht habe er auch schon, meinte Lenz. Am Ende wisse er aber nicht, ob das dann wirklich auch so ausgeht. „Wenn wir den Flächennutzungsplan ändern, sind wir vielleicht auch stärker für Verhandlungen mit der Bezirksregierung“, lautet die Hoffnung des Bauamtsleiters. Für solche Gespräche stimmte Lenz die Politiker schon einmal auf „Abnutzungskämpfe“ ein.

Um dann die besseren Argumente in der Hand zu haben, soll nun eine Potenzialanalyse zur Entwicklung neuer Gewerbegebiete die Grundlagen liefern. 60000 Euro stehen im Haushalt für das Gutachten bereit.

Kohlekonversion als Chance

Michael Puke (SPD) stellte in diesem Zusammenhang die Frage, welche Chancen die sogenannte Kohlekonversion zur Entwicklung neuer Flächen mit sich bringe. Die Kohlegemeinden – Hörstel, Hopsten, Ibbenbüren, Mettingen, Recke und Westerkappeln – hätten 75 Hektar zusätzlich beantragt, erläuterte Bürgermeisterin Annette Große-Heitmeyer. Es sei aber noch völlig unklar, ob und welche Flächen den beteiligten Kommunen zugestanden werden. Obwohl der Steinkohlebergbau dieses Jahr endet, stehe noch nicht einmal fest, was mit dem Zechengelände in Ibbenbüren und dem Nordschacht in Mettingen geschehe, gab die Verwaltungschefin weiter zu bedenken. Dazu gebe es immerhin schon eine Potenzialanalyse. (Weiterlesen: Gemeinde hofft auf Gewerbeflächen – Ende der Steinkohleförderung kann Westerkappeln nutzen)

Jürgen Schulte übte sich in Galgenhumor. Die Gemeinde habe ja zwei Hektar Gewerbefläche vom Airportpark am Flughafen Münster-Osnabrück zugerechnet bekommen. „Das ist mehr, als wir jetzt in Westerkappeln haben.“