Jan Hofmann arbeitet für Wabe e.V. Neuer Betreuer für Flüchtlinge in Westerkappeln

Von Frank Klausmeyer

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Jan Hofmann arbeitet seit vergangene Woche in der Flüchtlingsbetreuung in Westerkappeln. Dass Begegnungscafé im VHS-Haus an der Kreuzstraße ist gleichzeitig sein Büro. Foto: Frank KlausmeyerJan Hofmann arbeitet seit vergangene Woche in der Flüchtlingsbetreuung in Westerkappeln. Dass Begegnungscafé im VHS-Haus an der Kreuzstraße ist gleichzeitig sein Büro. Foto: Frank Klausmeyer

Westerkappeln. Soziale Arbeit – das ist sein Ding. Um das für sich herauszufinden, musste Jan Hofmann vielleicht Umwege machen, aber umso mehr geht er nun darin auf. Seit vergangener Woche betreut der 36-jährige Osnabrücker die Flüchtlinge in Westerkappeln.

Hofmann ist erster Ansprechpartner für deren Alltagssorgen oder hilft ihnen bei Behördengängen und diversem Papierkram.

Wabe-Verein als Arbeitgeber

„Wir sind sehr froh, dass wir Herrn Hofmann haben. Ehrenamtlich können wir das nicht alles leisten“, betont Frauke Helmich, stellvertretende Vorsitzende des Flüchtlingshilfevereins Wabe Westerkappeln. Der Verein ist Hofmanns Arbeitgeber und hat mit der sozialen Betreuung der Flüchtlinge eine Aufgabe übernommen, die eigentlich Sache der Kommune wäre. Die Gemeinde hatte zwei Jahre lang dafür eine Mitarbeiterin beschäftigt. Die Vollzeitstelle war bis Ende 2017 befristet und wurde nicht wiederbesetzt. Gleichwohl erhält die Gemeinde Zuschüsse für die Arbeit, die sie nun an den Wabe e.V. weiterreicht.

Vom Soziologen zum Pädagogen

Der Verein hatte die Stelle per Aushang an der Uni Osnabrück und auf deren Homepage „ausgeschrieben“. „Es gab mehrere Bewerbungen“, berichtet Helmich. Dass letztlich Jan Hofmann eingestellt worden ist, hängt wohl auch mit dessen Berufserfahrung zusammen. Der Osnabrücker hatte nach seinem Abitur am Mettinger Comenius-Kolleg zunächst Soziologie und Politikwissenschaft studiert, allerdings wenig Spaß daran gefunden, sodass er auf Pädagogik umsattelte. Auf den Geschmack kam er in Dissen in einer Einrichtung für die Verselbstständigung von Jugendlichen und Heranwachsenden aus schwierigen sozialen Verhältnissen. Dort arbeitete er zunächst als Nachtwache. „Da habe ich gemerkt, dass es das Berufsfeld ist, was ich machen wollte.“ Nach einigen Jahren dort war er die vergangenen zwei Jahre als Betreuer in einer Wohngruppe für unbegleitete, minderjährige Flüchtlinge beschäftigt.

Mit dieser Klientel hat er auch jetzt zu tun, vorwiegend ist er jedoch Ansprechpartner für erwachsene Flüchtlinge und Asylbewerber. Dass Begegnungscafé im VHS-Haus an der Kreuzstraße ist gleichzeitig Hofmanns Büro. Noch ist alles ein wenig provisorisch, in Kürze bekommt der 36-Jähriger aber einen vernünftigen Arbeitsplatz mit richtigem Schreibtisch.

Aufgabe mit Zukunftsaussicht

Seine Stelle umfasst 16 Wochenstunden und ist bis zum Jahresende befristet. „Wir möchten zunächst beobachten, wie sich die Flüchtlingszahlen und der Betreuungsbedarf entwickelt“, sagt Frauke Helmich. „Ich glaube aber nicht, dass wir mit 16 Stunden hinkommen. Und ich denke, dass es über das Jahresende hinaus Betreuungsbedarf gibt“, meint die stellvertretende Wabe-Vorsitzende.

Hofmann hat montags und freitags jeweils von 10 bis 14 Uhr feste Präsenzzeiten im VHS-Haus. Darüber hinaus begleitet er beispielsweise Flüchtlinge bei Terminen oder besucht sie in den Gemeinschaftsunterkünften. Auch Menschen, deren Asylantrag bereits bewilligt wurde, würden bei Bedarf weiter unterstützt, betont Helmich.

Der Wabe e.V. unterstütze die Geflüchteten insbesondere dabei, sich im Alltag zurechtzufinden. Die Möglichkeiten seien jedoch begrenzt, zumal heute weniger Ehrenamtliche kämen als 2015 und 2016. Dennoch ist Hofmann überrascht über die „unglaublich vielen engagierte Menschen hier in Westerkappeln.“

Herausforderung Integration

Die erfolgreiche Integration der Flüchtlinge werde vor allem durch zwei Faktoren erschwert, sagt Hofmann: sprachliche Barrieren und kulturelle Differenzen. Dies behindere auch die berufliche Integration, ergänzt Helmich. Viele der Flüchtlinge stammten aus Syrien, dem Irak oder aus Afghanistan. „Unsere Vorstellungen von Ordnung, Pünktlichkeit und so weiter kann man nicht eins zu eins übertragen. Wir brauchen Arbeitgeber, die Verständnis dafür haben.“

Andererseits müssten Flüchtlinge die Willenskraft zur Integration mitbringen. „Es gibt auch Leute, die wollen eigentlich gar nicht hier sein. Die sind einfach vor dem Krieg in ihrer Heimat geflüchtet“, geben Frauke Helmich und Jan Hofmann zu bedenken.

Ein großes Thema für den Wabe e.V. und seinen ersten hauptamtlichen Mitarbeiter ist die Wohnungssuche. „Wir würden uns wünschen, dass Vermieter zumindest prüfen, ob das eine Möglichkeit für sie ist“, betont Helmich.

Eines steht fest: Die Integration der Geflüchteten wird nicht bis zum Jahresende gelingen, dann wenn Hofmanns Vertrag ausläuft, sollte der nicht verlängert werden. „Das wird sicher eine Generation brauchen“, ist Frauke Helmich überzeugt.


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