Erste Hürden gut überwunden Europäische Freiwillige in Westerkappeln ziehen Bilanz

Von Araann J. Christoph

Daniele Innocenti (rechts) und Gellert Bönöczk (hinten, rechts) sind seit September in Deutschland und engagieren sich als europäische Freiwillige. Mittlerweile haben sie sich gut eingelebt. Foto: Araann J. ChristophDaniele Innocenti (rechts) und Gellert Bönöczk (hinten, rechts) sind seit September in Deutschland und engagieren sich als europäische Freiwillige. Mittlerweile haben sie sich gut eingelebt. Foto: Araann J. Christoph

Westerkappeln. Ein Auslandsjahr nach dem Schulabschluss, zwölf Monate auf sich gestellt in einem fremden Land – diese Erfahrung machen mittlerweile recht viele junge Menschen. Manche werden Au-pair, andere engagieren sich in sozialen Einrichtungen oder im Naturschutz. Solche Einsätze machen europäische Jugendliche auch in Westerkappeln.

So sind Gellert Bönöczk (21) aus Ungarn und Daniele Innocenti (20) aus Italien seit September in Westerkappeln. Sie absolvieren ihren Europäischen Freiwilligendienst im „Haus der Westerkappelner Elterninitiative für Spielen und Erleben (Wespe)“ und in der Gesamtschule. Nun, gut ein halbes Jahr nach ihrer Ankunft, ziehen sie Bilanz.

„Am Anfang, als ich angekommen bin, hatte ich einen Kalender. Jeden Tag habe ich die Tage gezählt, die noch vergehen müssen, bis ich wieder nach Ungarn fahren kann. Jetzt ist das nicht mehr. Jetzt bin ich froh, dass ich hier bin“, erzählt Gellert Bönöczk.

„Am Anfang war es schwer“

Daniele Innocenti pflichtet ihm bei. Am Anfang sei die Situation schwierig gewesen, von der Sprache bis zum Leben in der Wohngemeinschaft. Aber mittlerweile haben sich beide eingelebt und fühlen sich in Deutschland wohl.

Auch die Arbeit mit den Kindern macht den beiden jungen Männern Spaß. Sie helfen etwa bei den Hausaufgaben, machen auf dem Pausenhof Aufsicht und spielen mit den Kindern. Wenngleich beide bereits in der Schule Deutsch gelernt hatten, gab es anfangs einige Schwierigkeiten bei der Verständigung.

„Am Anfang war es für mich schwieriger, weil mein Deutsch vor allem aus Wirtschaftsvokabeln bestand“, erzählt Daniele Innocenti. Allerdings seien die Kinder sehr geduldig mit den Europäischen Freiwilligen, sodass die Kommunikation mittlerweile gut funktioniert.

„Eine WG ist eine neue Erfahrung“

Aber nicht nur die Sprache war eine Hürde, die es zu überwinden galt. Auch das Wohnen in einer Wohngemeinschaft mit Gleichaltrigen ist eine neue Erfahrung für die beiden jungen Männern. Gellert Bönöczk erzählt, dass er sich sicher gewesen war, dass die Sprache gar nicht das größte Problem darstellen würde, sondern vielmehr der Haushalt.

„Bevor ich hier angekommen bin, wusste ich gar nicht, wie eine Waschmaschine funktioniert oder worauf ich aufpassen muss, wenn ich einkaufen gehe“, erzählt er. Aber auch das sei nun keine Schwierigkeit mehr.

Bei Seminaren, an denen Europäische Freiwillige in Städten überall in Deutschland teilnehmen, kommen sie auch in Kontakt mit Leuten, die in der gleichen Situation sind wie sie selbst. Diese Treffen hätten beiden geholfen, selbst in schwierigen Phasen ihres Aufenthalts neue Motivation zu schöpfen.

Sehr oft aus osteuropäischen Ländern

Das „Haus der Wespe“ begrüßt jedes Schuljahr ein bis zwei Europäische Freiwillige. Die Mitarbeiter hatten schon junge Erwachsene aus zahlreichen westeuropäischen Ländern wie Frankreich, Italien und Spanien zu Gast gehabt, erzählt Elke Schröer. „Sehr oft kommen auch junge Menschen aus osteuropäische Ländern zu uns, von Weißrussland über die Ukraine und Lettland bis hin zu Ungarn und Polen.“

Und ob sie die Europäischen Freiwilligen je wiedergesehen hat? „In der Tat“, sagt Schröer. „Ich hab mit vielen noch Kontakt über E-Mail oder WhatsApp.“ Einige von ihnen wären sogar in Deutschland geblieben. „Die besuchen uns dann noch oder wir haben privat Kontakt. Manche sind häuslich geworden, haben geheiratet und Kinder bekommen. Also das haben wir öfter, einige studieren in Berlin, einige kommen wieder, ein Franzose lebt in Osnabrück, mit dem treffe ich mich auch regelmäßig. Man kann nicht zu allen Kontakt halten, aber viele Verbindungen versucht man zu halten“, erzählt Schöer.“

„Etwas mit Wirtschaft in Deutschland oder in Österreich“

Auch Gellert Bönöczk und Daniele Innocenti überlegen, nach dem Ende ihres Freiwilligen Jahres in Deutschland zu bleiben. „Es gefällt mir hier sehr gut und ich bin traurig, dass ich im September wieder zurück muss“, sagt Gellert Bönöczk. Er überlegt, in Deutschland oder in Österreich entweder etwas mit Wirtschaft oder mit Sprachen zu studieren. „Ich mag es hier in Deutschland, es ist sehr schön. Ich will Mathematik oder Wirtschaft studieren“, sagt Daniele Innocenti.