Beklemmende Bilder vor Gericht Westerkappelner wegen fahrlässiger Tötung vor Gericht

Von Frank Klausmeyer

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Die beiden wegen fahrlässiger Tötung angeklagten Brüder aus Westerkappeln wurden in Handschellen zur Verhandlung vorgeführt. Sie sitzen in Untersuchungshaft, weil sie auch beschuldigt werden, Anfang Februar die Brandstiftung im Orientladen an der Kreuzstraße in Auftrag gegeben zu haben. Foto: Frank KlausmeyerDie beiden wegen fahrlässiger Tötung angeklagten Brüder aus Westerkappeln wurden in Handschellen zur Verhandlung vorgeführt. Sie sitzen in Untersuchungshaft, weil sie auch beschuldigt werden, Anfang Februar die Brandstiftung im Orientladen an der Kreuzstraße in Auftrag gegeben zu haben. Foto: Frank Klausmeyer

Westerkappeln/Ibbenbüren. Es sind beklemmende Bilder, die da über einen Beamer an die weiße Wand im Saal 14 des Amtsgerichtes Ibbenbüren geworfen werden. Das Rohmaterial zeigt nur schemenhaft, was am Abend des 11. März hinter einer Tankstelle in Ibbenbüren passiert ist.

In der technisch überarbeiteten Fassung der Aufzeichnung einer Videokamera wird dann das ganze tragische Geschehen deutlich sichtbar. Am Ende liegt ein Mensch tot auf den Pflastersteinen. Der 73-Jährige ist das unschuldige Opfer einer brutalen Schlägerei geworden, die er nur schlichten wollte. Für seinen schrecklichen Tod macht die Staatsanwaltschaft zwei Brüder (25 und 26 Jahre) aus Westerkappeln verantwortlich. Die beiden Männer müssen sich seit Freitag wegen Nötigung, gemeinschaftlicher schwerer Körperverletzung und fahrlässiger Tötung vor dem Schöffengericht Ibbenbüren verantworten.

Weitere Anklage wegen versuchten Mordes

Die Brüder werden in Handschellen in den Gerichtssaal geführt. Mit dem Prozess jetzt hat das nichts zu tun. Sie sitzen in Untersuchungshaft, weil sie verdächtigt werden, Anfang Februar die Brandstiftung im Orientladen an der Kreuzstraße in Auftrag gegeben zu haben. Die Staatsanwaltschaft ermittelt deshalb wegen versuchten Mordes.

Streit um „verbotene Liebe“

Der jüngere der beiden Brüder räumt ein, die Prügelei mit einem heute 26-jährigen Auszubildenden aus Recke vom Zaun gebrochen zu haben. Beide waren fast zehn Jahre gut befreundet, bis es zu einem Streit um eine verbotene Liebe kam. Der Westerkappelner hatte sich 2016 nach eigenen Anhaben mit der damals 18-jährigen Schwägerin des Reckers getroffen. Dieser habe ihn bei der Familie der jungen Frau und bei Freunden „schlecht gemacht“. Der Schwiegervater habe die Verbindung unterbunden. Das Mädchen sei zur Heirat mit jemand anderen gezwungen worden. Der Westerkappelner spricht von Verrat.

Situation eskaliert

Am 11. März vergangenen Jahres kamen sich der Recker und der Ex-Kumpel aus Westerkappeln angeblich zufällig auf der Münsterstraße in Ibbenbüren mit den Autos entgegen. Der Recker fuhr auf den Waschplatz der Tankstelle, der Westerkappelner folgte ihm, um ihn nach eigenen Worten zur Rede zu stellen. Mit in seinem Auto saß der ein Jahr ältere Bruder. Auf der Videoaufzeichnung ist zu erkennen, wie der Recker den Innenraum seines Autos saugt. Der Westerkappelner kommt dazu. Beide reden augenscheinlich kurz miteinander, dann versetzt ihm der Westerkappelner plötzlich einen Fausthieb. „Ich war so sauer, dass ich zugeschlagen habe.“

Rentner versucht zu schlichten

Es entwickelt sich eine wüste Schlägerei, in deren Verlauf die Kontrahenten auch zu Boden gehen und sich irgendwann der ältere Westerkappelner einmischt. „Mir sind die Sicherungen durchgegangen“, sagt dieser vor Gericht.

Der 73-Jährige wartet zu diesem Zeitpunkt eigentlich nur auf sein Auto, das in der Waschanlage steht. Das Video zeigt, wie er auf die Streithähne zugeht, und zu schlichten versucht. „Ich habe ihn höflich aufgefordert, zu gehen – bestimmt siebenmal“, sagt der ältere Bruder. Doch der Rentner geht nicht. „Er hat gesagt, wir sollen vernünftig sein.“

73-Jähriger wird überrollt und stirbt

Das Gegenteil tritt ein: Die Brüder attackieren den Recker nun gemeinsam, auch durch die geöffnete Wagentür hindurch, als er sich in sein Auto geflüchtet hat. Irgendwie gelingt es dem 26-Jährigen, den Rückwärtsgang einzulegen. Beim Zurücksetzen reißt die Tür alle drei Männer zu Boden. Während die beiden Westerkappelner vom Auto weggeschleudert wurden, bleibt der 73-Jährige vor dem Wagen liegen. Der Recker konnte ihn nach Meinung eines Sachverständigen nicht sehen. Er gibt Gas, um vorwärtsfahrend zu entkommen und überrollt den Rentner. Für den Ibbenbürener kommt jede Hilfe zu spät, er stirbt noch an der Unglücksstelle.

Der Recker wurde kurz darauf im Tankstellenshop von der Polizei festgenommen. Die Staatsanwaltschaft hatte die Ermittlungen gegen ihn aber eingestellt, weil sie das Westerkappelner Brüderpaar für den tödlichen Ausgang des Streits verantwortlich macht.

Panische Angst

Der Recker stand bei seiner Zeugenaussage noch immer sichtlich betroffen unter dem Eindruck der Geschehnisse. Immer wieder hätten die Angeklagten auf ihn eingeschlagen und -getreten, ihn gewürgt und geschubst. „Ich wollte nur weg.“ Erst beim Blick in den Rückspiegel habe er gesehen, dass er den Mann überfahren hatte. „Man konnte sehen, dass er panische Angst hatte“, beschrieb der Kassierer der Tankstelle auf dem Zeugenstuhl seinen Eindruck von dem Recker.

Die beiden Angeklagten beteuerten, die Ereignisse zu bedauern. „Es war nicht meine Absicht, dass jemand stirbt“, sagte der jüngere der beiden Brüder.


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