Rückläufiger Hasenbestand Der Mümmelmann hat’s schwer in Westerkappeln

Von Katja Niemeyer und Paul Meyer zu Brickwedde

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Um die Zukunft von Meister Lampe ist es offenbar nicht gut bestellt. Der Bestand an Hasen hat sich in Westerkappeln in den vergangenen Jahrzehnten fast kontinuierlich verringert.  Foto: Nicolas Armer/dpaUm die Zukunft von Meister Lampe ist es offenbar nicht gut bestellt. Der Bestand an Hasen hat sich in Westerkappeln in den vergangenen Jahrzehnten fast kontinuierlich verringert. Foto: Nicolas Armer/dpa

WESTERKAPPELN. Um die Zukunft von Meister Lampe ist es offenbar nicht gut bestellt. Der Bestand an Hasen hat sich in Westerkappeln in den vergangenen Jahrzehnten fast kontinuierlich verringert.

Das weiß wohl niemand so genau wie der Velper Wolfgang Teepe. Der Hegeringleiter streift fast täglich durch „sein“ Revier. Im aktuellen Jagdjahr, das jetzt zu Ende geht, hätten er und seine Jagdfreunde insgesamt 20 Hasen geschossen, berichtet er. Vor 20 Jahren seien es noch fünfmal so viele Tiere gewesen. „Wir gehen eigentlich mehr spazieren, als dass wir jagen“, erzählt Teepe nüchtern.

Zurückhaltung selbst auferlegt

Die jägerische Zurückhaltung, versichert der Hegeringleiter, hätten er und seine Jagdkollegen sich selbst auferlegt. Der Grund: „Wir wollen den ohnehin geringen Bestand nicht noch mehr dezimieren.“ Die Ursachen dafür, dass die Langohren einen schweren Stand haben, sind vielfältig. Natürlich spielten die Entwicklungen in der Landwirtschaft eine wesentliche Rolle – Stichwort Vermaisung der Landschaft –, sagt Dr. Peter Schwartze, fachlicher Leiter der Biologischen Station des Kreises in Tecklenburg. Allerdings, betont er, wäre es auch viel zu einfach, den Schwarzen Peter nur den Bauern zuzuschieben.

Landwirtschaft verliert Flächen

Schwartze verweist beispielsweise auf die Versiegelung der Landschaft durch neue Gewerbe- und Baugebiete, die „ungebremst“ fortschreite. Dadurch und durch die damit verbundene Schaffung von Ausgleichsflächen verliere die Landwirtschaft Flächen. Auf dem Rest werde dann durch immer weitere Intensivierung versucht, die Erträge auf einem gleichbleibend hohen Niveau zu halten. Am Ende, fährt der Leiter der Biologischen Station fort, sei es auch der Konsument, der beispielsweise durch seinen Fleischverbrauch zu solchen Negativentwicklungen beitrage.

Lebensraum für Langohren geschrumpft

Laut Teepe fehlen den Hasen zum Glücklichsein vor allem Grünrandstreifen an Äckern und Wiesen und Deckungsmöglichkeiten wie Zaunpfähle. Den Mähtod und die Gefahren im Straßenverkehr führen er und Schwartze als weitere Ursachen für den Rückgang der Hasenpopulation an. „Gestern habe ich noch auf dem Heimweg zwei überfahrene Tiere am Straßenrand gesehen“, berichtet der Mann von der Biologischen Station.

Unterm Strich sei der Lebensraum für die Langohren außerdem geschrumpft. „Wo jetzt das Velper Gewerbegebiet ist, war früher unser Jagdrevier. Das war unsere Haupthasenecke“, berichtet der Westerkappelner Hegeringleiter. Flächen zum Fressen und zum Rückzug, Apothekenlandschaften mit Wildkräutern, wie Teepe sie bezeichnet, fehlen heutzutage schlichtweg.

Soll auch in Zukunft noch die Chance bestehen, den Hasen beim Osterspaziergang durch Feld und Flur zu beobachten, wird es nach Meinung von Schwartze vor allem auf eines ankommen: „Wir brauchen eine offene Agrarlandschaft, nicht eine Agrarsteppe.“


Laut Statistik des Deutschen Jagdverbandes ist der Bestand an Feldhasen in Nordrhein-Westfalen von 154854 im Jagdjahr 2006/07 auf 47055 (2016/17) gesunken. Das entspricht einem Rückgang um fast 70 Prozent innerhalb von zehn Jahren.

Laut einer aktuellen Pressemitteilung des Verbandes besiedeln im Durchschnitt elf Feldhasen pro Quadratkilometer Felder und Wiesen in Deutschland. Die meisten Langohren hätten Jäger im nordwestdeutschen Tiefland (17 pro Quadratkilometer) gezählt, insbesondere auch im Münsterland, in der Wesermarsch und am Niederrhein. Neben nasskalter Tage, die den Hasen zusetzen, stelle auch der Straßenverkehr für sie eine große Gefahr dar. Hasen benötigen zudem strukturreiche Flächen mit nahrhaften Wildkräutern und Gräsern sowie Rückzugsräume, teilt der Verband mit.

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