Ein Traum geht zu Ende Westerkappelner Café „Klein & Fein“ schließt Ende Juni

Von Frank Klausmeyer

Meine Nachrichten

Um das Thema Westerkappeln Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.


Westerkappeln. Petra Wesenberg hat nach eigenen Worten alles versucht. „Aber es trägt sich nicht.“ In gut drei Monaten zieht die 51-Jährige den Schlussstrich und schließt ihr kleines, aber feines Restaurant an der Kreuzstraße in Westerkappeln.

„Klein & Fein“ – unter diesem Namen war Petra Wesenberg im September 2015 mit einem für die Region ungewöhnlichen Gastronomiekonzept in die Selbstständigkeit gestartet. Vom „Romantik-Menü für 2“ – als Paar ganz alleine im Restaurant – über Weihnachtsfeiern, Firmenessen oder Familienfeiern reicht die Angebotspalette. Maximal 18 Gäste kann die Köchin aus Alt-Lotte bewirten. Vor allem das Event-Kochen, bei dem die Gäste nicht nur in die Töpfe schauen, sondern selbst mit am Herd stehen, läuft gut. Mittlerweile gingen 80 Prozent aller Buchungen in diese Richtung, erzählt Wesenberg. „Und die, die da waren, kommen auch immer wieder.“

Wirtschaftlich nicht tragfähig

Wirtschaftlich tragfähig sei dies aber alles nicht. „Ich bin mit meinen finanziellen Rücklagen am Ende“, seufzt die Unternehmerin, der die Geschäftsaufgabe zum 30. Juni hörbar schwer fällt. „Ich finde das Lokal noch immer wunderschön.“ Die Wintermonate liefen eigentlich gut. Im Sommer herrsche dagegen gähnende Leere in dem Lokal. „Es gab Monate, da hatte ich nicht eine Buchung.“ Geschuldet sei dies auch den fehlenden Sitzmöglichkeiten draußen.Petra Wesenberg brachte neue Ideen ein, etwa eine englische Teestunde mit selbst gebackenen Törtchen. „Da saß ich auch alleine da.“ Sie schaltete Anzeigen und startete Werbeaktionen, sogar in Osnabrück – doch alles ohne nachhaltige Wirkung.

Drei Jahre den Traum gelebt

Als persönliches Scheitern sieht die Köchin die Aufgabe nicht. Der Ort sei wohl zu klein für ihre Geschäftsidee. Das Risiko auf der Nachfrageseite hatte sie schon vor der Eröffnung gesehen. „Ich habe hier drei Jahre meinen Traum gelebt“, sagt Wesenberg.Über den 30. Juni hinaus will Petra Wesenberg aber noch als Mietköchin Gäste verwöhnen. „Rent a cook“ nennt sich das Konzept, bei dem sie beispielsweise bei Grillpartys oder Familienfeiern direkt bei den Kunden für gutes Essen sorgt. Vorher wird die 51-Jährige noch einige Male für und mit Gästen an der Kreuzstraße kochen, zumal noch diverse Geschenkgutscheine unterwegs sind. „Die Leute sollten die einlösen und schnell einen Termin machen.“

Einen Nachmieter für die Räumlichkeiten an der Kreuzstraße 1, eines der ältesten Häuser im Zentrum Westerkappelns, gibt es noch nicht, wie Eigentümer Thorsten Lorenz sagt. Gastronomie an der Adresse kann er sich weiter gut vorstellen. „Das kommt aber auch auf das Konzept an.“ Und auf die weitere Entwicklung im Ortskern, sagt der Unternehmer mit sorgenvollem Blick auf die eingezäunte Brandruine des benachbarten Orientladens. Sein Haus sei für andere Nutzungen ebenso geeignet – beispielsweise als Bürofläche. Ein Vorteil sei, dass es am Kirchplatz einen zweiten Eingang hat.

Auf der Suche nach einem Nachmieter ist Lorenz weiter auch für das Stadtcafé am Kirchplatz. Es gebe mehrere Interessenten, die dort gerne wieder ein Café eröffnen würden. Eine Verpachtung sei bislang aber gescheitert an den nach seinen Angaben überzogenen Preisvorstellungen der ehemaligen Betreiber für das Inventar. „Irgendwann ist der Punkt erreicht, an dem ich alles rausbreche.“

Inventar des Stadtcafés wird auf Flohmarkt verkauft

Darauf wollen Sabrina Kuck und Sandra Cattona, die früheren Betreiberinnen des Stadtcafés, allerdings nicht warten. Am Donnerstag, 29. März, wollen die beiden das komplette Inventar im Rahmen eines Flohmarktes verkaufen. „Von der Gabel bis zum Sofa bieten wir alles an“, sagt Sabrina Kuck. Auch Kaffeemaschinen und andere Küchengeräte werden angeboten. Der Verkauf beginnt um 14 Uhr. „Wir nehmen auch telefonische Anfragen entgegen“, sagt Kuck, die unter 0173 9872555 zu erreichen ist. „Was wir dann nicht loswerden, räumen wir raus.“ Ein späterer Verkauf sei auch dann noch möglich.

Bedarf für ein Café sieht Lorenz auf jeden Fall. „Immer, wenn ich dort einen Besichtigungstermin habe, stehen Leute vor der Tür und wollen Kaffee trinken.“

Von einem potenziellen Betreiber fürs Stadtcafé erwartet Lorenz allerdings auch ein „bisschen Substanz“ und kaufmännische Vorkenntnisse. „Lust am Kuchenbacken alleine reicht nicht.“


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN