„Es gibt keine Alternative“ Düngeverordnung sorgt in Westerkappeln für Verunsicherung

Von Katja Niemeyer


Westerkappeln. Für die landwirtschaftlichen Betriebe ist vergangenes Jahr in Nordrhein-Westfalen eine neue Düngeverordnung in Kraft getreten. Bei den Bauern sorgen die strengeren Vorschriften für Verunsicherung.

Bei einer Infoveranstaltung der Landwirtschaftlichen Ortsvereine Westerkappeln und Lotte im „Kuckucks-Nest“ mit über 80 Teilnehmern zeigte sich das. Viele Bauern fragen sich, wo sie künftig ihre Gülle, ihren Mist und die Gärreste aus Biogasanlagen lassen sollen. Herbert Piepel von der Landwirtschaftskammer NRW, Kreisstelle Steinfurt, erklärt im Interview, was die neue Verordnung für die Bauern bedeutet.

Wie stark müssen die Landwirte aufgrund der neuen Verordnung ihre Düngegewohnheiten ändern?

Das ist von Betrieb zu Betrieb sehr unterschiedlich. Für viele bedeuten die neuen Vorschriften aber erhebliche Einschränkungen.

Was hat sich im Wesentlichen geändert?

Zum einen wurde der Zeitraum, in dem Dünger aufs Feld gefahren werden darf, stark verkürzt. Zum anderen wurde die erlaubte Menge in einigen Fällen erheblich reduziert.

Viele Bauern haben schon vor dem Inkrafttreten der neuen Verordnung Schwierigkeiten gehabt, ihre Gülle und ihren Mist loszuwerden. Wie soll das jetzt gehen?

Wir sind hier in einer Region mit einem Schwerpunkt in Tierproduktion, wobei der östliche Kreis Steinfurt weniger Nährstoffdruck hat. Organischer Dünger muss also ohnehin schon in Ackerbauregionen exportiert werden. Hierfür gibt es zum Beispiel zur Unterstützung eine Nährstoffbörse in Saerbeck. In Zukunft wird es noch mehr darauf ankommen, dass Bauern zusammenarbeiten. Statt Mineraldünger zu kaufen, macht es vielfach mehr Sinn, anderen Bauern die Gülle abzunehmen.

Auch die Zeiten, in denen organischer Dünger aufs Feld gefahren werden darf, wurden stärker reglementiert. Was bedeutet das in der Praxis?

Bis auf wenige Ausnahmen ist das Güllefahren im Herbst verboten. Deswegen konzentriert sich das Düngen in Zukunft vor allem auf das Frühjahr. Das bedeutet, dass der Bedarf an Lagerbehältern für organischen Dünger steigt.

Für den ein oder anderen Bauern dürfte das teure Investitionen erforderlich machen. Darüber hinaus befürchtet die Branche Ertragseinbußen. Zu Recht?

Nein. Diese Sorgen bestehen zu Unrecht, wenn der Nährstoffbedarf richtig berechnet wurde und wenn die Ausbringung des Düngers nach modernen technischen Standards erfolgt. Sprich: Geräte zum Beispiel, bei denen die Gülle mit einem sogenannten Prallteller quasi in die Luft geschleudert wird, gehören der Vergangenheit an. Heute kommen Geräte zum Einsatz, bei denen die Gülle möglichst nah an der Pflanzenwurzel eingebracht wird. Nach einer Übergangsfrist, die im Jahr 2020 endet, ist diese Technik ohnehin auf bestellten Flächen vorgeschrieben.

Auf Kritik stößt die neue Düngeverordnung auch, weil mit ihr der bürokratische Aufwand steigt.

Das ist insofern richtig, als dass ein Landwirt nunmehr eine schriftliche Düngebedarfsplanung erstellen muss. Das kostet sicherlich Zeit. Aber dafür gibt es Computerprogramme, und mit zunehmender Routine dürfte sich der Aufwand verringern.

Eine Alternative zu strikteren Vorschriften gibt es offenbar auch nicht, wenn man die Nitratbelastung des Grundwassers auf Dauer reduzieren will.

Es ist leider so, dass das Grundwasser in großen Teilen des Kreises Steinfurt schon seit Langem aufgrund zu hoher Nitratwerte in einem ökologisch bedenklichen Zustand sind. Es gibt also keine Alternative: Wir müssen unsere Düngegewohnheiten ändern. Darüber muss Konsens herrschen unter den Bauern. Sonst bringt uns das in die Bredouille.

Inwiefern?

Nach einigen Jahren wird die Düngeverordnung evaluiert. Es wird also unter anderem geprüft, inwieweit sich die Wasserqualität verbessert hat. Sind die Werte weiterhin schlecht, wird es weitere Verschärfungen geben. Davon sind dann wieder alle Landwirte betroffen. Insofern hoffe ich stark auf die Einsicht aller Bauern, wobei die allermeisten sich sicherlich an die Regeln halten.

Wie überall gibt es aber auch schwarze Schafe – welche Sanktionsmöglichkeiten sieht die neue Verordnung für sie vor?

Zunächst einmal gibt es regelmäßige Kontrollen durch die Landwirtschaftskammer. Bei Verstößen gegen Kontrollwerte kommt ein mehrstufiges Verfahren in Gang: Im ersten Jahr muss der betroffene Landwirt an einer Düngeberatung teilnehmen, im zweiten werden gegebenenfalls seine Planungsunterlagen und Nährstoffvergleiche eingehender geprüft. Im dritten Jahr wird das Vergehen als Ordnungswidrigkeit eingestuft. Es droht ein Bußgeld. Die Höhe liegt im Ermessen der Behörde, es kann sich aber bis in einen fünfstelligen Bereich bewegen. Außerdem muss der Landwirt damit rechnen, dass ihm EU-Fördergelder gestrichen werden.