Zur Nordbahnreaktivierung CDU Westerkappeln befürwortet S-Bahn-Konzept

Von Frank Klausmeyer

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In Mettingen wurden am Mittwoch Schrankenschließungen simuliert, um die Auswirkungen auf den Kraftfahrzeugverkehr zu überprüfen. So einen Test hält die örtliche CDU-Ratsfraktion auch in Westerkappeln für sinnvoll. Foto: Oliver LangemeyerIn Mettingen wurden am Mittwoch Schrankenschließungen simuliert, um die Auswirkungen auf den Kraftfahrzeugverkehr zu überprüfen. So einen Test hält die örtliche CDU-Ratsfraktion auch in Westerkappeln für sinnvoll. Foto: Oliver Langemeyer

Westerkappeln. Wie geht die Gemeinde eigentlich mit den 1536 Unterschriften gegen eine Reaktivierung der Tecklenburger Nordbahn und dem Fragenkatalog, den der Arbeitskreis „Bus statt Bahn“ dazu vorgelegt hat, um?

Das wollte Jürgen Schulte (Bürgergemeinschaft) am Dienstagabend in der Ratssitzung von Bürgermeisterin Annette Große-Heitmeyer (CDU) wissen. Die Verwaltungschefin reagierte wortkarg, sprach davon, an einer Einlassung zu arbeiten. Umso ausführlicher nimmt dagegen jetzt die CDU-Fraktion Stellung. Die Christdemokraten wollen die Pläne jedenfalls nicht ad acta legen, sondern erkennt darin eher die Chance für die Mobilität der Zukunft.

Unterschriften nicht ignorieren

„Die Westerkappelner Ratsfraktionen können die auf die Schnelle an den Haustüren gesammelten Unterschriften nicht ignorieren“, erklärt Wolfgang Jonas, Fraktionsvorsitzender der CDU. Seine Partei sehe sich nicht als Lobbyist einer Nordbahn-Reaktivierung, sondern versuche, eine gewissenhafte Abwägung zwischen möglichen Einschränkungen für Anlieger der Bahntrasse, dem volkswirtschaftlichen und regionalen Nutzen und den Notwendigkeiten einer mobilen Gesellschaft vorzunehmen, „die sich mitten in einem Umbruch und einer Verkehrswende unter den Zielsetzungen von Luftreinhaltung und Klimaschutz bei Reduzierung des Individualverkehrs und bei gleichzeitiger Stärkung des öffentlichen Nahverkehrs befindet“, so Jonas wörtlich.

Zugverkehr simulieren

Dabei sehe auch die CDU Schwächen der Bahn, etwa die große Entfernung des Gewerbegebiets Gartenkamp von der Schienentrasse, die für die dort Beschäftigten eine Nutzung der Bahn unmöglich machen werde. Bei der Diskussion in Westerkappeln liegt jedoch nach Ansicht der CDU-Fraktion der Akzent zu stark auf eventuellen Einschränkungen, zum Beispiel bei den Schließzeiten der Schranken an den innerörtlichen Übergängen. „Hier liegen zwar Probleme, die jedoch lösbar sind.“, meint Jonas. Hilfreich dafür sei eine Simulation von Schrankenschließungen bei einem fiktiven Zugverkehr, wie sie am Mittwoch auch in Mettingen stattgefunden hat. Die CDU-Fraktion rät der Bürgermeisterin deshalb, eine solche Simulation auch für Westerkappeln zu organisieren.

Fahrgastzahlen hinterfragen

Die prognostizierten Fahrgastzahlen (5600 Menschen am Tag/Anm.d.Red.) könne man nach dem heutigen Stand durchaus hinterfragen. „Die Kritiker dürfen jedoch nicht die Bedeutung des Schülerverkehrs zu den großen Schulstandorten Westerkappeln, Mettingen und Osnabrück ausblenden“, gibt Jonas zu bedenken. Zudem werde es eine wichtige Forderung sein, die Gemeindegebiete durch einen Zubringerverkehr zu den Haltepunkten auch in der Fläche zu erschließen, was zu einer Verstärkung der Nutzung führen werde.

Widersprüchliche Argumente

Die Argumentation der Initiative „Bus statt Bahn“ hält Jonas allerdings für widersprüchlich: Einerseits spreche diese von einer volkswirtschaftlichen Verschwendung wegen zu geringer Fahrgastzahlen. Gleichzeitig werde jedoch die Befürchtung geäußert, die Westerkappelner Geschäfte würden leiden, weil zu viele Bahnnutzer Westerkappeln nicht mehr mit dem Auto durchqueren würden. „Was denn nun? Nur einer der beiden Gedanken kann richtig sein“, meint Jonas.

Bei der Kritik an einer modernen S-Bahn nach Osnabrück gingen die Bahngegner von dem technischen Standard von heute aus. „Diese S-Bahn ist jedoch kein Projekt für die nächsten fünf Jahre, sondern eines, das weit in die Zukunft der nächsten 50 Jahre oder mehr hineinreicht“, sagt der CDU-Fraktionsvorsitzende. Der heutige technologische Standard eines Diesel getriebenen Zuges werde natürlich in diesem Zeitraum immer wieder innovativen Änderungen unterliegen hin zu einem intelligent vernetzten Nahverkehrssystem, das die Region des nördlichen Tecklenburger Landes mit dem Oberzentrum Osnabrück verbindet, wo ebenso eine flächenhafte Anpassung des Bussystems an die S-Bahn aus dem Tecklenburger Land oder sogar die Entwicklung einer OS-Bahn folgen müsse.

Der Zeit hinterher?

Unter dem gegenwärtigen veränderten gesellschaftlichen und politischen Diskurs mit Stichworten wie Fahrverbote in Großstädten, mögliche Einführung einer Citymaut in Osnabrück, kostenloser öffentlicher Personennahverkehr oder E-Mobilität wäre es nach Meinung der CDU geradezu „fahrlässig und verantwortungslos“, wenn ausgerechnet die Kommunalpolitiker in Westerkappeln vor diesen Entwicklungen die Augen verschlössen und durch einen Rückbau der Trasse ein relativ leicht zu reaktivierendes Schienensystem für alle Zeiten vernichteten.

„Die CDU-Fraktion in Westerkappeln wird sich hinsichtlich der Herausforderungen unserer mobilen Zukunft für einen vernünftigen Mix aus Individualverkehr und öffentlichem Personennahverkehr auf verschiedenen Verkehrsträgern einsetzen. Dazu gehört nach unserer Ansicht auch eine schienengebundene S-Bahn nach Osnabrück“, erklärt Joas abschließend.


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