Der erste echte Härtetest Grundausbildung für angehende Feuerwehrleute in Westerkappeln

Von Heinrich Weßling


Westerkappeln/Recke . Wer am Samstagmorgen am Parkplatz des Freibades am Bullerteich vorbeikam, dem fuhr vielleicht der Schreck in die Glieder. Feuerwehrleute umringten ein ziemlich demoliertes Auto und machten sich mit einer hydraulischen Schere an den Türen zu schaffen. Was auf den ersten Blick wie ein Rettungseinsatz nach einem schweren Unfall aussah, entpuppte sich bei näherem Hinsehen als praktische Übung, die Teil der Grundausbildung für angehende Feuerwehrkräfte ist.

Die Freiwilligen Feuerwehren aus Westerkappeln, Lotte, Mettingen und Recke arbeiten bei der Grundausbildung ihres Nachwuchses seit Jahren eng zusammen. Die Idee wurde vor einigen Jahren bei einer sogenannten Nordlichtübung geboren. Die Schulung gliedert sich in vier Bausteine, wobei dieses Jahr die Module 2 und 4 absolviert werden. Wer alle vier Teile erfolgreich besteht, wird in den aktiven Dienst übernommen.

Dafür wird den jungen Leuten viel abverlangt, nicht zuletzt ihre kostbare Freizeit: Jedes Modul umfasst 40 Stunden Theorie und Praxis – verteilt auf vier Wochenenden. Insgesamt haben dieses Jahr 35 junge Männer und vier junge Frauen daran teilgenommen.

Der erste Schritt ins Berufsleben des Feuerwehrmannes

Während für die Theorie alle im Westerkappelner Gerätehaus paukten, wurde der praktische Teil gesplittet: Die 16 Nachwuchskräfte aus Westerkappeln und Lotte übten in Westerkappeln, die anderen 22 Männer und eine Frau in Recke. „Das ist der erste Schritt im Berufsleben eines Feuerwehrmannes oder einer Feuerwehrfrau“, betont Norbert Zurlinden, Löschzugführer in Recke.

Am Samstag wurde in beiden Gruppen eine Unfallrettung simuliert. Verschiedene Szenarien wurden durchgespielt, die sich bei einem Verkehrsunfall ereignen können. Alle durften dabei auch die Rettungsschere betätigen. Die erfahrenen Feuerwehrausbilder leisteten Hilfestellung, damit bei einem späteren Ernstfall jeder Handgriff sitzt.

Ein kleiner Härtetest

Schon nach der theoretischen Prüfung zog Gemeindebrandinspektor Werner Ramatschi, Löschzugführer aus Westerkappeln, ein positives Fazit: Von den 39 Kameraden haben 27 mit der Note eins, zehn mit der Note zwei und zwei mit einer drei bestanden. „Was ich noch nicht erlebt habe, war, dass einer im theoretischen Teil alle Fragen und Antworten zu 100 Prozent richtig beantwortet hat“, sagt Ramatschi beeindruckt. Für die Nachwuchskräfte sei die erste praktische Übung innerhalb der Wehr schon ein kleiner Härtetest. „Da merkt jeder, wo er steht“, betont der Gemeindebrandinspektor.

Von den 39 Teilnehmern werden jetzt 22 Kameraden in den aktiven Dienst übernommen, weil sie vergangenes Jahr bereits die Module 1 und 3 erfolgreich bestanden haben. „Jetzt folgen diverse Lehrgänge, bei denen sich die jungen Feuerwehrleute – je nach Neigung und Zeit – spezialisieren können. Das kann sich über Jahre hinziehen“, erläutert Zurlinden.

Kein Ernstfall, aber eine ernste Sache

Wer am Samstagnachmittag zufällig am Westerkappelner Schulzentrum vorbeikam, dachte vielleicht auch, etwas Schlimmes sei passiert. Denn dort fand – aufgeteilt in fünf Gruppen – die praktische Abschlussprüfung für alle 39 jungen Feuerwehrleute statt. Bei eisiger Kälte wurden Fahrzeuge mit Drahtseilen geborgen, eingeklemmte Personen aus ihrer misslichen Lage befreit oder Unfallstellen gesichert und ausgeleuchtet. Kein Ernstfall, aber für die Teilnehmer der Grundausbildung auf jeden Fall eine ernste Sache.