Sauer und lustig Heringsessen des Westerkappelner Kultur- und Heimatvereins

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Westerkappeln. Das Heringsessen des Kultur- und Heimatvereins Westerkappeln erfreut sich zunehmender Beliebtheit. „So viele Gäste hatten wir noch nie“, stellte Vorstandsmitglied Horst Dormann zufrieden fest.

Da war es zu verschmerzen, dass die Bürgermeister aus Westerkappeln und Lotte am Montagabend verhindert waren, kurzerhand wurde die Plattdeutschgruppe „Dütt un Datt“ zu Ehrengästen erklärt.

Eigentlich für arme Leute

Knapp 130 Heringsliebhaber hatten sich im Saal von „Cord‘s Catering“ eingefunden, um sich den sauren Fisch samt Speckstippe schmecken zu lassen. Dass es sich dabei einst um ein klassisches Arme-Leute-Essen handelte, tat der Begeisterung keinen Abbruch.

Was ein echter Heringsfan ist, der hatte auch sein eigenes „Schrappmest“ dabei. „Für die Pellkartoffeln, die müssen nämlich selbst geschält werden“, erläuterte Dormann. „Am liebsten ein Windmühlenmesser, und bitte nicht so ein rostfreies!“, ergänzte Ellen Kutschwalski lachend. Und tatsächlich holten erstaunlich viele ihr eigenes Werkzeug aus dem Handtäschchen.

Ess- und Sprachkultur

Viele der Gäste waren Wiederholungstäter. Neben Lottern und Westerkappelnern zählte unter anderem eine Delegation aus Schledehausen zu den Stammgästen. Aber auch Neulinge waren in den Reihen vertreten, um Ess- und Sprachkultur aus alter Zeit zu zelebrieren.

Das Motto des Abends lautete „Hochtied fröüher un vandage“. Inge Loske von der Plattdeutschgruppe erzählte, wie vor Einführung von Telefon und E-Mail per Fahrrad zur Hochzeit eingeladen wurde: Mit dem „Hochtiedbieke“ fuhr man über Land und lud mündlich ein.

Informativ-heiteres aus dem Trauzimmer

Beim Thema Heirat durften selbstverständlich auch Tipps zur Partnerwahl nicht fehlen – auf Platt, versteht sich. „De Knieperigge rechnet im Oller nur noch doller“, wusste die Brautmutter weisen Rat. Zärtlichkeiten hingegen könne man über sich ergehen lassen, die ließen mit der Zeit schnell nach.

Die Plattdeutsch-Abteilung „Dütt un Dat“ hatte einen Schwank aus dem Trauzimmer vorbereitet. Sehr zur Freude des Publikums stellte sich die resolute Brautmutter als erste bei der Standesbeamtin vor: „Ik ben de Moeder van dat Wicht.“

Von der Wahl ihrer Tochter war die Brautmutter ganz offensichtlich wenig begeistert und nahm kein Blatt vor den Mund. Schließlich wurde es der Standesbeamtin zu bunt: Sie setzte die Trauung aus. Stattdessen beantragte der Brautvater seine eigene Scheidung, was dem Publikum endgültig die Tränen in die Augen trieb.

Im Verlauf des Abends hatte die plattdeutsche Truppe noch manche Anekdote zu bieten, es wurde noch viel von der „Guten alten Zeit“ erzählt und noch mehr gelacht.


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