Weiter auf hohem Niveau Vergangenes Jahr 623 Straftaten in Westerkappeln

Von Frank Klausmeyer

Meine Nachrichten

Um das Thema Westerkappeln Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.

Einbrüche bleiben ein großes Problem in Westerkappeln und noch mehr in Lotte. Die Nähe zur Autobahn begünstigt Einbruchsdelikte. Symbolfoto: dpaEinbrüche bleiben ein großes Problem in Westerkappeln und noch mehr in Lotte. Die Nähe zur Autobahn begünstigt Einbruchsdelikte. Symbolfoto: dpa

Westerkappeln/Lotte. „Nordrhein-Westfalen ist nachweislich sicherer geworden“, erklärte NRW-Innenminister Herbert Reul, als er am Mittwoch die Kriminalitätsstatistik für 2017 vorstellte.

Seinen Angaben zufolge gingen die Straftaten im bevölkerungsreichsten Bundesland im vergangenen Jahr um 6,5 Prozent zurück. In Westerkappeln wurden gegenüber 2016 sogar zehn Prozent weniger Delikte angezeigt. Um diese Zahl einzuordnen, lohnt aber eine Langzeitbetrachtung der Statistik. Und danach bewegt sich die Kriminalität in Westerkappeln weiter auf einem hohen Niveau.

Westerkappeln profitiert nicht

623 Straftaten wurden vergangenes Jahr in Westerkappeln angezeigt. Das ist bis auf 2016 der höchste, jemals für die Gemeinde registrierte Wert. Und bei bestimmten Verbrechen, die das Sicherheitsgefühl der Bürger besonders berühren, gab es vergangenes Jahr sogar einen Anstieg.

Das gilt nicht zuletzt für Rauschgiftdelikte: 44 wurden 2017 angezeigt, mehr als doppelt so viele wie im Vorjahr. Die Polizei errechnet aus den Fällen und der Bevölkerungsgröße einer Stadt oder Gemeinde eine sogenannte Häufigkeitszahl (HZ) pro 1000 Einwohner. Bei den Drogenvergehen liegt Westerkappeln mit einer HZ von 3,96 kreisweit an der Spitze.

Ermittlungserfolge

Hinter diesem statistischen Wert steckt aber meistens ein Ermittlungserfolg der Polizei, wie Arthur Büscher, Erster Kriminalhauptkommissar (EKHK) bei der auch für Westerkappeln zuständigen Polizeiwache Ibbenbüren, erläutert. Wenn beispielsweise ein „mittelprächtiger“ Drogendealer erwischt wird, stelle die Polizei oft auch dessen Handy sicher. Die darin gespeicherten Kontaktdaten führten dann in der Regel zu anderen Rauschgifthändlern oder -konsumenten. Die Ermittlungen ziehen Kreise, weitere Strafverfahren folgen, die Fallzahlen explodieren.

Eine Rolle für die relativ hohe Zahl an Betäubungsmitteldelikten könne auch der Autobahnrastparkplatz Brockbachtal an der A 30 spielen, bestätigt Büscher. Dort fischt die Polizei bei Routinekontrollen regelmäßig Drogenkuriere aus dem Verkehr. In der Gemeinde gebe es aber keinen Brennpunkt für die Drogenszene, betont Büscher.

Lotte registriet meiste Einbrüche im Kreis

In puncto Häufigkeitszahl ist die Gemeinde Westerkappeln im Vergleich zum Kreisgebiet wieder einmal auch bei den Einbruchdiebstählen hoch gelistet. Die HZ von 3,87 wird im Tecklenburger Land nur von Recke (3,88) und Lotte (3,96) überboten. 43 Einbrüche gab es im vergangenen Jahr, drei mehr als 2016. Etwa die Hälfte waren Wohnungseinbrüche.

Die vergleichsweise hohe Zahl der Einbrüche hat nach Einschätzung Büschers mit mehreren Faktoren zu tun. Erstens mit der Autobahnnähe: Auswärtige Täter nutzten dies, um schnell wegzukommen. Die Stadtrandnähe zu Osnabrück habe sicher zur Folge, dass von dort häufiger Einbrecher „rüberschwappen“. Und schließlich lockten landwirtschaftliche Anwesen Kriminelle an, weil es dort hochwertige Werkzeugmaschinen und Gartengeräte zu erbeuten gibt.

Erheblich zugenommen haben die Kfz-Delikte. 91 Anzeigen – darunter 61 wegen Diebstählen aus und an Kraftfahrzeugen – wurden von der Polizei aufgenommen, so viele wie seit zehn Jahren nicht. Auch hier lohnt der Blick hinter die Statistik. „Es gab vergangenes Jahr zahlreiche Kennzeichendiebstähle“, berichtet EKHK Büscher weiter. Manchmal tauchten die Nummernschilder bei Tankbetrügereien wieder auf, meistens blieben sie aber verschwunden. Vermutlich hätten es die Täter dann auf die TÜV-Siegel abgesehen.

In die Statistik eingeflossen ist auch eine Serie von Rollerdiebstählen in Westerkappeln und Lotte. Hierfür macht die Polizei vorrangig eine Clique Jugendlicher verantwortlich, die als Tatverdächtige ermittelt werden konnten. „Meines Wissens gab es auch schon Urteile gegen den Hauptbeschuldigten und seine Freunde. Seitdem ist Ruhe“, sagt Büscher.

Unterm Strich ist Lotte sicherer als Westerkappeln

Nicht wenige Kfz-Delikte sind auch hier dem Autobahnrastplatz in Velpe zuzuordnen. Immer wieder würden dort bei der Suche von Kriminellen nach lukrativer Beute unbemerkt von den Fahrern Lkw-Planen aufgeschnitten, erläutert Büscher.

Knapp 45 Prozent aller in Westerkappeln angezeigten Straftaten konnten nach Angaben des Kriminalhauptkommissars vergangenes Jahr aufgeklärt werden. Damit liegt die Gemeinde deutlich hinter der Aufklärungsquote für den Kreis Steinfurt (52 Prozent). In Lotte habe die Aufklärungsquote vergangenes Jahr sogar bei 56 Prozent gelegen, erläutert Büscher.

WE: Kriminalitätsentwicklung in Westerkappeln

Was das statistische Risiko betrifft, Opfer einer Straftat zu werden, lebt es sich in Westerkappeln unter dem Strich aber etwas sicherer als im Kreisdurchschnitt. Die HZ beträgt hier für die Gesamtkriminalität 57,2, in Westerkappeln sind es 56,0 und in Lotte nur 44,9.


Bilanz der Wache Ibbenbüren

Im Bezirk der Polizeiwache Ibbenbüren, die neben der Bergmannstadt auch für Westerkappeln, Lotte, Mettingen, Recke und Hopsten zuständig ist, wurden im vergangenen Jahr 5493 Straftaten angezeigt. Das bedeutet eine Steigerung von 2,6 Prozent gegenüber 2016. Im Folgenden die Zahl der gemeldeten Straftaten (in Klammern prozentuale Veränderung zu 2016):

Westerkappeln: 623 (-10,1 Prozent)

Lotte: 635 (+1,1 Prozent)

Ibbenbüren: 3174 (+9,4 Prozent)

Mettingen: 446 (+6,6 Prozent)

Recke: 397 (-17,5 Prozent)

Hopsten: 218 (-4,0 Prozent)

Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN