Kunstrasen: Verein als Kreditnehmer? Rat informiert sich über „Tecklenburger Modell“

Von Katja Niemeyer

Meine Nachrichten

Um das Thema Westerkappeln Ihren Nachrichten hinzuzufügen, müssen Sie sich anmelden oder registrieren.


Westerkappeln. Nachdem Politik und Verwaltung die Modernisierung der Westerkappelner Sportstätten besiegelt haben, soll das Vorhaben nunmehr konkretere Formen annehmen. Geplant ist in diesem Jahr, den Tennenplatz am Schulzentrum in einen Kunstrasenplatz umzuwandeln.

Über ein ähnliches Projekt, das in der Nachbarkommune Tecklenburg realisiert wurde, hat sich der Rat in seiner Sitzung am Montagabend informiert.

Das Tecklenburger Modell

Architekt Timo Bardelmeier erläuterte den Ratsmitgliedern die technischen Eckdaten des Kunstrasenplatzes, die der TuS Kobbo Tecklenburg bauen ließ. Er gab einen Überblick über den Unterhaltungsaufwand und stellte das Finanzierungsmodell dar. Der Verein hatte den Platz im vergangenen Jahr eröffnet.

Ob das Konzept Modellcharakter haben kann für das Westerkappelner Vorhaben, bleibt abzuwarten. In jedem Fall haben die Hintergrundinformationen aber ein Umdenken bei der Fraktion von Bündnis 90/Die Grünen bewirkt. „Meine Bedenken wurden ausgeräumt“, sagte Martin Laumann-Stening. Der Grünen-Ratsherr hatte in einer Bauausschusssitzung im Oktober 2017 die vorgesehene Umwandlung des Tennenplatzes in ein Kunstrasenfeld abgelehnt, weil ein Naturrasen eine hohe Mikrobiologie ausbilde, die durch einen künstlichen Belag zerstört werde. Wenn der Kunstrasen nach etwa zwölf Jahren abgängig sei, meinte er damals, „haben wir einen Haufen Plastikmüll“.

Verein als Kreditnehmer

Derartige Bedenken hatte es in Tecklenburg nicht gegeben. Kopfzerbrechen bereitete den dortigen Kommunalpolitikern und der Verwaltung zu dem Zeitpunkt vielmehr die schwierige Haushaltslage der Gemeinde. Um den Sportplatz zu modernisieren, nahm der Sportverein, wie Architekt Bardelmeier berichtete, einen Kredit in Höhe von 520000 Euro auf. Die Investitionssumme beinhaltet die Kosten für ein großes (107 mal 66 Meter) und ein kleines (15 mal 24 Meter) Kunstrasenfeld, eine 100-Meter-Laufbahn, eine Flutlichtanlage, Bandensysteme und Tore. Den jährlichen Kapitaldienst aus Zinsen und Tilgung in Höhe von jährlich 38000 Euro stemmt die Gemeinde durch den Einsatz von Sport-, Schul- und Investitionspauschalen. Für die Unterhaltung und den Spielbetrieb überweist sie – als Eigentümerin des Sportplatzes – dem Sportverein außerdem insgesamt rund 20000 Euro pro Jahr. Der Vertrag, den Gemeinde und Verein hierfür geschlossen haben, hat eine Laufzeit von 15 Jahren.

Bardelmeier zeigte sich zufrieden mit dem Konzept. Durch Eigenleistung hätte der Verein zudem Kosten sparen können, sagte er. Der Aufwand für Pflege sei bei einem Kunstrasen weitaus geringer als bei einem herkömmlichen Rasenfeld. Auch die organisatorische Arbeit halte sich für den Verein in Grenzen. Vormittags würde der Platz in der Regel von den Schulen genutzt.

Gemeinde nimmt Kredit auf

Dass in Westerkappeln ein Sportverein als Darlehensnehmer für die Modernisierung des Tennenplatzes am Schulzentrum eintreten muss, ist unwahrscheinlich. Im Haushalt der Gemeinde wurden für das Jahr 2018 bereits rund 700 000 Euro eingestellt. Das Geld hat Westerkappeln zwar auch nicht auf der hohen Kante liegen. Im Unterschied zu Tecklenburg ist die Gemeinde hier aber in der Lage, selbst einen Kredit aufzunehmen.

Laut Sportstättenkonzept soll in diesem Jahr nicht nur der Sportplatz in ein Kunstrasenfeld umgewandelt, sondern auch ein Basketball- sowie ein Multifunktionsplatz geschaffen werden.


Weitere Angebote, Produkte und Unternehmen der noz MEDIEN