„Wo uns der Wind hinträgt“ Zirkus Colani eröffnet die Saison in Westerkappeln

Von Katja Niemeyer

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Teil der Colani-Zirkusfamilie: Michelle Köllner, Alicha Köllner und Joy Colani. Bei den Vorstellungen am Freitag sowie am Samstag und Sonntag wollen sie das Publikum mit ihrer Akrobatik zum Staunen bringen. Foto: Katja NiemeyerTeil der Colani-Zirkusfamilie: Michelle Köllner, Alicha Köllner und Joy Colani. Bei den Vorstellungen am Freitag sowie am Samstag und Sonntag wollen sie das Publikum mit ihrer Akrobatik zum Staunen bringen. Foto: Katja Niemeyer

Westerkappeln. Wie aus dem Bilderbuch: ein großes Zelt mit blau-roten Streifen, drum herum ein paar Wohnwagen, zum Teil mit Terrasse und – etwas abseits – eine kleine Zirkusschule. In Westerkappeln gastiert an diesem Wochenende der Zirkus Colani.

Es ist die erste Station der kleinen Truppe nach der Winterpause. Morgen ist Premiere. Die Artisten haben die Manege hergerichtet, die Technik installiert und das große Willkommen-Schild aufgehängt. Vor allem aber haben sie vier große Heizgeräte aufgestellt. „Bei uns ist es mollig warm“, betont Artistin Michelle Köllner. Denn nichts treibt sie und ihre neun Kollegen in diesen Tagen so sehr um wie die frostigen Temperaturen. „Wir hoffen, dass sich die Zuschauerränge trotzdem gut füllen.“

Seit Generationen in der Manege

Michelle Köllner ist ein typisches „Zirkuskind“. Ihre Eltern sind Artisten, in der achten Generation, wie sie sagt. Das prägt. „Ein anderes Leben kann ich mir nicht vorstellen“, gesteht die 21-Jährige, die ihren Ehemann bei einer gemeinsamen Vorstellung in Bad Zwischenahn kennenlernte. Er hat im Programm eine Feuershow.

Michelle Köllner hat in den vergangenen Wochen viel an ihrer Vorstellung gefeilt. Sie vollführt akrobatische Übungen an einem großen, in der Luft hängenden Ring. „Wir hatten zuvor zwei Monate Pause und waren schon etwas faul“, erzählt sie und lacht.

Akrobatik und Schule

Jetzt ist die Truppe aber wieder voll im Training. Joy Colani jongliert fürs Pressefoto gekonnt mit sieben Ringen. Nur ein Vorgeschmack auf das, was die Zuschauer in der Vorstellung erwartet. Da hält er acht Keulen in der Luft, die – zum krönenden Abschluss – in Flammen stehen. Derweil verbiegt Alicha Köllner ihren Rücken einem Schlangenmenschen gleich in die erstaunlichsten Positionen. „Kautschuk-Akrobatik“ sei das, sagt das 14-jährige Mädchen im Vorbeigehen. Sie hat es ein wenig eilig, weil sie jetzt eigentlich Unterricht hat. Ein paar Verrenkungen später – und Alicha Köllner sitzt wieder, eingemummelt in einem rosafarbenen Overall, auf ihrer Schulbank.

Diese befindet sich in einem Wohnmobil, das am frühen Morgen von Simone Wallach auf den Zirkusplatz gesteuert wurde. Die Lehrerin ist bei der „Schule für Circuskinder in NRW“ angestellt, die vor fast 25 Jahren für den Nachwuchs reisender Zirkusfamilien gegründet wurde. Trägerin ist die Evangelische Kirche im Rheinland.

Rollendes Klassenzimmer

Das Wohnmobil wurde zu einem rollenden Klassenzimmer umgebaut: Am Kopfende hängt eine große Weltkarte. Darüber sind Regale eingebaut, prall gefüllt mit Büchern. Unter der Decke baumeln Kärtchen mit englischen Vokabeln. Für einen kleinen Jungen steht an diesem Vormittag Kopfrechnen auf dem Stundenplan. Alicha Köllner übt sich derweil im Schreiben von Bewerbungen.

In der Colani-Klasse sind derzeit insgesamt drei Schüler. Zwei- bis dreimal pro Woche drücken sie bei Simone Wallach die Schulbank. Die Pädagogin betreut außerdem noch einen weiteren Zirkus. „An den unterrichtsfreien Tagen bearbeiten die Schüler individuelle Lernpakete“, erläutert die Lehrerin. Im Winter, wenn sich die Zirkusse längere Zeit an einem Ort befinden, besucht der Artisten-Nachwuchs häufig die Schule am jeweiligen Quartier der Familie.

Drei Vorstellungen in Westerkappeln

Der Zirkus Colani, der in Bramsche überwinterte, startet in Westerkappeln mit drei Vorstellungen in die neue Saison. Zelt und Wagen stehen am Ortsrand, unweit der Osnabrücker Straße und einen Katzensprung von der Maschinenfabrik Möller entfernt. Von hier aus zieht die Truppe weiter nach Tecklenburg-Ledde. Weitere Stationen sind Lotte-Halen, Bad Essen, Lübbecke, Minden, ... . Bis April, berichtet Michelle Köllner, stehe der Tourneeplan. „Mal sehen, wo uns der Wind anschließend hinträgt“, sagt die Artistin mit einem breiten Grinsen. „Das ist es ja gerade, was das Zirkusleben ausmacht – dass man nicht weiß, was der morgige Tag bringt.“ Das, ergänzt sie, „bedeutet für uns Freiheit“.


Vorstellungen und Ermäßigungen

Die Vorstellungen des Zirkus‘ Colani sind am Freitag und Samstag, 2. und 3. März, jeweils um 16 Uhr, sowie am Sonntag, 4. März, um 15 Uhr. Die Eintrittskarten kosten zwischen zwölf und 18 Euro. Am Freitag ist Familientag. Da gelten die Kinderpreise auch für die Erwachsenen. Karten können auch unter Tel.: 0157/31777166 vorbestellt werden.

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