Geläut im Teich versenkt Das Glockenversteck von Westerkappeln

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In diesem Bereich rückwärtig der Gärtnereien liegen die Fluren, die die Glocke im Namen führen. Foto: Astrid SpringerIn diesem Bereich rückwärtig der Gärtnereien liegen die Fluren, die die Glocke im Namen führen. Foto: Astrid Springer

Westerkappeln. Von versunkenen Dörfern hat man bereits gehört: Im Watt vor Pellworm sollen bisweilen noch heute die Glocken von Rungholt läuten und vom Läuten einer alten Klosterglocke berichtet auch die Sage um’s Heilige Meer. Solch ein Läuten hat Westerkappeln zwar nicht zu bieten, eine versunkene Glocke aber offenbar schon.

Darauf deuten eine Reihe Flurnamen jenseits des Burgwegs hin, die die Glocke im Namen führen: Klockenpohl, Klockenpool, beim Klokenpohl, Klockenteich, Klockenpoul, Klockenbreede und Klokenbreede heißen die Flächen rückwärtig hinter den Gärtnereien.

Der verschwundene Tümpel

Wobei man sich vor Ort nicht recht einen Reim darauf machen kann: Ein Feldweg nebst gewöhnlichen Ackerflächen findet sich hier, lediglich eine kaum merkliche Senke im Bodenniveau könnte stutzig machen.

Das Grundwort Pohl, mittelniederdeutsch pol in der Bedeutung Pfütze, Teich, Tümpel bezieht sich allerdings ganz eindeutig auf einen Teich. Wenn es von diesem auch heute keine Spur mehr gibt, belegt ein Bericht im Heimatjahrbuch von 1936, dass der Teich tatsächlich existierte und 1935 zugeschüttet und eingeebnet wurde.

Versteck im Krieg

In ebendiesem Teich sollen die Westerkappelner laut Überlieferung einst ihre Kirchenglocke versenkt haben, um sie vor Übergriffen zu retten. Denn in Kriegszeiten wurden nicht selten auch Glocken konfisziert, um diese einzuschmelzen und in Kanonen und anderes Kriegsgerät umzuwidmen. Dieser Form der Enteignung wollten die Westerkappelner offenbar entgehen und versteckten die Glocke kurzerhand im naheliegenden Teich, dem danach benannten Klockenpoul.

Die Überlieferung, dass der Glockenteich insbesondere während der Franzosenzeit als Versteck diente, ist zwar nicht ausgeschlossen, die Namensvergabe Klockenpohl muss aber bereits früher erfolgt sein, denn der taucht bereits im Jahr 1769 im Flurnamenregister für die Vogtei Cappeln auf.

Wenn für eine versenkte Glocke auch weitergehende historische Belege fehlen, ist so ein Unterwasser-Glockenversteck durchaus denkbar, schließlich wurde in Kriegszeiten auch das Vieh vor durchziehenden Truppen versteckt.

Der Sage nach soll gar der Teufel die erste Glocke Cappelns bereits mit der Kirchengründung im Klokenpoul versenkt haben. Ob da etwas dran sein könnte, ist wohl eher eine Glaubensfrage.


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