Unterbringung gesichert Westerkappeln erwartet weitere Flüchtlinge

Von Frank Klausmeyer

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Das Haus Brockmann an der Heerstraße in Westerbeck wurde für die Unterbringung von Flüchtlingen renoviert. Bis jetzt wurden dort aber keine Personen einquartiert. Foto: Frank KlausmeyerDas Haus Brockmann an der Heerstraße in Westerbeck wurde für die Unterbringung von Flüchtlingen renoviert. Bis jetzt wurden dort aber keine Personen einquartiert. Foto: Frank Klausmeyer

Westerkappeln. Die Gemeinde Westerkappeln muss dieses Jahr voraussichtlich über 80 weitere Flüchtlinge aufnehmen. „Die können schon nächste Woche kommen oder erst Ende des Jahres. Das macht es für uns so schwierig“, sagt Günter Rahmeier, Leiter des Ordnungs- und Sozialamtes.

Zurzeit leben 180 Flüchtlinge im Ort. Ihr rechtlicher Status ist unterschiedlich; manche befinden sich noch im Asylbefahren, andere sind als Flüchtlinge anerkannt. Für die letztgenannte Gruppe gibt es seit Ende 2016 in NRW eine sogenannte Wohnsitzauflage. Die Flüchtlinge sollen nach einem festgelegten Schlüssel gerecht auf die Städte und Gemeinden verteilt werden, vor allem um die Integration der Menschen zu erleichtern.

Die Gemeinde Westerkappeln hat aktuell aber mit 84 anerkannten Flüchtlingen nur die Hälfte ihres Solls erfüllt und muss folglich noch einmal so viele Menschen aufnehmen, wie auch aus der Verteilstatistik der zuständigen Bezirksregierung Arnsberg hervorgeht.

„Bei den Leuten, die noch im Asylverfahren sind, liegen wir über dem Soll“, betont Bürgermeisterin Annette Große-Heitmeyer. Mit 96 Asylbewerbern beträgt die sogenannte Erfüllungsquote aktuell 121 Prozent. Auf die Zuzüge im Zusammenhang mit der Wohnsitzauflage hat dies keine Auswirkungen.

Gemeinde gut aufgestellt

Für die angekündigten Zuweisungen ist die Gemeinde nach Darstellung der Verwaltung aber gewappnet. Von den 180 Flüchtlingen sind derzeit 110 bis 120 in den Sammelunterkünften in Düte, auf dem Schafberg sowie auf dem Hof Schildkamp untergebracht. Der Rest lebt in Mietwohnungen. „Das sind teilweise auch Leute, die von uns gar keine Leistungen mehr bekommen“, erläutert Sebastian Laig, zuständiger Sachbearbeiter im Rathaus. Einige verdienten ihren eigenen Lebensunterhalt, andere bezögen Arbeitslosengeld II.

Neben den genannten Wohnheimen hat die Gemeinde auch noch Unterbringungsmöglichkeiten in einer Halle im Gewerbegebiet Gartenkamp sowie im Haus Brockmann in Westerbeck. Beide Gebäude stehen derzeit leer, die ehemalige Gaststätte in Westerbeck werde aber marginal beheizt, damit es nicht schimmele, sagt Große-Heitmeyer.

Insgesamt kann die Gemeinde damit 220 Asylbewerber und Flüchtlinge unterbringen – „sozialverträglich“, betont Rahmeier. Alle Kapazitäten bis an den Rand ausgeschöpft seien es sogar 280 Plätze. Die angekündigten Zuweisungen könnten aber problemlos untergebracht werden, versichern die Verantwortlichen.

Wohnungsmarkt angespannt

Familien versuche man schon in privaten, etwas geräumigeren Wohnungen unterzubringen, sagt die Bürgermeisterin. Doch der Wohnungsmarkt sei angespannt. „Wir haben schon lange keine Wohnung mehr angeboten bekommen“, ergänzt Laig. Dies sei auch ein Grund dafür, weshalb einige Flüchtlinge mitunter jahrelang in einem Übergangsheim wohnen müssten.

Dass diese Unterkünfte teilweise „am Arsch der Welt“ liegen, wie Frauke Helmich, stellvertretende Vorsitzende des Flüchtlingshilfevereins Wabe Westerkappeln, sagt, mache die Integration der Geflüchteten natürlich nicht leichter. Wünschenswert seien schon andere Wohnlagen. Aber auch Helmich weiß, dass Wohnungen schwer zu bekommen sind.

„Es wäre natürlich schön, wenn alle ein Einzelzimmer hätten“, meint Große-Heitmeyer. „Wir müssen aber einen Puffer haben, um Zuzüge schnell unterzubringen. Es wird schwierig, wenn Leute, die ein Zimmer allein für sich hatten, plötzlich jemanden mit reinnehmen müssen.“ Da sei Fingerspitzengefühl gefragt, sagt auch Rahmeier.

Die Sozialpädagogin, die Anfang 2016 für die Betreuung der Flüchtlinge eingestellt wurde, ist wieder weg. Ihr Vertrag sei bis Ende 2017 befristet gewesen. Angesichts des zwischenzeitlichen Rückgangs bei den Flüchtlingszahlen sei diese Vollzeitstelle auch nicht mehr zwingend erforderlich, meint die Verwaltungschefin. „Die Leute werden seitens der Verwaltung ja weiter sozial betreut“, erklärt Rahmeier dazu.

Suche nach Flüchtlingsbetreuer

Die Gemeinde bekommt Zuschüsse für eine Betreuungskraft. Große-Heitmeyer möchte die Aufgabe personell gerne dem Flüchtlingshilfeverein Wabe Westerkappeln übertragen. Der Verein sucht bereits „einen jungen, engagierten und weltoffenen Menschen, der sich vorzugsweise in einem Studiengang der Sozialpädagogik oder auch für soziale Arbeit befindet“, wie es bei Aushängen an der Hochschule und an der Universität Osnabrück im Stellenprofil heißt. Ein „ausgeprägtes Verhandlungsgeschick“ sei von Vorteil. Die wöchentliche Arbeitszeit beträgt 16 Stunden und soll vornehmlich in den Nachmittagsstunden an vier Tagen in der Woche abgeleistet werden. Die Stelle ist zunächst bis zum 31. August befristet. Mehr Infos dazu gibt es beim Wabe e.V. unter Tel.: 05404/71971 oder per E-Mail an info@wabe-westerkappeln.de.


Wohnsitzauflage und Erfüllungsquoten

Seit Ende 2016 gilt in Nordrhein-Westfalen für anerkannte Flüchtlinge eine Wohnsitzauflage. Die Betroffenen müssen an dem ihnen zugewiesenen Ort leben, und zwar drei Jahre lang. Diese Verteilung auf Städte und Gemeinden erfolgt über einen dafür eigens geschaffenen Verteilungsschlüssel. Mit 84 anerkannten Flüchtlingen hat die Gemeinde Westerkappeln aktuell nur 50 Prozent des Solls aufgenommen. Auch die Erfüllungsquoten in den Nachbarkommunen liegen nach Daten der zuständigen Bezirksregierung Arnsberg teilweise deutlich unter 100 Prozent:

• Ibbenbüren: 59%

• Lotte: 77%

• Mettingen: 64%

• Recke: 63%

• Tecklenburg: 35%

Übererfüllt haben die genannten Kommunen – bis auf Tecklenburg – dagegen ihr Soll bei der Aufnahme von Flüchtlingen, über deren Asylantrag noch nicht abschließend entschieden wurde:

• Westerkappeln: 121%

• Ibbenbüren: 186%

• Lotte: 115%

• Mettingen: 189%

• Recke: 129%

• Tecklenburg 95% fk

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