Podiumsdiskussion zu Reaktivierungsplänen Nordbahn-Gegner machen in Westerkappeln mobil

Von Katja Niemeyer

Wortmeldungen ohne Ende: Bei der Podiumsdiskussion zur geplanten Reaktivierung der Tecklenburger Nordbahn hagelte es Kritik. Die Gegner stellten die prognostizierten Fahrgastzahlen und die Investitionssumme in Frage. Fotos: Katja NiemeyerWortmeldungen ohne Ende: Bei der Podiumsdiskussion zur geplanten Reaktivierung der Tecklenburger Nordbahn hagelte es Kritik. Die Gegner stellten die prognostizierten Fahrgastzahlen und die Investitionssumme in Frage. Fotos: Katja Niemeyer

Westerkappeln. Von einer „positiven Grundstimmung“, die nach Überzeugung des Westerkappelner SPD-Fraktionschefs Frank Sundermann in der Gemeinde hinsichtlich einer Reaktivierung der Tecklenburger Nordbahn herrscht, war bei der Podiumsdiskussion am Mittwochabend fast nichts zu spüren. Im Gegenteil: Während der zweieinhalbstündigen emotionsgeladenen Veranstaltung hielten zahlreiche Gegner mit ihrer Kritik an dem Vorhaben nicht hinterm Berg.

Die Vertreter des Zweckverbandes SPNV Münsterland (ZVM) und der Westfälischen Landes-Eisbahn (WLE) hatten einen schweren Stand auf dem Podium. Zu der öffentlichen Veranstaltung hatte der SPD-Ortsverein ins Gasthaus Schröer eingeladen. Gekommen waren rund 80 Bürger, ein Großteil von ihnen lehnt das Vorhaben wohl rundheraus ab. Armin Kirsch vom Arbeitskreis „Bus statt Bahn“ konnte sich so des Rückhalts aus den Zuschauerreihen gewiss sein. Erst zum Schluss der Diskussion meldeten sich ein paar wenige Befürworter zu Wort.

Kirsch brachte die Argumente der Gegner routiniert vor. Die Veranstaltung war nicht die erste seit Gründung des Arbeitskreises vor rund fünf Monaten, bei der er die öffentlichkeitswirksamen Aktionen der Gruppe vorstellte. Seine Vorwürfe: Unseriöses Gutachten, geschönte Fahrgastzahlen, Planungsfehler, fehlende Wirtschaftlichkeit, Verkehrschaos, lange und umständliche Fahrten – Kirsch geriet im Laufe seines Vortrages geradezu in Fahrt bei der Aufzählung. „Wir lassen uns nicht von Auswärtigen vorschreiben, was für uns Wohn- und Lebensqualität bedeutet“, rief er den Zuschauern zu. Der Applaus war ihm sicher.

Zweifel an Investitionen

Ebenso erwartungsgemäß wurde von den Gegnern die Investitionssumme von rund 35 Millionen Euro in Zweifel gezogen. Ein Zuschauer wollte wissen, ob darin überhaupt die notwendigen Grundstückskäufe entlang der Strecke zwischen Recke und Lotte enthalten sind. „Das ist alles inklusive“, stellte Johann Ubben von der WLE fest. Nur die Bereiche für den Park-und-Ride-Verkehr und für Fahrradplätze müssten extra bezahlt werden. Dies sei aber Aufgabe der jeweiligen Kommunen.

Zugleich machte der WLE-Bereichsleiter keinen Hehl daraus, dass es sich zum jetzigen Planungsstand noch um eine geschätzte Summe handelt. Den Einwurf, dass die Zahlen schön gerechnet worden seien, um auf einen Kosten-Nutzen-Indikator von über 1 zu kommen, ließ Ubben nicht gelten. Nach den Berechnungen der Planer beträgt der Indikator 1,12. Um die Investition begründen zu können, muss der Wert mindestens eins betragen.

Zu hoch gegriffenen Fahrgastzahlen?

Zu hoch gegriffen sind nach Ansicht der Gegner auch die prognostizierten Fahrgastzahlen. Die Planer gehen von täglich 5600 Fahrten aus. „So viele Berufspendler gibt es in den Orten entlang der Strecke laut Statistik nicht“, gab eine Zuschauerin zu Bedenken. „Das mag sein“, räumte ZVM-Angebotsplaner Markus Rümke ein. „Aber: Die Pendler wären nicht die einzigen, die den Zug nutzen würden, hinzu kommen zum Beispiel Schüler und Studenten sowie jene, die zum Einkaufen in die Stadt fahren wollen.“

In Frage gestellt wurde auch die den Planungen zugrunde liegende Höchstgeschwindigkeit von 80 bis 100 Stundenkilometern. Derart hohe Geschwindigkeiten, meinte Kirsch zu wissen, seien auf der Strecke nicht zulässig. „Richtig“, erwiderte Ubben. „Aber natürlich wird diese Begrenzung im Zuge des Ausbaus nach oben hin verschoben. Auch deshalb läuft derzeit ein Planfeststellungsverfahren.“

Zweifel, Zweifel, Zweifel ...

Misstrauisch machen die Gegner offenbar darüber hinaus die errechneten Haltezeiten an den Bahnhöfen sowie die Schießzeiten an den Bahnübergängen. Dass ein Zug jeweils nicht länger als 42 Sekunden am Bahnsteig steht, um Fahrgäste rein- und rauszulassen, wollen sie nicht glauben. Auch dass eine Schranke bei Durchfahrten zwischen 42 und 47 Sekunden unten ist, halten sie für unrealistisch. Ubben ließ sich jedoch nicht beirren: „Die Zeiten sind gesetzt“, stellte der WLE-Mann fest.

Als ein weiteres Manko wird der Wegfall der Schnellbuslinie 10 (S 10) gesehen. Der frühere Bürgermeister Ullrich Hockenbrink meldete sich zu Wort und regte den Erhalt dieser Linie zumindest von Westerkappeln aus an. Die R 11 wird bekanntermaßen als Zubringerbus zum Bahnhof fortgeführt. Die Nachtbusse fahren derweil wie gewohnt weiter, betonte der ZVM-Vertreter Rümke.

Für Unmut hat bei einigen Zuschauern auch gesorgt, dass der Rat der Gemeinde den weiteren Planungen für die Wiederbelebung mit großer Mehrheit zustimmte. „Wir befinden uns noch immer in einem ergebnisoffenen Prozess“, versuchte Sundermann zu beschwichtigen. Ohnehin würde die Entscheidung darüber, ob die Nordbahn in den Bedarfsplan aufgenommen wird, in Düsseldorf gefällt.

Bürgerinitiative Tecklenburger Nordbahn

Auch Georg Ostendorf, stellvertretender Vorsitzender der Bürgerinitiative Tecklenburger Nordbahn, mahnte zur Besonnenheit: „Ich habe Verständnis dafür, dass sich viele Anlieger der Bahnstrecke um Lärmemissionen sorgen.“ Diese Befürchtungen ließen sich aber entkräften, wenn man die geplanten Lärm- und Erschütterungsmaßnahmen berücksichtige.

Und es gibt auch weitere Befürworter: So ergriff Susanne Hehemann das Wort und berichtete von ihren täglichen Fahrten mit der S 10 zur Arbeit nach Osnabrück. Diese würden wegen des zunehmenden Verkehrs immer länger dauern. Insofern, so Hehemann, die für die CDU ein Ratsmandat hat, „wäre ich sehr dankbar, wenn die Bahn kommt“. Nach derzeitigem Planungsstand würde eine Fahrt von Westerkappeln zum Hauptbahnhof Osnabrück 17 Minuten dauern. Zum Vergleich: Der S 10 benötigt mehr als eine halbe Stunde.