Mit Hündin Jule im Tierheim Zungenkuss für die Besucher in Lengerich

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Lengerich/Westerkappeln. Jule arbeitet gewissenhaft und engagiert im Tierheim Tecklenburger Land des Tierschutzvereins Lengerich/Westerkappeln e.V.. Ihre Aufgaben sind vielfältig: Besucher mit Zungenkuss begrüßen, Büro hüten, Heruntergefallenes in der Futterküche aufschlabbern. Aufschlabbern? – Tatsächlich, denn Jule ist nicht etwa Tierpflegerin sondern die Hündin der Tierheimleiterin Cornelia Backhaus.

Vor dem heiß ersehnten, deftigen Frühstück aus dem großen Futternapf im Büro, ist es um 8.40 Uhr Zeit für die erste Runde durch das ländlich gelegene Tierheim. Labrador-Deutsch Drahthaar-Mischling Jule scharwenzelt aufgeregt hinter ihrer Halterin Cornelia Backhaus her und begrüßt hier und da einen der vielen Tierheim-Insassen. 12 Hunde, 60 Katzen und ein Kaninchen warten dort derzeit auf ein neues Zuhause.

Doch noch interessanter als die eigentlichen Tierheimbewohner ist West Highland Terrier Hetty, die nun auf das Areal tapselt. Ihre Besitzerin arbeitet ebenfalls im Tierheim. Jule und Hetty sind tierisch gute Freunde und passen vormittags gemeinsam auf, dass niemand die Schlüssel im Büro der Tierheimleitung klaut. Cornelia Backhaus kann sich auf ihre Hündin verlassen.

(Tier-)Liebe auf den ersten Blick

Vor siebeneinhalb Jahren kam Jule zusammen mit sieben anderen Welpen im Tierheim in Lengerich auf die Welt. Genau wie ihre Geschwister eroberte sie prompt das Herz neuer Besitzer. Doch Jule stand kein großer Umzug bevor, verguckte sich doch die Tierheimleiterin höchstpersönlich in sie. Die gelernte Tierarzthelferin Cornelia Backhaus war 2003 der Liebe wegen aus Gelsenkirchen nach Lienen gezogen, wo sie zunächst als Schwangerschaftsvertretung in verschiedenen Tierarztpraxen arbeitete. 2008 übernahm sie die stellvertretende, 2014 dann die volle Leitung des Tierheims Tecklenburger Land.

Gerade war Cornelia Backhaus Collie-Schäferhund Lesley gestorben, da blinzelten ihr Jules noch klitzekleine Knopfaugen entgegen. „Als die Welpen dann mit neun Wochen soweit waren, dass sie an die neuen Besitzer abgegeben werden konnten, läutete ich 14 Tage Urlaub ein, damit Jule und ich uns in Ruhe aneinander gewöhnen konnten“, erinnert sich die Leiterin. Heute sind sie ein eingespieltes Team. Jule kennt ihre Aufgaben und die täglichen Abläufe, zu denen auch ihr Mittagsspaziergang mit Ehrenamtlerin Brigitte Wißgott gehört.

Neun ehrenamtliche Damen und ein Herr kommen jeden Tag in das Tierheim am Setteler Damm, um den Vierbeinern ein wenig Auslauf und Abwechslung zu verschaffen. Das lässt sich Jule nicht entgehen und macht neben den Tierheimbewohnern gerne ebenfalls von dem Gassi-Angebot gebrauch. „Natürlich dürfen auch andere Besucher die Hunde ausführen“, erklärt Cornelia Backhaus. Um den Tieren eine größtmögliche Chance auf Vermittlung zu geben, hat das Tierheim täglich geöffnet: Montag bis Freitag von 15 bis 17.30 Uhr sowie Samstag und Sonntag von 13 bis 16 Uhr. Wer mit einem Hund Gassi gehen möchte, wird zunächst mit den „Spaziergänger-Regeln“ vertraut gemacht, zu denen es auch gehört, die Hunde nicht nebenbei zu füttern, da einige von ihnen an Durchfall leiden und nur spezielles Diätfutter erhalten.

Hündin mit Model-Qualitäten

Manchmal kommen Kindergarten- oder Schulgruppen in das Tierheim. Nach einer Führung und dem großen Tier-Quiz darf das Abschlussfoto nicht fehlen. Hier ist erneut Jules Einsatz gefragt, denn für ein paar Hundekekse, verabreicht von begeisterten Kindern, entwickelt die kesse Hündin wahre Model-Qualitäten. Mit dem Kontrollrundgang gegen 18.30 Uhr und einem damit verbundenen, angenehmen Abstecher in die Futterküche endet Jules Arbeitstag. Manchmal!

„Ende Mai ist wieder Saison für den Katzennachwuchs. Erfahrungsgemäß werden dann viele Fundkatzenwelpen bei uns abgegeben, die wir Mitarbeiter alle zwei Stunden mit der Flasche versorgen müssen und die wir deswegen auch abends mit nach Hause nehmen“, berichtet Cornelia Backhaus. Die kleinen Kätzchen im privaten Wohnzimmer wecken Jules Mutterinstinkte. Fürsorglich schleckt sie die haarigen Wesen ab und spendet ihnen Körperwärme anstatt den Abend dösend in ihrem Körbchen ausklingen zu lassen. Für Irritation bei der Hündin sorgte einmal ein vier Tage junges Kitz. „Der kleine Rehbock George wurde in Absprache mit dem zuständigen Jagdpächter bei uns im Tierheim als Notfall aufgenommen. George war neugierig und suchte Kontakt zu Jule. Dabei hatte meine Hündin mehr Angst vor dem kleinen Bock als er vor ihr“, erinnert sich die Tierheimleiterin lächelnd. Generell sei es nicht sinnvoll, Wildtiere an Hunde zu gewöhnen, aber im speziellen Fall von George hatte Jules Anwesenheit den Vorteil, dass er wieder anfing Nahrung zu sich zunehmen.

Öffnungszeiten und Erreichbarkeit

Das Tierheim in Lengerich nimmt Wildtiere nur im Notfall für ein bis zwei Tage auf, um sie dann an zuständige Wildtierstationen weiter zu leiten. Andere Fundtiere können nach telefonischer Anmeldung im Tierheim abgegeben werden. Damit die Kapazitäten nicht gesprengt werden, haben Tierheime Zuständigkeitsbereiche für Fundtiere. Beim Tierheim Tecklenburger Land sind dies Lengerich, Greven, Westerkappeln, Hagen a.T.W., Ladbergen, Hopsten und Tecklenburg mit den Ortsteilen Leeden, Ledde und Brochterbeck. Telefon: 05481/4146, Bereitschaftsdienst von 18 Uhr abends bis 6 Uhr morgens: 05404/3520.


Jules Hundekumpel suchen dringend ein neues Zuhause!

Münsterländer-Mix Timmy (*2011) und Jack Russel Snoopy (*2012)

Die beiden freundlichen Rüden lieben Streicheleinheiten und viel Bewegung. An ihrer Erziehung muss noch gearbeitet werden. Der etwas ruhigere Timmy und der agile Snoopy sind beste Freunde und sollten daher, wenn möglich, zu zweit vermittelt werden.

Bernersennenhund-Mix Rico (*2015)

Der ängstliche Rüde braucht einen Menschen, der ihm Sicherheit gibt. Dabei fühlt sich Rico bei Frauen wohler, als bei Männern. Erstmal Vertrauen gewonnen, weicht Rico seiner Besitzerin nicht mehr von der Seite. Aufgrund seiner früheren Lebenssituation kennt er es aber auch, mal alleine zu bleiben.

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