Keine Notlösung Erster Kunsthandwerkermarkt in Westerkappeln

Von Katja Niemeyer

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Westerkappeln. „Hoffentlich kommt der Markt im nächsten Jahr wieder zurück nach Hollage.“ Was die Frau, die ihren Namen lieber nicht in der Zeitung lesen will, am Sonntag aussprach, mögen wohl so manche Besucher des Kunsthandwerkermarktes gedacht haben.

Wie berichtet, war der Veranstalter mit dem Markt ins Westerkappelner Schulzentrum ausgewichen, nachdem die Gemeinde Wallenhorst, zu der Hollage gehört, hierfür keine Genehmigung erteilt hatte. Hintergrund ist ein Urteil des Oberverwaltungsgerichts Lüneburg, das gewerbliche Sonntagsmärkte neuerdings in Niedersachsen verbietet.

Nach NRW ausgewichen

Das Lengericher Veranstaltungsbüro Grawe & Osterbrink hatte deshalb entschieden, mit dem Markt nach Nordrhein-Westfalen, ins nur wenige Kilometer entfernte Westerkappeln umzuziehen, wo es eine derartige Regelung nicht gibt.

Trotz dieser unerfreulichen Vorgeschichte – das Büro musste kurzfristig umdisponieren – zeigte sich Mit-Veranstalter Michael Osterbrink aber weitestgehend zufrieden. „Der Standort Westerkappeln ist keinesfalls nur als Notlösung anzusehen“, stellte er fest. „Die Gemeinde ist schließlich auch kein Neuland für uns.“ Sein Büro organisiert auf dem Gelände des Schulzentrums regelmäßig Trödelmärkte.

Etwa 1500 Besucher

Und so ging das Markttreiben seinen gewohnten Gang. Rund 80 Händler boten ihre selbst gemachten Artikel an, darunter jede Menge Schmuck, Handarbeiten und Holzschnitzereien. Gut möglich, dass sich vor den Ständen neue Kunden tummelten, die womöglich nicht nach Hollage gefahren wären. Osterbrink schätzt, dass zwischen 1000 und 1500 Menschen durch die Gänge der Schule schlenderten.

Einige von ihnen kamen von weit her: Doreen Sauer etwa reiste von Cloppenburg an. Die 45-Jährige ist eine passionierte Kunsthandwerkermarkt-Besucherin. „Mein Mann und ich haben ein Landhaus gebaut und benötigen hierfür immer wieder passende Deko-Artikel“, erläutert sie.

Zufriedene Gesichter

Auch die Hollagerin Sabine Weber besucht, wie sie sagt, „immer mal wieder“ Kunsthandwerkermärkte in der Region. Zusammen mit ihrer Tochter Desideria hat sie an diesem Nachmittag bereits einen Kettenanhänger, eine Klappkarte und eine Dekostange für ihr Hochbeet erstanden. „Es wäre natürlich schöner gewesen, wenn der Markt in Hollage stattgefunden hätte. Aber nach Westerkappeln ist es zum Glück nicht weit“, findet Sabine Weber.

Aussteller Wolfang Hömmeke ist derweil ganz zufrieden mit dem neuen Standort – und das vor allem aus logistischer Hinsicht. Seine großen dekorierten Weidezaunpfähle aus Eichenholz habe er vom Parkplatz vor dem Schulzentrum aus gut zu seinem Stand transportieren können, berichtet der gelernte Autoschlosser, der die Holzarbeiten im Nebengewerbe fertigt, und aus dem Emsland kommt.

Ganz wohl scheint sich auch das holländische Paar zu fühlen, das auf einem Tisch jede Menge selbst gemalte bunte Bilder ausgebreitet hat. Sie alle stammen aus der Feder von Hans Augustijn. Seine Figuren sind äußerst rundlich, manche hat er garniert mit flotten Sprüchen. „Ich habe immer gemalt in meinem Leben“, erzählt der 73-jährige Rentner, der früher sein Geld als kaufmännischer Angestellter verdiente. Zu dem Markt ist er an diesem Morgen zusammen mit seiner Frau aus Losser angereist.

Einen weiten Weg hatte auch Helga Bücker. Es war früh am Morgen, als sie vor ihrem Haus im Emsland das Auto mit ihren selbst genähten Tücher, Lätzchen, Schürzen und Teddys belud. „Handarbeiten ist mein Hobby“, erzählt sie und näht währenddessen und ohne aufzublicken an einer weiteren Schürze.

Bislang wenig Erfahrung mit Kunsthandwerkmärkten hat unterdessen Heinz Böwer. Der gelernte Tischler hat durchaus außergewöhnliche Deko-Artikel vor sich aufgebaut. Die Bücher und Schatullen aus Holz können zum Teil mit einer Gravur versehen werden und würden sich gut machen in einer Vitrine, wie der Handwerker betont. Die Diskussion um den Standort berührt ihn weniger. „Ich möchte einfach mal testen, ob meine Artikel bei den Menschen ankommen.“

Westerkappeln forever?

Und auch Mitveranstalter Michael Osterbrink will zunächst Besucher-Resonanz und Zufriedenheit der Händler analysieren. Erst dann werden er und sein Kompagnon Pläne für eine mögliche zweite Auflage ihres Marktes in Westerkappeln machen. „Da müssen wir erst einmal Bilanz ziehen.“


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