Nach dem Brand in dem Orientladen Explosion in Westerkappeln: Polizei ermittelt wegen versuchter Tötung

Von Frank Klausmeyer

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Trümmerhaufen: Die Fassade und das Inventar des Orientladens wurden vollkommen zerstört. Foto: Frank KlausmeyerTrümmerhaufen: Die Fassade und das Inventar des Orientladens wurden vollkommen zerstört. Foto: Frank Klausmeyer 

Westerkappeln. Einen Tag nach der Explosion in dem Orientladen am Kreuzplatz in Westerkappeln stehen noch immer viele Passanten fassungslos vor der Brandruine und fragen sich, was da passiert ist. Das will auch die Polizei wissen, die jetzt die vielen Spuren und Zeugenaussagen auswertet.

Zum Stand der Ermittlungen, die das Polizeipräsidium in Münster noch am Mittwochmorgen an sich gezogen hat, will dessen Sprecher Andreas Bode nicht viel sagen. Es werde weiter in alle Richtungen ermittelt. ( Weiterlesen: Orientladen in Westerkappeln durch Explosion zerstört)

Spurensuche weitgehend abgeschlossen

Die Spurensuche am Tatort ist weitgehend abgeschlossen. Die verkehrsberuhigte Zone im Westerkappelner Ortskern ist am Donnerstagmorgen wieder für den Verkehr freigegeben worden. Bis auf einige Glasscherben an den Hausecken hat der Bauhof der Gemeinde das Pflaster besenrein hinterlassen. Die Brandstelle bleibe aber vorerst weiter beschlagnahmt und dürfe – außer von der Polizei – nicht betreten werden, sagt Bode.

Unklar ist noch, wodurch die gewaltige Explosion ausgelöst wurde, die solche eine Wucht hatte, dass Fenster samt Rahmen und sogar Klinkersteine aus der Wand gerissen wurde. Dass niemand verletzt wurde, insbesondere die Familien, die über dem Orientladen wohnen, grenzt da schon an ein Wunder. Deshalb ermittelt die Polizei nicht nur wegen schwerer Brandstiftung, sondern auch wegen versuchter Tötung.

Keine Anzeichen für technischen Defekt

Anhaltspunkte für eine technische Ursache gibt es jedenfalls keine, betont Bode. Dafür, dass die Explosion und das Feuer vorsätzlich herbeigeführt wurde, spreche auch der Umstand, dass Zeugen zwei Personen vom Tatort haben weglaufen sehen. Zur Spurensuche wurde deshalb am Mittwoch auch ein sogenannter Mantrailer eingesetzt, die aufgrund seiner hochsensiblen Nasen darauf trainiert ist, nach menschlichen Gerüchen zu schnuppern.

Auch Sprengstoffhunde wurden laut Bode eingesetzt. Ob die Täter Benzin oder einen anderen Brandbeschleuniger oder einen Sprengstoff verwendet haben, müsse untersucht werden. „Da ist ja nur Asche übrig geblieben. Bis dazu Erkenntnisse vorliegen, kann es Tage dauern“, bittet Bode um Verständnis, dass die Polizei Zeit braucht.

Gibt die Videokamera Hinweise?

Im Umfeld des Tatortes gibt es an einem Haus eine Videokamera, die das Geschehen in der unmittelbaren Nähe rund um die Uhr aufzeichnet. Möglicherweise wurden auch der oder die Täter gefilmt. Die werde nun ausgewertet, bestätigt der Polizeisprecher.

Die Motivlage bleibt ebenfalls noch unklar. Ein fremdenfeindlicher oder rechtsextremistischer Hintergrund wird nicht ausgeschlossen. Der Inhaber des Orientladens hatte sich in der Vergangenheit mehrfach bei der Polizei gemeldet, weil Unbekannte Müllgefäße neben dem Geschäft mit Hakenkreuzen beschmiert haben. Bode bestätigt das. Deshalb ermittele der Staatsschutz auch in diese Richtung. „Ob es da aber einen Kontext gibt, muss man abwarten.“

Betreten verboten: Für die Brandstelle hat die Staatsanwaltschaft ein vorläufiges Betretungsverbot angeordnet. Foto: Frank Klausmeyer

Politischer Hintergrund?

Denkbar ist ebenfalls ein politischer Hintergrund, weil der Ladenbesitzer – ein Deutscher – kurdische Wurzeln hat. All das sind gegenwärtig nur Spekulationen.


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