Wetter hindert Landwirte „Gülle-Silvester“ ist in Westerkappeln ausgefallen

Von Frank Klausmeyer

Gülle ausfahren ist derzeit kaum möglich. Die Böden sind viel zu nass. Und nächste Woche soll es Dauerfrost geben. Schleppschläuche wie auf diesem Bild sind schon heute immer häufiger beim Düngen im Einsatz. Das Verteilen mit einem Prallteller ist nur noch bis nächstes Jahr erlaubt.Foto: Philipp Schulze/dpaGülle ausfahren ist derzeit kaum möglich. Die Böden sind viel zu nass. Und nächste Woche soll es Dauerfrost geben. Schleppschläuche wie auf diesem Bild sind schon heute immer häufiger beim Düngen im Einsatz. Das Verteilen mit einem Prallteller ist nur noch bis nächstes Jahr erlaubt.Foto: Philipp Schulze/dpa

Westerkappeln. Um diese Jahreszeit liegt über der Gemeinde nicht selten dicke Landluft. Denn die Bauern dürfen seit dem 1. Februar wieder mit dem Düngen ihrer Felder beginnen – theoretisch. Denn „Gülle-Silvester“, wie die Landwirte den Stichtag nennen, ist dieses Mal ersatzlos ausgefallen. Auf vielen Äckern steht das Wasser nach den ergiebigen Regenfällen der vergangenen Wochen blank.

„Im Moment geht gar nichts“, sagt Friedrich Brenningmeier, der am Donnerstag bei einer Versammlung der Landwirte aus Westerkappeln und Lotte zum neuen Ortslandwirt (Westerkappeln-Nord) gewählt wurde. Nicht nur drohen die Bauern mit ihren tonnenschweren Traktoren und Güllefässern im Morast zu versinken, auch sei das Düngen auf den nassen Flächen gar nicht erlaubt. „Der Boden nimmt die Gülle nicht auf, die fließt so ab.“ Wenn die Jauche dann in den Gräben landet, wäre der Umweltskandal perfekt. Mehr aus Westerkappeln lesen Sie hier.

Bis zum Hals

Dabei steht den meisten Betrieben der flüssige Dung sprichwörtlich bis zum Hals. „Die Gülle-Silos sind bis zum Kragen voll“, bestätigt der Seester Landwirt. Viele Kollegen suchten deshalb dringend nach anderen Lagermöglichkeiten. Wer da auf einem anderen Hof nicht fündig wird, bekommt ein Riesenproblem.

Mit Blick auf die Wetteraussichten werden die Sorgenfalten der Bauern größer. Der große Regen ist zwar wohl vorbei, aber ab der nächsten Woche soll es Dauerfrost geben. „Seitdem die neue Düngeverordnung in Kraft getreten ist, dürfen wir auch auf Schnee und gefrorenen Böden nicht mehr ausfahren“, berichtet der 60-Jährige.

Gülle separieren

Bullenmäster wie er können vielleicht noch improvisieren und die Gülle separieren. Dabei wird das Wasser entzogen und übrig bleibt eine Art Humus. Das Wasser könne dann in öffentliche Gewässer geleitet werden, erläutert Brenningmeier. Dieses Verfahren kostet aber. Schweinegülle lasse sich dagegen nicht separieren. Diese Mäster stehen folglich derzeit besonders unter Druck.

Das aktuelle Problem überlagert derzeit noch die anderen Auflagen, mit denen die Landwirte infolge der im vergangenen Jahr in Kraft getretenen neuen Düngeverordnung zu kämpfen haben. Künftig müssen sie, bevor sie auf die Felder fahren, eine Bedarfsberechnung für den Stickstoff vornehmen. Friedrich Brenningmeier erläutert am Beispiel Weizen, was das für die Bauern bedeutet: Auf der Anbaufläche könnten etwa 200 Kilogramm Stickstoff aufgebracht werden. „Jetzt muss man die Stickstoffmengen, die noch im Boden sind, wieder abziehen.“

Vorbelastung

Die „Vorbelastung“ teile die Landwirtschaftskammer mit, die dazu gebietsweise Messungen vornehme; eine Messstation gebe es in Mettingen. Wenn nun 20 Kilo Stickstoff vom letzten Jahr im Boden sind, dürften folglich nur noch 180 Kilo aufgebracht werden. Eine Rolle bei der Bedarfsberechnung spiele auch, welche Vorfrüchte – beispielsweise Mais oder Getreide – angepflanzt waren, sagt der Ortslandwirt. „Das alles muss dokumentiert und vorgelegt werden, wenn der Prüfer der Landwirtschaftskammer kommt.“ Fehlt die Bedarfsberechnung oder ist diese fehlerhaft, müsse der Landwirt sich auf eine Kürzung von EU-Prämien einstellen.

Die neue Düngeverordnung bringt auch technische Veränderungen mit sich: Beim Thema Gülle haben viele Fässer vor Augen, die die Jauche in alle Himmelsrichtungen spritzen. Mit dieser schon jetzt immer weniger genutzten Praxis ist bald ganz Schluss. Sogenannte Prallverteiler sind nur noch bis zum kommenden Jahr erlaubt. Ab 2020 darf die Gülle nur noch mit Schleppschläuchen streifenförmig auf den Boden abgelegt werden oder die Erde wird aufgeschlitzt und der Dünger in den Untergrund regelrecht injiziert. Das habe durchaus Vorteile, betont Brenningmeier. Außerdem rieche es nicht mehr so.

Warten auf besseres Wetter

Probleme wie jetzt werden dadurch aber auch nicht gelöst: Bei nassen Böden und bei Schnee und Eis müssen die Bauern weiter auf trockenes und mildes Wetter hoffen.