Die Krimm liegt unterm Gattenhüwel In Westerkappeln um die Welt

Von Astrid Springer


Westerkappeln. Wer mit Fernweh durch die Lande reist und etwa ins Elsass oder nach England will, muss aufpassen, dass er nicht in Westerkappeln auskommt.

Flurstücke und Äcker tragen seit langem Namen - zur besseren Orientierung und Regelung von Grundbesitz. Die Benennungen gehen zumeist auf Eigentümer, Beschaffenheit des Untergrunds, den Einfluss von Wasser, Bewuchs, Tiere oder die Lage im Gelände zurück. Darüber hinaus gibt es aber auch Fluren, die nach fernen Ländern benannt sind - in Westerkappeln auffallend viele.

In Westerkappeln um die Welt

Beispielsweise gelangt man auf der Heerstraße ins Elsass, England liegt in der tiefsten Telgter Mark. Dazu gesellen sich Jerusalem und Brunsilien, in Westerbeck kann man über’n Jordan gehen, in Sennlich gen Nazareth und in Metten nach Golgatha. Vom Velper Gattenhüwel abwärts landet man direkt auf der Krimm, und kann noch weiter im Süden unterm Osterberger Hagenberg in Port Artur anlanden.

Das Ausland beginnt außen

So viel Ausland in der kleinen westfälischen Gemeinde erstaunt und auch die Verteilung auf dem Gemeindegebiet macht zunächst stutzig. Kannten sich die Cappelner so wenig in der Welt aus? Bei näherer Betrachtung fällt die Gemeinsamkeit auf: Nahezu alle Fluren liegen weit draußen im Außenbereich.

Das Elsass war beispielsweise 1827 das äußerste, zusammenhängend gerodete Gebiet vor der Waldfläche an der Heerstraße. In Richtung Recke gab es nur noch zwei sehr kleine Flurstücke im Wald, die denn auch mit den unmissverständlichen Namen ‚weiteste Zuschlag‘ bezeichnet sind, noch weiter draußen kam also nichts mehr.

Ähnlich verhält es sich mit den anderen Flächen: Sie liegen fast alle an den Rändern der Marken und damit in Grenzbereichen der Gemeinde. Und hier erschließt sich auch der Zusammenhang; die weit entfernten Fluren wurden kurzerhand nach fernen Ländern benannt.

Ausnahmen zur Regel

Ausnahmen bestätigen auch hier die Regel: So geht Brunsilien mitnichten auf Brasilien zurück, sondern es dürfte sich um das Land eines Bruno gehandelt haben. Die Franzousenwiske wie der zugehörige Franzousengraawen bekamen durch Franzosen ihren Namen, denn letztere mussten während Kriegszeiten das Flurstück roden und den Graben ausheben.

Für alle anderen Benennungen ist die exponierte Lage der Flächen als Erklärung anzusetzen. Solche exotischen Namen findet sich auch anderenorts, beispielsweise gibt es bei Hopsten die Bauerschaft Ägypten und nicht nur im Münsterland Fluren namens Amerika, in Brandenburg heißt sogar ein ganzer Ort nach dem großen Kontinent.

Im Sprachgebrauch heute noch üblich

Noch heute benutzen wir solche Bezeichnungen für entlegene Gebiete wie selbstverständlich. Und doch weiß jeder: Wer in die Karpaten fährt oder in der Walachei unterwegs ist, ist dabei in den seltensten Fällen auf dem Weg nach Rumänien.