Pionier will kürzer treten Westerkappelner Praxis Dialog unter neuer Leitung

Von Frank Klausmeyer

Die Schlüsselgewalt für die Praxis Dialog hat Karl-Heinz Homburg jetzt an Alexandra von der Heide, Ann-Christin Jasper, Sabine Traeger und André Hermann (von links) übergeben. Homburg wird aber weiter mit Gudrun Lüpping (ganz links) das Förderzentrum Dialog leiten. Seine Therapiehündin „Sally“ bleibe ebenfalls da. Foto: Frank KlausmeyerDie Schlüsselgewalt für die Praxis Dialog hat Karl-Heinz Homburg jetzt an Alexandra von der Heide, Ann-Christin Jasper, Sabine Traeger und André Hermann (von links) übergeben. Homburg wird aber weiter mit Gudrun Lüpping (ganz links) das Förderzentrum Dialog leiten. Seine Therapiehündin „Sally“ bleibe ebenfalls da. Foto: Frank Klausmeyer

Westerkappeln . Für Neubauprojekte sind am Ende Schlüsselübergaben üblich. Obwohl er nicht einen einzigen Stein versetzt hat, bedient sich Karl-Heinz Homburg dieser Symbolik jetzt auch gerne. Denn der 64-Jährige will nicht länger Hausherr in der von ihm gegründeten Praxis Dialog sein. Die Schlüsselgewalt haben fortan andere.

Westerkappeln. Ein rechtlich durchaus bedeutsamer Schritt, der für die Patienten und Klienten der Praxis jedoch keine Veränderungen bedeutet. „Es bleibt alles, wie es ist“, betonen die jetzt Verantwortlichen unisono.

Homburg hat auf seinem Fachgebiet Pionierarbeit in Westerkappeln geleistet. Am 1. März 1999 eröffnete er an der Alten Poststraße 2 seine Logopädie-Praxis und das Förderzentrum Motopädie für Bewegungstherapien. „Als ich angefangen habe, kannte das keiner“, blickt er schmunzelnd zurück. Der Kreis Steinfurt wollte seinerzeit die Sprachförderstellen in den Schulen abbauen. „Das hat die Zulassung erleichtert“, erläutert der staatlich anerkannte Logopäde und Erzieher.

Obwohl seitdem in vielen Orten zahlreiche neue Anbieter für Logopädie und Ergotherapie in den Markt getreten sind, ist die Praxis Dialog in Westerkappeln weiter alleiniger Platzhirsch. „Für Mitbewerber sind wir zu dominant“, meint Homburg. Das liege vor allem am vielfältigen Angebot. In der Praxis Dialog haben sich die Fachbereiche interdisziplinäre und heilpädagogische Frühförderung, Motopädie, Logopädie, Ergotherapie, Lerntherapie und Psychotherapie mit den Jahren unter einem Dach vereint. Durch die umfangreiche fächerübergreifende Arbeit könnten Beeinträchtigungen und Bedrohungen gezielt erkannt und behandelt werden, ohne wichtige Zeit zu verlieren, heißt es dazu auf der Homepage.

Das Therapiezentrum ist heute ein mittelständisches Unternehmen, in dem ein Team von rund 20 Fachleuten Hunderte kleine und große Patienten und Klienten aus Westerkappeln und Umgebung behandelt. Der Einzugsbereich reicht bis nach Mettingen, Recke, Bramsche und Osnabrück. Vor knapp vier Jahren wurde an der Alt-Lotter Bahnhofstraße eine Zweigstelle eröffnet. Unter den gleichen Adressen findet sich auch das Förderzentrum Dialog – ein eingetragener Verein, der insbesondere pädagogische, soziale, medizinische und psychologische Hilfen der frühen Entwicklungsförderung für Kinder im Alter bis zu sechs Jahren bietet. Der Verein ist auch anerkannter freier Träger der Jugendhilfe, Demenz-Beratungsstelle, unterstützt Schlaganfall-Patienten oder bietet in Alt-Lotte Reha-Sport für Parkinson-Erkrankte an.

„Ich habe auch die Behindertensportabteilung im THC gegründet“, sagt Homburg nicht ohne Stolz. Mit dem Haus der Diakonie nehmen der Verein und die Praxis Dialog an dem Projekt des Landessportbundes „Sport für Menschen mit Demenz“ teil. „Das Gesamtkonzept von der Frühförderung bis zur Altersdemenz muss man schon suchen“, hebt Homburg die Einzigartigkeit Praxis in der Region hervor.

„Weil die Probleme komplexer geworden sind, ist die interdisziplinäre Zusammenarbeit hier umso wichtiger und angenehmer“, betont auch Gudrun Lüpping, stellvertretende Vorsitzende des Förderzentrums Dialog. Homburg hat also eine Menge aufgebaut – im Team, wie er unterstreicht. Deshalb fällt es ihm auch nicht schwer, Verantwortung an die Kollegen abzugeben.

Die Arbeit scheint den Therapeuten in Zukunft jedenfalls nicht auszugehen. „Es gibt wissenschaftliche Untersuchungen, wonach die sozial-ökonomischen Veränderungen dazu führen, dass immer mehr Kinder Probleme haben“, erläutert Homburg. „Riesigen Bedarf“ sieht Ergotherapeut André Hermann auch bei der Beratung von Angehörigen Demenzerkrankter: „Das wird immer noch gerne tabuisiert.“


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