„Im Grunde haben Sie alles“ Westerkappeln kann sich als „Fairtrade-Town“ bewerben

Von Dietlind Ellerich

Faire Schokolade, fairer Wein: Auf Einladung der Gemeindeverwaltung war Beate Steffens zu Gast in Westerkappeln. Die Besucher mit fair gehandelten Produkten zu bewirten, war für die Referentin und Verwaltungsmitarbeiter Niklas Schulte selbstverständlich. Foto: Dietlind EllerichFaire Schokolade, fairer Wein: Auf Einladung der Gemeindeverwaltung war Beate Steffens zu Gast in Westerkappeln. Die Besucher mit fair gehandelten Produkten zu bewirten, war für die Referentin und Verwaltungsmitarbeiter Niklas Schulte selbstverständlich. Foto: Dietlind Ellerich

Westerkappeln. „Nur noch ein Schritt, dann hast du´s“, macht SPD-Frau Ellen Stalljohann Verwaltungsmitarbeiter Niklas Schulte Mut, die Bewerbung der Kommune um die Auszeichnung als „Fairtrade-Town“ endlich in die Wege zu leiten.

Die Kriterien seien erfüllt, zeigten sich die Frauen und Männer überzeugt, die am Mittwoch ins Rathaus gekommen waren. Auf dem Programm stand am Abend ein Themenvortrag von Beate Steffens vom Verein Humane Welt.

Die Promotorin für entwicklungspolitische Bildungsarbeit war auf Einladung der Verwaltung zu Gast, um einen Überblick über die mehr als 40 Jahre alte Fairtrade-Bewegung zu geben und die Entwicklung, Aktivitäten und Visionen des fairen Handels vorzustellen.

Nicht überzeugt

Im Mai 2016 war sie schon einmal in Westerkappeln zu Gast zu gewesen, um auf Einladung der SPD über die Kampagne „Fairtrade Town“ zu informieren. Von der ausführlichen Vorstellung des Fairtrade-Gedankens am Mittwoch waren einige der 30 Besucher irritiert. „Wie weit ist Westerkappeln?“, wollte Horst Meyer von Niklas Schulte wissen. Dessen Antwort, die Gemeinde stehe aus personellen Gründen „relativ am Anfang“, werde aber in diesem Jahr aktiv einsteigen, überzeugte nicht alle Besucher.

Zügiger vorankommen

Nicht nur Meyer, Wilfried Raddatz und Ellen Stalljohann wünschten sich, dass das Projekt ein bisschen zügiger angegangen werde, man „in die Pötte kommen“ solle, schließlich habe man schon vor 20 Jahren Fairtrade-Kaffee getrunken. „Im Grunde müssten sie doch alles haben“, stellte Beate Steffens mit Blick auf die fünf Kriterien fest, die die 11200-Einwohner-Gemeinde erfüllen muss, um Fairtrade-Kommune zu werden. Ein Ratsbeschluss war auf Antrag der SPD bereits im Dezember 2016 erfolgt. Im folgenden Frühjahr hatte sich die Steuerungsgruppe zum ersten Mal getroffen. Sie setzt sich aus Mitgliedern aus Handel, Politik und Gesellschaft, also Vereinen und Gruppen zusammen.

Fairtrade vor Ort

Fairtrade-Produkte im Sortiment von Handel und Gastronomie ist das dritte Kriterium. „Vier Geschäfte, eine Schule, eine Kirchengemeinde, ein Verein und zwei gastronomische Betriebe müssen jeweils mindestens zwei fair gehandelte Produkte anbieten“, bricht Steffens den Katalog auf Westerkappeln herunter. Vieles wie fair gehandelte Rosen oder Kleidung gebe es schon in der Gemeinde, wusste Ellen Stalljohann zu berichten.

Auch das vielfältige Engagement des Fördervereins Wespe sowie die Partnerschaft mit der namibischen Stadt Khorixas passe ins Konzept, bestätigte Steffens. Für anderes gibt’s gute Ideen. Faire Bananen zum Nachtisch in der Schule etwa oder Tee, Kaffee und Zucker im Ausschank und an Infoständen.

Fairtrade probieren, dafür machen sich in den kommenden Monaten einige Gruppen stark. So werden im März in der Frauenhilfe, im Sommer bei den Ökumenischen Zaunkiekern faire Produkte verkostet. Das von der Kampagne geforderte Engagement der Zivilgesellschaft (Kriterium Nummer 4) ist also vorhanden. Und die Verwaltung trinke fair gehandelten Kaffee, wies Niklas Schulte auf den Beitrag des Rathauses hin.

Mit der Berichterstattung der örtlichen Medien sei das fünfte und letzte Kriterium erfüllt, war sich Stalljohann sicher: „Fehlt nur noch die Bewerbung!“ Bevor er gemeinsam mit Steffens dazu einlud, fair gehandelte Schokolade, Nüsse und Wein zu probieren, versprach Schulte, „am Ball zu bleiben“.


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