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Schleiereulen in der Oberschule Unterricht der anderen Art in Werlte

Von PM. | 29.06.2016, 17:42 Uhr

Ein fauchender Karton war wohl der Höhepunkt des Vormittags an der Albert-Trautmann-Oberschule in Werlte: Zwei junge Schleiereulen, die der NABU Werlte/Sögel übergangsweise in Pflege genommen hat, begeisterten.

Berührungsängste gab es keine, problemlos griffen die Schüler zur Pinzette und versorgten den Eulennachwuchs mit bereitgestelltem Taubenbrustfilet. Wie die Schüler erfuhren, wurden sie als kleinste Nachkommen durch die Euleneltern nicht mehr versorgt und gehen nach ein paar Wochen „externer Pflege“ gestärkt wieder zurück zu ihrer Familie. Biologielehrerin Irmgard Neubert hatte den Kontakt zum NABU geknüpft.

Klaus Ruhe, Schulleiter der Albert-Trautmann-Schule Werlte, begrüßte den Biologieunterricht der anderen Art und bezeichnete ihn als „Bereicherung“. Eindrucksvolle Bilddokumente aus dem Hümmling zeigten Einblicke in das Phänomen Schleiereule, die zuvor wohl noch keiner der Schüler zu Gesicht bekommen hatte.

Wie zu erfahren war, werden die Eulenvögel in der Systematik der Vögel noch heute mit ihrem wissenschaftlichen Namen als „Hexen der Nacht“ bezeichnet. Dieses Relikt aus dem Mittelalter ist Ausdruck ihrer gut ausgestatteten Sinne, die die Wahrnehmungsqualitäten der Menschen um Vieles übertreffen. Im Dunkeln sehen, lautlos fliegen und auf 50 Meter Entfernung eine Maus hören – nicht nur für die Menschen in vergangener Zeit unbegreiflich.

Wie die interessierten Schüler erfuhren, sind die röhrenförmigen Augen unbeweglich im Schädel verankert. Die fehlende Beweglichkeit gleicht der Nachgreif durch eine überdurchschnittlich gute Beweglichkeit der Halswirbelsäule aus, die eine Kopfdrehung von 270 Grad erlaubt.

Noch faszinierender stellte sich die Sinnesleistung der Ohren dar. Schleiereulen seien als einzige Vertreter ihrer Spezies in der Lage, nur nach dem Gehör zu jagen, und das sogar noch zielgenauer als Fledermäuse. Grundlage dafür ist die Fähigkeit, den eintreffenden Schall auf eine 30.000stel Sekunde genau zu differenzieren, so der Referent.

Auch die außergewöhnlichen Krallen und besonderen Federn wurden thematisiert. Letztere ermöglichen den Eulen ihren lautlosen Flug: Hören und nicht gehört werden, die unschlagbaren Waffen der nächtlichen Jagd,hieß es. Mit großem Erstaunen erfuhren die Schüler, dass die modernen Windenergieanlagen diese Technik kopiert hätten. Genau wie bei einer Eulenfeder wird auch hier das Strömungsgeräusch durch einen gezähnelten Rand gebrochen und dadurch wesentlich leiser.

Die bevorzugte Beute der Schleiereulen seien Mäuse: Bis zu 60 Nager kann eine einzige Eulenfamilie nachts vertilgen. „Und wir alle sind diesen wundervollen Geschöpfen verpflichtet“, so der Referent. Denn besonders zu schaffen mache den nächtlichen Jägern die Versiegelung der Landschaft durch Mais. Seit 2011 sei der Bestand bundesweit rückläufig, so der Referent abschließend.