Vom „Big Apple“ auf den Hümmling Neue Lehrerin der Oberschule Werlte stammt aus New York



Werlte. Von der Weltmetropole auf den Hümmling: Die 22-jährige Jodi Kraushar aus New York City in de USA ist seit September als Fremdsprachenassistentin an der Oberschule in Werlte tätig.

Nach fast drei Monaten an der Albert-Trautmann-Schule (ATS) hat sich die junge Frau aus Manhattan eingelebt in der neuen Umgebung. Etwas Heimweh habe sie zwar noch, meint Kraushar im Gespräch mit unserer Redaktion, aber der tägliche Kontakt via Skype mit der Familie in den USA helfe.

Sie habe sich bewusst nicht für ein bestimmtes Bundesland entschieden, sondern wollte „irgendwo“ hin, so Kraushar. In Werlte angekommen, fiel ihr als erstes auf, „dass es hier nicht so chaotisch und laut ist wie in New York City“, so die 22-Jährige. Im Vergleich zum „Big Apple“ mit seinen knapp 19 Millionen Einwohnern sei es in Werlte hingegen ruhig, und die Leute grüßten sich auf der Straße – eine Tatsache, die der jungen Frau gut gefällt. „Für die Integration ist es hilfreich“, sagt Kraushar, die schon viele nette und hilfsbereite Menschen kennengelernt hat.

Biertrinker-Klischee erfüllt

Kurz nach ihrer Ankunft wurde sie dann gleich von einigen Kollegen mit auf die Werlter Kirmes genommen. Ein Besuch im Festzelt bestätigte ein altes Vorurteil: „Die Deutschen trinken viel Bier“, sagt Kraushar und lacht. Ansonsten habe sie aber schnell gemerkt, dass es am Wochenende in Werlte auch schnell mal langweilig werden könne. So habe sie sich ein WG-Zimmer in Oldenburg gesucht, um einen Teil der Woche dort und den Rest in Werlte zu verbringen. „An der Uni in Oldenburg bin ich Gasthörerin und habe auch ein Sprachtandem mit einer deutschen Studentin“, so Kraushar. In Werlte lebt sie beim ehemaligen Lehrer der Oberschule, Martin Tönnies. Der hat viel Lob für sie übrig: „Jodi ist eine angenehme Mitbewohnerin, freundlich und hilfsbereit. Sie bemüht sich nicht nur die deutsche Sprache zu erlernen, sondern zeigt sich auch interessiert an der deutschen Kultur, an Politik und Literatur.“

Der Studentin, die am renommierten „Bowdoin College“ im Bundesstaat Maine, 400 Kilometer nördlich von New York City, studiert, ist die deutsche Sprache nicht unbekannt. Seit vier Jahren studiert sie Germanistik und Politikwissenschaften an der Elite-Universität und spricht mittlerweile nahezu fließend Deutsch.

Großeltern überlebten Holocaust

Ihr Aufenthalt in Deutschland hat aber neben der Tätigkeit an der Schule noch einen weiteren, persönlichen Hintergrund. Kraushar ist Jüdin, ihre Großeltern mütterlicherseits sind Überlebende des Holocausts. Der Großvater kam aus Köln, die Oma aus Polen. „Diese Geschichte war mir immer im Hinterkopf und als Jüdin wollte ich zurück zu meinen Wurzeln und eine Verbindung herstellen.“

Bei ihrer Arbeit an der Oberschule übernimmt Kraushar Unterrichtssequenzen und übt das die Englisch-Aussprache mit den Schülern. Eine Hilfe, die Marion Gerdes, Englischlehrerin und Didaktische Leiterin an der ATS, sehr zu Gute kommt. „So lernen die Schüler in Kleingruppen die Aussprache, oder es gibt interessante Vorträge über New York City oder das Thanksgiving-Fest“, so Gerdes. Zudem habe die neue Kollegin viele Ideen, die sie in ihrer Zeit an der Schule noch umsetzen möchte. Insgesamt zehn Monate wird die 22-Jährige an der Werlter Schule bleiben.

Sehnsucht nach Familie – und Bagels

Neben der Zeit in der Schule reist Kraushar viel in Deutschland und besucht andere Fremdsprachenassistenten, die sie bei einer Einführungsveranstaltung in Köln kennengelernt hat. In Werlte, und auch auf Reisen, ist ihr eins aufgefallen: „Die Deutschen essen sehr viel Brot“, so Kraushar. Leider gebe es ihre Lieblingsbackware – die Bagels – hier nicht überall, so die junge Frau.

Kulinarisch freue sie sich aber schon auf das Nationalgericht der Region, den Grünkohl. Und auch auf den Weihnachtsmarkt in Oldenburg werde sie gerne gehen, bevor sie zu Weihnachten wieder in die Heimat reist, um ihre Familie zu treffen. Denn die vermisse sie noch mehr als die Bagels.


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